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Ausstand der GDL:Bahnstreik im Personenverkehr beginnt

  • Seit 2 Uhr nachts bestreikt die Lokführergewerkschaft GDL den Personenverkehr bei der Deutschen Bahn. Seit Dienstagnachmittag läuft der Ausstand für den Güterverkehr.
  • Etwa zwei Drittel der Fernzüge werden ausfallen und 40 bis 85 Prozent der Regionalbahnen. Auch die S-Bahnen sind von dem Streik betroffen. Die Bahn bietet einen Ersatzfahrplan.
  • Über einen Vermittlungsversuch zwischen GDL und Deutscher Bahn gibt es keine näheren Informationen, es sei Vertraulichkeit verabredet worden.
  • Der Vorsitzende des Dachverbands dbb-Beamtenbund Dauderstädt steht hinter GDL-Chef Weselsky und dessen Plänen. DGB-Chef Hoffmann kritisierte diesen hingegen erneut.

"Es ist losgegangen"

Die Lokführer der Deutschen Bahn sind in der Nacht auch im Personenverkehr wieder in den Streik getreten. Die Bahn bestätigte, der Ausstand habe wie geplant um 2 Uhr begonnen. "Es ist losgegangen", sagte eine Bahnsprecherin. Wann der Streik enden wird, hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) diesmal offen gelassen.

Bereits am Dienstagnachmittag hatten die Lokführer der Güterzüge die Arbeit niedergelegt. Es ist der neunte Streik in diesem Tarifkonflikt seit Anfang September.

Für Millionen Bahnfahrgäste bedeutet der Arbeitskampf starke Einschränkungen. So werden voraussichtlich etwa zwei Drittel der Fernzüge ausfallen und je nach Region 40 bis 85 Prozent der Nahverkehrszüge. Auch die S-Bahnen sind vom Streik betroffen. Die Bahn hat Ersatzfahrpläne für den Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr veröffentlicht. Sie sind nach Angaben der Bahn verlässlich.

  • Bayern: Etwa die Hälfte aller Nahverkehrszüge und S-Bahnen fällt voraussichtlich aus. Für die S-Bahnen seien Ersatzfahrpläne eingerichtet, teilte die Bahn mit. In München verkehrten diese im 60-Minuten-Takt. Auf den Linien 2, 3, und 4 würden ergänzende Züge eingesetzt. Auf der Stammstrecke Pasing-Ostbahnhof sollten stündlich sechs bis neun Bahnen fahren.
  • Berlin: Die Berliner S-Bahn verkehrt auf den meisten Strecken im 20-Minuten-Takt. Die große Ausnahme ist der Berliner Ring, auf dem keine Züge fahren. Hier ist ein Ausweichen auf andere Verkehrsmittel wie U- und Straßenbahnen sowie Busse der Berliner Verkehrsbetriebe nötig.
  • Niedersachsen und Bremen: Hier fahren lediglich 40 bis 50 Prozent aller Züge, der Ersatzfahrplan sei aber gut angelaufen. "Wir haben heute Morgen alle Transportleitungen angerufen und von allen bekamen wir die Rückmeldung, sie liefen stabil. Sicherlich ist da inzwischen eine gewisse Routine eingekehrt", sagte eine Sprecherin.
  • Nordrhein-Westfalen: Im Regionalverkehr soll etwa jeder dritte Zug fahren. Es zeichne sich ab, dass die Beteiligung noch höher sei als bei den vorigen Ausständen, sagte der Landesvorsitzende der GDL, Sven Schmitte.

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Mehr als sechs Tage Streik angekündigt

Sollten sich Bahn und GDL nicht zuvor am Verhandlungstisch wieder näher kommen, soll der Streik "etwas länger" dauern als Anfang Mai, hatte GDL-Chef Claus Weselsky angekündigt. Damals waren es knapp sechs Tage. Nun soll der Ausstand nach Ankündigungen der GDL über die Pfingstfeiertage andauern.

Über einen Vermittlungsversuch gab es zunächst keine näheren Informationen. Bahn und GDL loteten bei einem Treffen in Frankfurt die rechtlichen Bedingungen einer möglichen Schlichtung aus. Als unabhängige Instanz nahm der frühere Bundesarbeitsrichter Klaus Bepler teil. "Es ist Vertraulichkeit verabredet worden", sagte eine Bahn-Sprecherin. Die Gespräche sollten "kurzfristig fortgesetzt" werden.

DGB-Vorsitzender Hoffmann hat kein Verständnis

Der Vorsitzende des Dachbverbands dbb-Beamtenbund, Klaus Dauderstädt, verteidigte den Streik. "Wir stehen hinter den Zielen der GDL", sagte er der Nordwest-Zeitung. "Wenn man am Verhandlungstisch nicht weiterkommt, gehören immer zwei Seiten dazu." Die Deutsche Bahn AG habe nicht genug dafür getan, schnell zu einer Einigung zu kommen.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann kritisierte den GDL-Chef indes erneut: Weselsky wolle augenscheinlich das Gesetz über die Tarifeinheit abwarten, "um dann im Zusammenhang mit dem schwelenden Konflikt gegen das Gesetz klagen zu können", sagte er dem Tagesspiegel. Er instrumentalisiere die Beschäftigten und die Kunden der Bahn gegen das Gesetz. "Das geht zu weit, um es vorsichtig zu sagen", sagte Hoffmann.

Wirtschaftsverbände wiesen auf drohende Probleme durch den Ausstand hin. "Die Ankündigung eines unbefristeten Bahnstreiks ist pures Gift für das Krisenmanagement der Unternehmen", klagte der Bereichsleiter Gunnar Gburek vom Logistik-Bundesverband BME. Die Chemieindustrie - einer der wichtigsten Güterkunden der Bahn - überdenkt ihre Logistikkonzepte.

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© Süddeutsche.de/AFP/dpa/sks

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