Arbeitskampf der Lokführer:Bahn geißelt 100-Stunden-Streik als "reine Schikane"

  • Die Gewerkschaft GDL kündigt einen Mammut-Ausstand im Personenverkehr der Bahn von Donnerstag um 2 Uhr bis Montag 4 Uhr an. Noch länger soll der Ausstand im Güterverkehr dauern.
  • Die Deutsche Bahn verurteilt den Streik als "reine Schikane", auch Wirtschaftsverbände sind sauer.
  • Bestreikt werden sollen demnach sowohl Nah- als auch Fernverkehrszüge sowie S-Bahnen.
  • Reisende und Pendler müssen sich damit auf massive Probleme einstellen.

Mehr als 100 Stunden Streik angekündigt

Die Lokführergewerkschaft GDL macht erneut Ernst - und will den Bahnverkehr in Deutschland Ende der Woche lahmlegen. Beginnen soll der Arbeitskampf demnach am Donnerstag um zwei Uhr nachts, vorbei sein soll der Ausstand am Montag um vier Uhr in der Früh, teilte die GDL am Dienstag mit. Damit ginge auf der Schiene für 98 Stunden nichts mehr. Zudem kündigte die Gewerkschaft an, den Güterverkehr bereits ab Mittwochnachmittag um 15 Uhr bis ebenfalls Montagmorgen um vier Uhr lahmlegen zu wollen.

"Wir wollen und müssen im Auftrag unserer Mitglieder verhandeln", sagte Gewerkschaftsboss Claus Weselsky zur Begründung für den Arbeitskampf - egal in welcher Funktion und bei welcher Bahntochter diese arbeiteten. Der Tarifstreit dreht sich vor allem um die Frage, für welche Berufsgruppen die GDL zuständig ist, nur Lokführer oder auch das sonstige Bahnpersonal. Es ist der inzwischen sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994.

Bahn und Wirtschaftsvertreter sind sauer

Die Deutsche Bahn kritisiert den Aufruf der GDL zum längsten Streik in der Unternehmensgeschichte scharf. "Dieser Streikaufruf macht nur noch sprachlos und ist reine Schikane!", erklärte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Während sich die Menschen in Deutschland darauf freuten, am Sonntag den 25. Jahrestag des Mauerfalls zu feiern, wolle die GDL das öffentliche Leben lahmlegen. Die GDL solle den Streikaufruf unverzüglich zurücknehmen, hieß es.

NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) attackierte die Streiks ebenfalls mit scharfen Worten. "Die Androhung eines viertägigen Streiks artet in pure Kraftmeierei aus, verspielt alle Sympathien und schreit geradezu nach einer gesetzlichen Regelung maßloser Spartengewerkschaften", sagte der Politiker der Rheinischen Post.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) kritisierte die Arbeitsniederlegungen: "Mit dem geplanten Streik der GDL im Güterverkehr wird ab Mittwochnachmittag auch der Mittelstand in Geiselhaft genommen". Die Ankündigung von fünf Streiktagen zeuge von einer "unfassbaren Maßlosigkeit". Den Betrieben in NRW würden schwere Lasten aufgebürdet, hieß es.

Tarifverhandlungen waren am Montag gescheitert

Bereits am Morgen hatte GDL-Chef Weselsky in einem Radiointerview gesagt, dass die Gewerkschaft "die Streikplanung rechtzeitig bekanntgeben werde", damit Reisende Alternativen planen und auch buchen könnten. Die vergangenen Streiks der Lokführer hatten zu einem Run auf Fernbusse, Mitfahrzentralen und Mietwagenanbieter geführt.

Nach dem Scheitern der Tarifgespräche mit der Bahn hatte die GDL am Montag weitere Arbeitskämpfe angekündigt. Nach Darstellung der Bahn war eine Vereinbarung, wonach die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten sollte, fast unterschriftsreif. Die GDL-Spitzengremien lehnten den Vorschlag jedoch ab.

© Süddeutsche.de/dpa/sry/jasch/hum/lala
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