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Aral:Strom von der Tanke

Deutschlands größte Tankstellenkette will Hunderte Schnellladestationen für Elektroautos aufbauen. Ein Versuch, das Geschäftsmodell in die Zukunft zu führen.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Mit dem Antrieb der Zukunft ist das ja so eine Sache. Mehr und mehr Autos fahren batteriebetrieben. Viele Lkw und Busse dürften indes noch länger Kraftstoffe schlucken, wobei diese bis spätestens 2050 klimaneutral werden sollten. Eine Herausforderung ist all das in jedem Fall für Tankstellen: Einfach nur fossiles Benzin und Diesel zu verkaufen, taugt als Geschäftsmodell immer weniger.

Deutschlands größte Tankstellenkette Aral will sich damit nicht bloß abfinden, sondern künftig selbst mehr Strom verkaufen: Bis Ende dieses Jahres will Aral an mehr als 120 Tankstellen Schnellladesäulen für Elektroautos betreiben. Das hat die Tochter des BP-Konzerns nun angekündigt. Demnach will Aral 500 einzelne Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 350 Kilowatt anschließen. Mit der passenden Technik könnten Batterieautos denn binnen zehn Minuten genug Energie laden, um bis zu 350 Kilometer weit fahren zu können, rechnet das Unternehmen vor. Das Laden solle mithin nicht viel länger dauern als ein gewöhnlicher Tankvorgang.

Insgesamt betreibt Aral gut 1200 eigene Tankstellen hierzulande; hinzu kommen fast nochmal so viele Standorte von Pächtern. Wie viel die Bochumer Firma in die Ladesäulen investiert, dazu machte sie zunächst keine Angaben. Die Ausgaben unterscheiden sich von Ort zu Ort, sagt ein Sprecher: je nachdem etwa, ob der Stromanschluss erst noch für Hochleistungslader ertüchtigt werden muss. Für einen Teil der Stationen nehme Aral staatliche Förderung in Anspruch. Bislang betreibt die Kette etwa 100 Ladepunkte an 25 Tankstellen.

Aral will städtische Tankstellen zu kleinen Supermärkten und Umsteigestationen aufrüsten

Neben Mineralölkonzernen stellen hierzulande vor allem Energieversorger und Parkhausbetreiber allgemein zugängliche Ladesäulen auf, zudem etwa auch Supermärkte und Hotels. Die Bundesnetzagentur zählte zuletzt knapp 40 000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland. Nach Ansicht von Ökonomen, etwa des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), trägt der Bau von Ladesäulen und vor allem von Schnellladepunkten mit dazu bei, potenzielle Kunden zum Kauf von Elektroautos zu motivieren. Daher fördert der Staat nicht nur die Anschaffung der Fahrzeuge, sondern auch den Aufbau des Ladenetzes.

Für Aral wiederum sind Ladesäulen einer von mehreren Versuchen, das Geschäftsmodell Tankstelle in die Zukunft zu führen - Pessimisten würden sagen: zu retten. Denn zur Wahrheit gehört ja auch, dass zumindest in großen Städten immer mehr Haushalte ohne eigenes Auto leben. Für Tankstellen wird daher der Verkauf von Getränken, Snacks oder Lottoscheinen wichtiger; Aral arbeitet dafür mit der Handelskette Rewe zusammen. Gut 60 Prozent aller Kundenkontakte seiner Firma haben nichts mehr mit Kraftstoff zu tun, konstatierte Aral-Chef Patrick Wendeler schon vor gut zwei Jahren.

Vorigen Herbst hat das Unternehmen eine erste neuartige Tankstelle in Berlin eröffnet, die als Blaupause für Großstadtstandorte dienen soll: Neben Benzin, Diesel und Strom können Kunden dort etwa auch Leihwagen beziehen, den Akku ihres E-Bikes wechseln oder Pakete abholen. "Solange sich Menschen fortbewegen", formulierte Wendeler einst seine Hoffnung, "wird es eine Rolle und Potenziale für die Tankstelle geben."

© SZ
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