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Arbeitskampf bei der Bahn:GDL droht mit weiteren Streiks

Lokführerstreik - Hamburg

Da hilft nur warten und sich warm anziehen: Eine Reisende wartet am letzten Streiktag auf den Zug in Hamburg Altona.

(Foto: dpa)
  • Der letzte Tag des großen Bahnstreiks läuft. Bis 18 Uhr sind noch zahlreiche Verbindungen gestrichen. Doch auch nach dem Streik wird es einige Zeit dauern, bis die Bahn wieder regulär fährt.
  • Die GDL droht bereits mit dem nächsten Streik. Sie fordert nach wie vor, auch die Tarifabschlüsse für Zugbegleiter und Rangierführer verhandeln zu dürfen.
  • Busunternehmen und Mietwagenanbieter fahren durch die Streiks Rekordeinnahmen ein.

Der letzte Streiktag

Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihren Streik bei der Deutschen Bahn am Samstag fortgesetzt. Es kam erneut zu vielen Ausfällen und Verspätungen. Die Bahn konnte wie in den Vortagen nur ein Drittel des Fernverkehrs aufrechterhalten, wie eine Sprecherin am Samstag sagte. Die GDL will ihren Ausstand am Abend um 18.00 Uhr beenden - 34 Stunden früher als geplant.

Besonders im Fernverkehr aber müssen sich Fahrgäste auch am Sonntag noch auf Beeinträchtigungen einstellen. Die "komplexe Einsatzplanung" von Zügen und Personal werde einige Zeit in Anspruch nehmen und noch zu einem deutlich eingeschränkten Angebot führen, hieß es. Im Nahverkehr sollen dagegen im Laufe des Sonntags wieder deutlich mehr Züge fahren.

Ursprünglich wollten die Lokführer bis Montagfrüh streiken. Doch am Freitag kündigte GDL-Chef Claus Weselsky überraschend eine "Versöhnungsgeste" in Form eines früheren Streikendes an. Zuvor hatte das Landesarbeitsgericht Hessen den Ausstand der Lokführer in letzter Instanz für rechtmäßig erklärt.

Wie es weiter geht

Bereits jetzt droht die GDL mit neuen Streiks, sollte es bei den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn keine inhaltlichen Fortschritte geben. "Bisher haben wir noch über nichts Inhaltliches geredet", sagte Frank Nachtigall, GDL-Bezirksvorsitzender von Berlin-Sachsen-Brandenburg, am Samstag im rbb. Die Bahn beharre auf der Position, "dass wir nicht für all unsere Mitglieder tarifieren dürfen". Sollte das Unternehmen nicht einlenken, "wird es tatsächlich wieder zu Ausständen kommen".

Kern des Konflikts ist, dass die GDL außer für die 20.000 Lokführer auch für etwa 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer verhandeln will. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht allerdings die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt es aber ab, für gleiche Berufsgruppen unterschiedliche Tarife abzuschließen.

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Wer von dem Streik profitiert

Vom Streik der Lokführer haben unter anderem Mitfahrzentralen und Mietwagenverleiher profitiert. Auch Fernbusanbieter konnten Rekordanfragen verbuchen. In Ballungszentren sei es schwierig geworden, noch ein Fahrzeug zu bekommen, hieß es etwa bei Europcar. Als gern genutzte Alternative zur Bahn stellten sich Fernbusse heraus. Der ADAC verzeichnete 50 Prozent mehr Buchungen und hatte 20 Prozent mehr Busse im Einsatz als sonst, sagte eine Sprecherin. Das Unternehmen "MeinFernbus" organisierte 150 zusätzliche Busse. Die Internet-Plattform mitfahrgelegenheit.de habe etwa doppelt so viele Fahrten vermittelt wie üblich, sagte ein Sprecher.

Anschläge auf Bahnanlagen

Unbekannte haben in mehreren Bundesländern Brandanschläge auf Kabelschächte der Deutschen Bahn verübt. In Bremen und dem niedersächsischen Bad Bevensen entfernten die Täter am Morgen die Betondeckel über den Schächten und legten Feuer. Auch in Wittenberge in Brandenburg gab es Anschläge.

In Norddeutschland müssen Reisende daher mit zusätzlichen Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Betroffen sind nach Angaben der Bahn die Strecken Hamburg-Hannover, Hamburg-Bremen und Hamburg-Berlin.