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Automobilindustrie:Sonderschichten für China

Die deutschen Autohersteller haben die Zeit der Krise und Kurzarbeit abgehakt, der Absatz brummt wieder. Aber nicht überall.

Es ist erst ein paar Wochen her, da trafen Aktionäre des Autobauers BMW bei der Hauptversammlung des Konzerns auf einen nachdenklichen Vorstandschef. Die Krise sei noch längst nicht vorbei, sagte Norbert Reithofer. Man sei "weit von einem dauerhaften Aufschwung entfernt". Und nicht wenige der Besucher dachten, dass es bald wieder losgehen könnte mit der Kurzarbeit - jenem Instrument, mit dem sich deutsche Autobauer schon über das vergangene Krisenjahr gerettet hatten, ohne in großem Stil Stellen abzubauen.

Audi bleibt bei Renditeprognose zurueckhaltend

Sitzt, wackelt - und hat Luft: Ein Mitarbeiter prüft im Werk Neckarsulm an einem A8 die Oberfläche des Logos. Auch Audi profitiert von der großen Nachfrage aus China. 

(Foto: ag.ddp)

Doch das Gegenteil ist der Fall: Mit Sonderschichten und Leiharbeitern versuchen die Hersteller in diesen Wochen, der überraschend guten Auftragslage Herr zu werden. Längst wird bei Daimler wieder samstags gearbeitet; beim Wettbewerber BMW heißt es, es würden "gemeinsam mit dem Betriebsrat Optionen geprüft, wie wir die Kapazitäten ausbauen können". So sei Samstagsarbeit in vielen Werken "Regelarbeitszeit" - die Frage sei nur, ob man diese in Anspruch nehme. "Die Auftragslage sieht sehr gut aus", heißt es bei BMW. Allerdings würden noch "viele Damoklesschwerter herumhängen", wie ein Sprecher sagt. Fragen nach der Zukunft des Euro, des weiteren Verlaufs der Weltwirtschaftskrise und ob und wie es mit dem chinesischen Markt weitergehe, würden die Industrie beschäftigen.

Riesige Nachfrage aus China

Gerade hier liegt für die Hersteller das Problem - ein großer Teil des gerade stattfindenden Jobwunders in deutschen Fabriken geht auf das Konto Chinas. Während die europäischen Märkte, insbesondere Deutschland, nach wie vor schwächeln, boomt es auf der anderen Seite der Weltkugel. In China wächst die Zahl der Millionäre täglich - gut für Audi, BMW und Daimler, deren Absatz von Edel-Limousinen wie dem A8, dem 7er und der S-Klasse zweistellig wächst. Für Audi ist China längst der weltweit größte Markt, noch vor Deutschland. 160.000 Autos verkaufte der Hersteller aus Ingolstadt 2009 dort, über 200.000 sollen es 2010 werden.

Die Autobauer planen daher vor Ort: Daimler will wegen seines Absatzbooms in Asien eine eigene Motorenfertigung in China aufbauen - allein in den nächsten Jahren sollen drei Milliarden Euro in die Hand genommen werden, um vor Ort für den dortigen Markt Motoren herzustellen. China werde "das erste Land außerhalb Deutschlands sein, wo wir Motoren produzieren", lobte Vorstandschef Dieter Zetsche seine Strategie. Ziel der Stuttgarter: Der Pkw-Absatz in China soll von zuletzt 67.000 auf mehr als 100.000 gesteigert werden. 2015 sollen dann 300.000 Autos abgesetzt werden. Jedes fünfte Auto werde Mercedes dann in China verkaufen, derzeit liegt der Anteil gerade einmal bei sechs Prozent. "Das Auto wird pazifischer und asiatischer werden als jemals zuvor", prophezeite er erst vor ein paar Wochen, warnte aber auch, das chinesische Wachstum werde möglicherweise "nicht endlos weitergehen".

Dennoch setzen die Hersteller auf China. Zum Beispiel BMW: Der Konzern hat längst die Konsequenzen aus der ungleichen Entwicklung einzelner Märkte gezogen. "Wir müssen mit der Produktion den Märkten folgen", sagt BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt. Und die Märkte, die heißen im Moment vor allem USA und China. In beiden Ländern stocken die Münchner derzeit ihre Produktion auf. Geplant ist, dass BMW bald 100.000 Autos im chinesischen Shenyang produziert - irgendwann könnten es an die 300.000 sein. Ängste, dass so Arbeitsplätze vom In- ins Ausland verlagert werden, haben die Konzerne bislang stets zerstreut. "Das bedeutet nicht, dass die Inlandsarbeitsplätze abwandern, sondern dass unser Wachstum in erster Linie im Ausland stattfinden wird", sagt BMW-Manager Arndt. Erfolge in China sicherten Arbeitsplätze im Werk Dingolfing. Sichern ja - aber ob auch neue Jobs entstehen, ist eine andere Frage.

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