bedeckt München 24°
vgwortpixel

Nach Klagewelle:Bayer geht gegen erstes Glyphosat-Urteil in Berufung

Anleger und Analysten fragen sich mittlerweile, ob Bayer die Risiken des etwa 63 Milliarden Dollar teuren Monsanto-Kaufs möglicherweise unterschätzt hat.

(Foto: Ina Fassbender/AFP)
  • Der Pharmakonzern Bayer geht gegen das Urteil, das die Glyphosat-Klagewelle erst so richtig auslöste, in Berufung.
  • Der Konzern bestreitet nach wie vor, dass das Mittel krebserregend ist, und verweist auf entsprechende wissenschaftliche Studien.
  • An diesem Donnerstag legt Bayer seine Quartalszahlen vor.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer geht gegen das erste Urteil der Glyphosat-Klagewelle in Berufung. Die Firmentochter Monsanto habe beantragt, das Urteil der Geschworenen im Fall Johnson aufzuheben und die Klage abzuweisen, teilte Bayer mit. Die vorgelegten Beweise in dem Fall würden bei Weitem keine Verantwortlichkeit des Unternehmens nachweisen. Bayer verwies zudem auf "die übereinstimmend positiven Einschätzungen internationaler Regulierungsbehörden und die diesen Einschätzungen zugrunde liegenden umfangreichen wissenschaftlichen Nachweise, wonach Glyphosat nicht krebserregend ist".

Im August vergangenen Jahres hatte eine Geschworenenjury dem Krebspatienten Dewayne Johnson insgesamt 289 Millionen Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung zugesprochen. Die Richterin senkte die Strafe gegen den US-Saatgutkonzern Monsanto später zwar auf etwa 78 Millionen Dollar (69 Mio Euro) - sie macht Glyphosat jedoch weiterhin für die Krebserkrankung des Mannes verantwortlich. Johnson hatte als ehemaliger Platzwart an einer kalifornischen Schule über Jahre glyphosathaltige Produkte eingesetzt und dem Unternehmen vorgeworfen, deswegen an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein. Das Urteil hatte die Klagewelle gegen Bayer erst so richtig ins Rollen gebracht.

Bayer weist die Vorwürfe eines Krebsrisikos nach wie vor zurück

An der Börse steht der Konzern wegen der vielen Glyphosat-Klagen in den USA inzwischen massiv unter Druck. Anleger und Analysten fragen sich, ob die Leverkusener die Risiken des etwa 63 Milliarden Dollar (56 Mrd Euro) teuren Monsanto-Kaufs unterschätzt haben. Bis zum 11. April wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 13 400 Klägern zugestellt. Das sind etwa 2200 mehr als noch Ende Januar.

Erst Ende März hatte Bayer einen weiteren wichtigen Prozess um mutmaßlich krebserregende Produkte der Tochter Monsanto verloren: Der Konzern muss dem 70-jährigen Kläger Edwin Hardeman Schadenersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar (71,4 Mio Euro) zahlen. Es handelte sich dabei um einen richtungsweisenden Bellwether Case: Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können.

Glyphosat zählt zu den weltweit am meisten eingesetzten Unkrautvernichtern und wurde vom US-Saatgutriesen Monsanto entwickelt, den Bayer im Sommer für rund 63 Milliarden Dollar übernommen hat. Bayer weist die Vorwürfe eines Krebsrisikos zurück und beruft sich dabei auf zahlreiche Studien. Der Dax-Konzern gibt sich betont optimistisch: Bislang sah das Unternehmen keinen Grund, für mögliche Schadenersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Viel Geld kosten die Glyphosat-Klagen aber dennoch schon: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen im vergangenen Jahr um rund 660 Millionen Euro. An diesem Donnerstag legt der Konzern seine Quartalszahlen vor.

Lesen Sie jetzt mit SZ Plus:
Unternehmen Da wächst kein Gras mehr

Bayer und Monsanto

Da wächst kein Gras mehr

63 Milliarden Dollar bezahlte "Bayer"-Chef Werner Baumann für den US-Konzern Monsanto, der das hoch umstrittene Glyphosat vertreibt. Wie will er das rechtfertigen? Eine Begegnung in München.   Von Elisabeth Dostert und Thomas Fromm