Abgasskandal:Ein Lobbyist durfte behaupten, dass der Diesel "die Luft reinigt"

Der Industrieverein machte kräftig Werbung für den "Clean Diesel". In dem Newsletter durfte ein Vertreter des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) gar unwidersprochen behaupten, der Dieselmotor sei aus Umweltsicht unproblematisch. Feinstaub-Partikel und Stickstoffdioxid gingen wegen der modernen Abgasreinigung auf ein "nahezu homöopathisches Niveau" zurück. Man könnte fast sagen, fügte der VDA-Vertreter hinzu, "dass ein moderner Diesel in vielen Situationen sozusagen die Luft reinigt".

Als das Schreiben im Juni 2013 entstand, wusste man in der Autoindustrie aber längst, dass dies überhaupt nicht stimmte. Das ist in internen Papieren der Volkswagen-Tochter Audi dokumentiert. Motorenentwickler des Ingolstädter Unternehmens hatten den Unterlagen zufolge bereits 2010 eindringlich auf den zu hohen Schadstoffausstoß beim Stickstoffdioxid (NO₂) hingewiesen. Der Grenzwert werde in vielen Städten massiv überschritten. "Auch noch in 2020 wird es Zonen mit Überschreitung des Luftqualitätsgrenzwertes geben."

Die Audi-Techniker warnten vor einer "erneuten Dieseldiskussion". Vor jener Debatte, wie sie heute, nach dem Auffliegen der Tricksereien und Manipulationen, geführt wird. Die Ingolstädter Experten erwiesen sich sogar als Propheten. Wenn die Autoindustrie keine sauberen Dieselfahrzeuge entwickle und baue, werde die "gesamte Clean-Diesel-Strategie" gefährdet. Dann bestehe das Risiko, als "Blender" hingestellt zu werden. So steht es in den geheimen Audi-Papieren von 2010.

Der Verein machte Stimmung gegen kritische Untersuchungen

In der Öffentlichkeit wurde von der Autoindustrie und deren Forschungsverein genau das Gegenteil propagiert. Die EUGT machte sogar Stimmung gegen Untersuchungen, bei denen die NO₂-Konzentrationen in Städten straßennah gemessen würden. "Dort halten sich jedoch kaum - und wenn dann auch nur kurzzeitig - Menschen auf." So sei keine Aussage über die tatsächliche Belastung der Stadtbewohner möglich.

Heute geht die Autoindustrie auf Distanz zu ihrem eigenen Forschungsverein. Daimler will sogar aufklären, wie es zu der Affenstudie kommen konnte. Man habe eine Untersuchung eingeleitet. "Wir halten die Tierversuche in der Studie für überflüssig und abstoßend", erklärt Daimler und versucht, andere Beteiligte in Haftung zu nehmen. "Alle von der EUGT beauftragten Forschungsarbeiten wurden von einem Forschungsbeirat aus Wissenschaftlern von namhaften Universitäten und Forschungseinrichtungen begleitet und geprüft - von der Auswahl bis zu den Ergebnisdarstellungen." Jetzt sollen also die Professoren schuld sein, und nicht die Autoindustrie.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB