Zweitligist vor der Insolvenz:TSV 1860 hat kein Geld mehr

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Es fehlen liquide Mittel, um Rechnungen zu begleichen. Nur der mögliche Einstieg des Investors Ismaik gibt 1860 München noch Zeit. Doch die DFL will dem aktuellen Vertrag zwischen Klub und Investor keinesfalls zustimmen.

Andreas Burkert

Der mit etwa 14 Millionen Euro verschuldete Fußball-Zweitligist 1860 München gerät weiter unter Druck. Wie Klubkreise bestätigten, fehlen seit Mittwoch liquide Mittel, um Rechnungen begleichen zu können. Damit droht 1860 als erstem Bundesligaklub die Insolvenz; nur die Aussicht auf eine Rettung durch den Geschäftsmann Hasan Ismaik lässt der Führung um Präsident Dieter Schneider die Option, den Gang zum Insolvenzgericht noch exakt drei Wochen aufzuschieben.

Die Löwen am Ende? Der Deal mit dem jordanischen Geschäftsmann steht auf der Kippe.  (Foto: Bongarts/Getty Images)

Die Chancen auf Ismaiks Einstieg sind aber rapide gesunken, da 1860 bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) abermals keinen dem 50+1-Statut gemäßen Kooperationsvertrag vorlegte. Dabei hatte die DFL schriftlich Korrekturen verlangt, diese wurden bei einem Termin am Dienstag aber nicht präsentiert.

Sollte der Duktus des Vertrags mit dem Araber, der für 13 Millionen Euro 49 Prozent der Anteile kaufen will, nicht gravierend geändert werden, gilt eine Zustimmung der DFL als ausgeschlossen.

Die DFL, die sich nicht äußern mochte, verlangt zudem von 1860 zum 31. Mai, nachzureichende Bedingungen für die Lizenz-Erteilung zu erfüllen. Aus dem Umfeld des Gläubigers FC Bayern, dessen Aufsichtsrat von Schneider die Lage dargelegt bekam, wurde der Faktenstand als noch kritischer als befürchtet bezeichnet.

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Hasan Ismaik und sein Berater Hamada Iraki würden gern den maroden Fußball-Zweitligisten 1860 München vor der Insolvenz retten. Dass die Herren bei aller Geschäftstüchtigkeit auch ein gewisses Maß an Hilfsbereitschaft besitzen, hat Ismaiks Mittelsmann Iraki, 38, soeben offenbart: Der Münchner Banker, der nach den Krisenberichten den Kontakt zu Investor Ismaik herstellte, hat in der Nacht zu Sonntag einen Gauner gewaltsam überwältigt und der Polizei übergeben.

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Der 21-jährige Täter hatte in Schwabing einer 64-jährigen Frau die Handtasche entrissen; alarmiert durch deren Schreie, nahm Iraki, der in der Giselastraße ein Restaurant besitzt, erfolgreich die Verfolgung auf; dabei half ihm sein Bruder, der in Solln eine Tierarzt-Praxis betreibt.

Die Rettung der Löwen soll nun aber Ismaik stemmen, der jordanische Multimillionär will für 13 Millionen Euro 49 Prozent der Anteile kaufen. Einen Kooperationsvertrag, den seine Anwälte und 1860 aufsetzten, hatte jedoch die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Freitag wegen zu großer Einflussnahme des Arabers zurückgewiesen und um Korrekturen gebeten.

Deshalb weilte am Dienstag 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer nebst Klubanwalt in der Frankfurter DFL-Zentrale. Eine Lösung hat er nach SZ-Informationen nicht mitgebracht - der Verband wertete auch die Korrektur-Ansätze von 1860 als nicht annähernd ausreichend, um dem Deal gemäß des 50+1-Statuts zustimmen zu können.

Dass die DFL auch den zweiten Anlauf von 1860 bremst, irritiert; schließlich hat Ismaik die Angelegenheit in die Hände des spezialisierten Sportrechtlers Christoph Schickhardt gelegt. Andererseits zählt zu dessen Klienten auch Hannover96: Der Klubchef, Unternehmer Martin Kind, fordert seit Jahren die Abschaffung der 50-plus-Regel; mit seiner Klage befasst sich im Sommer ein DFB-Schiedsgericht. Werden im Schatten einer Grundsatzdebatte die Interessen des TSV 1860, der Ismaiks Einstieg zum Überleben benötigt, vertragliche Spitzfindigkeiten zu sehr ausgereizt?

Ismaik selbst hatte zuletzt die Kooperation mit der DFL in Aussicht gestellt: "Wir sind uns sicher, dass wir gemeinsam mit unseren Freunden von 1860 die DFL überzeugen können." Zumal Präsident Dieter Schneider an der Gläubiger-Front offenbar Einigkeit über den Teilverzicht erwirkt hat, Montagabend legte er eine Stunde lang die Lage sogar dem Aufsichtsrat des Gläubigers FC Bayern dar. Als einziger Knackpunkt gilt hier nun noch Vermarkter IMG, dessen Vertrag mit 1860 Ismaik "entweder aufgelöst oder neu verhandelt" haben will.

IMG lehnt bisher offenbar ab. Der Vertrag gilt in Liga zwei quasi unbefristet und nach einem Aufstieg zehn Jahre - und spricht IMG 15 bis 20 Prozent aller Sponsorengelder zu. Ismaik, der "bereits deutsche und internationale Sponsoren an der Hand" hat, möchte derlei Margen für eigene Akquise nicht abtreten, sondern nur 1860 alimentieren und den Klub selber vermarkten. Der Vertrag, den 1860 2005 abschloss und der dank Sofortzahlung von sechs Millionen Euro damals den Kollaps verhinderte, wäre wohl juristisch anzufechten. Doch so viel Zeit hat nun keiner mehr.

© SZ vom 12.05.2011 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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