Früherer BMW-Chefdesigner Chris Bangle "Gina" sollte seine Form verändern können

Eine Präsentation des BMW Gina in der Villa d'Este am Comer See, 2009. Bangle war auch hier die treibende Kraft hinter dem Produkt.

(Foto: Niedermeyer)

Neulich, erzählt Chris Bangle, habe er auf dem Hof das hölzerne Modell eines Autos ohne Türrahmen bauen lassen, bei dem die Sitze aus der Karosserie herausgeschwenkt werden. Er zeigt das dazugehörige Video. Es erinnert an ein dörfliches Laienspiel und ist lustig anzusehen, aber der Gedanke liegt plastisch vor Augen. Der Gegensatz zwischen der ländlichen Manufaktur und den automatisierten Fabriken, in denen die dort entworfenen Gegenstände massenhaft hergestellt werden, könnte nicht größer sein.

Auf einem Kalender in einem der Studios ist eine gleichermaßen bunte Entwurfszeichnung des BMW "Gina" zu sehen, eines im Jahr 2008 vorgestellten Prototyps, dessen Karosserie aus einem in sich beweglichen Rohrskelett besteht, über den eine mattsilbern glänzende Haut aus Spandex gezogen ist.

Bangles Bänke stehen an fast zwei Dutzend Orten

Chris Bangle kommt immer wieder auf diesen Entwurf zu sprechen: Das Auto sollte seine Form verändern können, je nachdem, wie es benutzt wurde. Es sollte der animierte Gegenstand schlechthin sein, ein Ding, in dem sich alle möglichen Absichten, Gefühle und Neigungen konzentrieren sollen, während es gleichzeitig über all diese Absichten, Gefühle und Neigungen hinausweist. "Gina" war ein Versuch, Form tatsächlich als "Prozess" zu gestalten, unter einem Markennamen, der viel mehr bedeuten soll als nur Kraftfahrzeuge. "Gina" war als sinnstiftende Instanz gemeint.

So erklären sich am Ende auch die Sitzbänke, die Chris Bangle in die Landschaft setzt. Die rote Riesenbank vor dem Weiler Gorrea ist, ebenso wie die weiße Bank an der Landstraße, eines von vielen Gebilden aus der animierten Welt des Designers. Ein Kulturprojekt für die gesamte Region entstand daraus, das "Big Bench Community Project", das offenbar Besucher in großer Zahl anzieht, aus Gründen vielleicht des ästhetischen Überschwangs. Fast zwei Dutzend dieser Bänke stehen mittlerweile in den Langhe. Stets an erhabenen Orten, von denen man eine weite Aussicht ins Land hat, stets in einer Farbe aus der Palette, die der Designer vorgibt, und unter keinen Umständen mit öffentlichen Geldern gefördert.

Erwachsene Menschen, erklärt Chris Bangle, kämen sich auf der "panchina rossa" noch einmal wie kleine Kinder vor, weshalb sich die Riesenbank so schnell vermehrt habe. Zu den großen Bänken gesellen sich mittlerweile kleine. Sie stehen unter anderem auf dem Marktplatz des Ortes Carrù. Die Vervielfältigung der Bänke, versichert Chris Bangle, beruhe allein auf dem Engagement der Bevölkerung, ihrer Handwerker und Politiker.

Gewiss fallen dem Betrachter angesichts der "panchine" die roten Riesenstühle ein, die ein Möbelhaus zu Werbezwecken in die Peripherie deutscher Städte stellt. Die Bänke sind aber etwas anderes: ein Unternehmen zur Beseelung der Langhe. Dabei geht es gar nicht um die Frage, wie vernünftig das ist oder ob die Langhe so etwas brauchen. Die großen Bänke sind nämlich Charaktere.

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