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Arbeitsbedingungen bei Discounter-Lieferanten:Der Vorwurf bleibt: Schönfärberei

Es sei die gleiche Schönfärberei wie die von der Otto Gruppe 2009 öffentlichwirksam angekündigte "Fabrik der Zukunft", die man zusammen mit Friedensnobelpreisträger Yunus aufbauen wollte. Burckhardt lacht und sagt: "Das ist doch der Hammer. Die haben kurz vor Weihnachten mit einem Riesentamtam angekündigt, dass sie eine Vorzeigefabrik hinstellen werden. Und bis heute steht nichts, nichts." Dem Weihnachtsgeschäft hat das sicher nicht geschadet.

Damals tönte Otto großherzig, sich bei der Bezahlung an den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu orientieren. Aber die Zulieferer wehren sich seit Jahren gegen den von Gewerkschaften geforderten Mindestlohn von 5000 Taka (47 Euro). Und der wäre immer noch weltweit der niedrigste. Es ist also kein Zufall, dass Bangladesch mit seinen 4000 bis 5000 Fabriken Indien als zweitgrößten Strickwarenexporteur der Welt überholt hat. Sie sind jetzt Nummer zwei nach China. Eine Jeans aus China kostete im Jahr 2008 durchschnittlich 6,93 Euro, eine aus Bangladesch 4,72 Euro. Sie sind so billig, dass immer mehr Firmen aus China abziehen, wo die Arbeiter immer renitenter werden - und teurer.

Wer ist schuld? Der Verbraucher, der Geiz-ist-geil-Kult? Fabrikbesitzer, die das eigene Volk aussaugen? Discounter, die immer weniger zahlen? Politiker, die Firmen nicht in die Pflicht nimmt?

Burckhardt überlegt. Na ja, der Verbraucher. Woher soll er es wissen, ohne Transparenz. Wenn auf den Labels stehen würde: Diese Ware wurde unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt. Vielleicht würde das etwas verändern.

© SZ vom 11.01.2012/bürk
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