Streik:Das Chaos bei der Bahn kommt später

Arbeitskampfmaßnahmen der Lokführergewerkschaft GDL

Der Vorsitzende des GDL im Eilschritt: Die Beschäftigten seien streikbereit, so Claus Weselsky.

(Foto: Annette Riedl/dpa)

Die Lokführergewerkschaft GDL verschiebt Pläne für einen Streik. Stattdessen startet sie ein juristisches Scharmützel. Im August sollten sich Reisende allerdings auf Probleme einstellen.

Von Angelika Slavik, Berlin

Claus Weselsky ist ein Mann, der starke Worte nicht scheut. So ist es auch am Donnerstag in Berlin. Die Konzernspitze der Deutschen Bahn nennt er "die Teppichetage", die zudem eine "Abteilung Agitation und Propaganda" verantworte. Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, will mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für die Bahnmitarbeiter. Konkret: Ein Gehaltsplus von 3,2 Prozent, so wie im öffentlichen Dienst. Außerdem 600 Euro Corona-Prämie.

Die Bahn sagt, sie habe 3,2 Prozent in Aussicht gestellt, aber Weselskys Forderungen würden sich in der konkreten Umsetzung auf das Dreifache summieren - eine Lesart, die die GDL zurückweist. Anfang Juni scheiterte die vierte Runde der Tarifgespräche, seither schieben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld dafür zu. Weselsky sagt, die Beschäftigten seien streikbereit: "Der Raum ist gefüllt mit einem explosiven Gasgemisch, da brauchen wir nur ein Streichholz reinhalten."

Bei all der Wortgewalt ist es eine Überraschung, dass der Arbeitskampf recht bürokratisch ausfallen soll. Man werde eine Urabstimmung unter den Mitgliedern abhalten, um den Gehaltsforderungen Nachdruck zu verleihen, sagt Weselsky. Bis zum 6. August will die GDL die Meinung ihrer Mitglieder zu Forderungen und Streiks abfragen und die Ergebnisse bis zum 9. August auswerten. Bis dahin werde es keine Streiks geben. "Das ist eine lange Zeit zum Nachdenken für die Teppichetage im Bahntower", sagt Weselsky. Der Umweg ist auch ein juristisches Scharmützel: Die GDL rechnet damit, dass die Bahn gegen die Rechtmäßigkeit des Arbeitskampfes klagen wird. Kommt vor dem Streik eine Urabstimmung, erhofft sich die Gewerkschaft bessere Chancen auf eine Zustimmung des Gerichts.

Aber klar ist auch: Die Ruhe ist zeitlich begrenzt. Gebe es bis Anfang August kein besseres Angebot, werde es alsbald Streiks geben. Wer also im Juli mit der Bahn in den Urlaub will, muss sich keine Sorgen machen. Wer dagegen im August fährt, sollte sich auf Ärger einstellen.

© SZ/pauw
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