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Lebensart:Einfach baumeln lassen

Schaukeln, aber richtig: Experten empfehlen, sich möglichst diagonal in die Hängematte zu legen.

(Foto: mauritius images / Tetra Images)

Die Hängematte ist mehr als eine mobile Schlaf- und Sitzgelegenheit, sie symbolisiert ein ganzes Lebensgefühl. Aber wie findet man darin eigentlich eine bequeme Schlafposition?

Von Titus Arnu

Man muss nicht um die halbe Welt fliegen, um ein tropisches Hang-loose-Gefühl zu genießen. Von Deutschland nach Hawaii sind es gut 12 000 Kilometer, doch die locker-leichte Surf- und Ukulele-Atmosphäre lässt sich viel schneller und umweltfreundlicher erreichen. Einfach eine Hängematte an zwei Baumstämmen befestigen, Kopfhörer aufsetzen, das Album "Sing-A-Longs and Lullabies" von Jack Johnson abspielen - und sich dann total hängen lassen. Shaka!

Wenn der Blick zwischen sanft rauschenden Blättern hindurch in einen hellblauen Himmel geht, wenn unter einem auf der Wiese Bienen summen und Grillen zirpen - dann funktioniert die Hängematte wie ein Zauberteppich. Man kann auf ihr in die Ferien fliegen, ohne verreisen zu müssen. Sich ganz weit weg fühlen, aber trotzdem zu Hause bleiben. "Ich brauche keinen Urlaub, das strengt mich nur an", zitierte der Schriftsteller Ingo Schulze in einem Interview mit dem Tagesspiegel zustimmend den Künstler Ernst Barlach. Erholung finde er viel schneller beim Herumhängen im eigenen Garten: "Sich zum Lesen in die Hängematte legen mit dem Gefühl, ich darf auch einnicken. Das ist der absolute Luxus."

Die Hängematte ist mehr als eine mobile Schlaf- und Sitzgelegenheit, sie symbolisiert ein Lebensgefühl. Sich darin zwischendurch mal einen Durchhänger zu gönnen, das ist wie ein Kurztrip in eine andere Welt, in der es viel lässiger zugeht als in unserem Alltag. Das inflationär von Wellnesshotels und Esoterik-Ratgebern gebrauchte Sprachbild von der baumelnden Seele wurde ziemlich sicher in einer Hängematte erfunden. Auf der negativen Seite steht beziehungsweise hängt das Luftmöbel für Faulheit und Gleichgültigkeit. Das Schlagwort von der "sozialen Hängematte" unterstellt arbeitslosen Menschen, dass sie sich entspannt zurücklehnen und vom Staat versorgen lassen.

Hängematten sind hygienischer als Betten

Beim schwebenden Chillen pendeln sich die Gedanken von alleine ein. Man kommt ins Sinnieren, zum Beispiel über die Bezeichnung "Hängematte" - das klingt so deutsch wie "Brückentag", "Schadenfreude" und "Matratzenschoner". Dabei stammt das Wort aus der Karibik. Die Taínos, ein indigenes Volk auf Haiti, nannten ihre Schlafnetze "hamáka". Diesen Begriff verwendete auch Kolumbus, als er 1492 in seinem Bordbuch schrieb: "Betten und Decken, auf denen jene Leute schliefen, sind eine Art Wollnetze." Auf Spanisch heißen Netzhängematten "hamaca", daher stammt auch der englische Begriff "Hammock". Die deutsche Hängematte ist eine Verballhornung davon.

Hängematten gab es schon lange bevor Kolumbus sie beschrieb. Und sie hatten ursprünglich oft eine Doppelbelastung zu tragen: Tagsüber dienten sie als Fischernetz, nachts wurden sie als Schlafstatt an Bäume gehängt, wo man vor Schlangen, Spinnen und Hochwasser sicher war. Eine Hängematte ist hygienischer als ein Bett, besonders in tropischen Regionen. Ob es die Mayas oder andere indige Völker waren, die als erste baumelnd schnarchten, ist wissenschaftlich noch ungeklärt. Fachlich festgezurrt ist dagegen, dass die Kuna, ein Volk aus Panama, heute noch ihre Toten in Hängematten wickeln, um sie sanft ins Jenseits zu schaukeln.

Nach der Entdeckung der Hängematte durch Kolumbus lernten Seeleute sie schätzen. Die Netze sparten in den Schiffen viel Platz und glichen das Schwanken des Seegangs aus. Als günstiges Bett wurde die Hängematte auch in Armenhäusern, Kinderheimen und Gefängnissen verwendet. Im Amazonasgebiet, der Karibik, auf Südseeinseln und in Südostasien ist das Schwebebett immer noch ganz selbstverständlich in Gebrauch. Weit mehr als hundert Millionen Menschen weltweit benutzen die Hängematte regelmäßig als Schlaf- und Sitzmöbel. Das soll übrigens sehr gesund sein: Eine Studie der Universität Genf belegt, dass die Schaukelbewegungen einen schneller einschlafen lassen.

Empfehlung: Lektüre ohne intellektuelle Fallhöhe

Doch so einfach ist Herumhängen gar nicht. Wie findet man in der Hängematte eine bequeme Schlafposition? Anfänger legen sich stocksteif hinein und sehen dann aus wie eine tieffliegende Wurst. Experten empfehlen, sich diagonal in die Hängematte zu fläzen, nur dann gelingt das entspannte Schaukeln. Und nicht jede Hängematte ist zum Schlafen gedacht. "Entgegen der ersten Intuition vieler Menschen, zu einer Stabhängematte zu greifen, solltest du genau das nicht tun!", rät der Hängematten-Blogger Lukas Kurth. Der Abhäng-Experte hat mehrere Modelle getestet und weiß, dass die typischen Hängematten mit eingewebtem Stab viel zu sehr wackeln. Die Hängematte sollte so groß wie möglich sein, empfiehlt Kurth, der mehrere Hängematten-Websites im Internet betreibt.

Zwei feste Verankerungspunkte wählen, stabile Gurte im 30-Grad-Winkel anbringen, Kopfkissen auf die Matte legen - und dann einfach mal locker lassen. Dazu fehlt eigentlich nur noch eine leicht spannende Sommerlektüre ohne allzu große intellektuelle Fallhöhe. Wir empfehlen das Kinderbuch "Barbapapa in der Hängematte". Für diejenigen, die beim Abhängen bald zu unkonzentriert sind zum Lesen, hier die Kurzzusammenfassung: "Wo ein Barbaproblem ist, gibt's auch eine Barbalösung."

© SZ/mpu

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