bedeckt München 25°

Hauptversammlung:Allianz ist trotz Covid zufrieden

Allianz muss nach Corona-Klagen Niederlagen fürchten

Bei der Hauptversammlung der Allianz gab es Kritik von Gastronomen. Ihre Policen decken Pandemieschäden nicht ab.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Der Konzern zeichnet trotz des Gewinnrückgangs wegen der Pandemie ein positives Bild. Konzernchef Oliver Bäte erhält jedenfalls zwölf Prozent mehr Gehalt, die harte Ablehnung von Zahlungen an Wirte und Hoteliers verteidigte er.

Von Herbert Fromme, Köln

Mehr als sechs Stunden Videokonferenz, 360 Aktionärsfragen. Die digitale Hauptversammlung der Allianz behandelte höchst verschiedene Themen. Leugner des Klimawandels äußerten sich ebenso wie Vertreter indigener Völker und Verfechter von Elektroautos.

Aufsichtsratschef Michael Diekmann betonte, wie zufrieden er trotz Corona-bedingtem Gewinnrückgang um 1,2 Milliarden Euro auf 7,1 Milliarden Euro ist, und warum Konzernchef Oliver Bäte bislang vergleichsweise schlecht bezahlt wurde. Er erhält künftig 12 Prozent mehr, das Jahreszielgehalt beläuft sich dann auf 6,4 Millionen Euro plus Pensionszahlungen.

Offenbar haben auch einige Gastronomen Allianz-Aktien, es gab Fragen zur Betriebsschließungsversicherung. Bäte verteidigte die Ablehnung der Zahlung von Schäden. Mit den Policen hatten sich Gastronomen und Hoteliers gegen Schließungen wegen Infektionskrankheiten versichert. Pandemien seien nicht eingeschlossen, sagte Bäte. "Das Risiko ist nicht versicherbar." Allerdings: Versicherer wie Signal Iduna und HDI haben Schäden bezahlt.

Eine Katastrophe für Hotels und Gaststätten

Die Situation sei natürlich eine Katastrophe für Hotels und Gaststätten, sagte Bäte. Er gestand Fehler ein. "Problematisch wird es immer dann, wenn die Verträge nicht eindeutig sagen, was versichert ist." Das müsse man besser machen. Aktuell habe die Allianz 6300 Verträge mit 3,5 Millionen Euro Prämie in dieser Sparte. Allein bei den bereits abgeschlossenen Schadenmeldungen sei es um einen "mittleren dreistelligen Millionenbetrag gegangen", sagte Bäte - also um rund 500 Millionen Euro.

Jetzt laufen Gerichtsverfahren. In 41 Prozessen wurden die Klagen abgewiesen, berichtete Bäte. Die Prozesskosten belaufen sich auf 560 000 Euro, für Vergleiche hat die Allianz 5 Millionen Euro gezahlt.

Daneben habe sie allen Kunden 15 Prozent der Versicherungssumme angeboten. "Das Angebot haben rund 80 Prozent der Kunden angenommen." Der Versicherer zahlte 39 Millionen Euro aus.

Anders verhält sich der Konzern bei Betriebsschließungen von Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen. "In diesen Verträgen mit individuellen Klauseln kann Covid-19 sogar mitversichert sein", sagte Bäte. Bislang erhielten versicherte Einrichtungen 8,5 Millionen Euro, weitere Fälle sind offen.

© SZ/shs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB