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Wolfsburg gegen Ingolstadt im DFB-Pokal:Ein Konzern spielt gegen sich selbst

Korruptionsvorwürfe gegen VW, Telekom, VfL Wolfsburg

Allgegenwärtiger Mutterkonzern: Ivan Perisic vom VfL Wolfsburg vor dem VW-Logo.

(Foto: dpa)

Der VfL Wolfsburg empfängt den FC Ingolstadt im DFB-Pokal. Das bedeutet: Volkswagen trifft auf seine Konzerntochter Audi. Weil sich in der Konzernzentrale große Macht über den deutschen Fußball konzentriert, stellt sich zugespitzt die Frage: Wird so ein Spiel wirklich ausschließlich auf dem Rasen entschieden?

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Im 13. Stock des VW-Verwaltungshochhauses, in Wolfsburg liebevoll VHH genannt, gibt es bestimmt einen funktionierenden Beamer, schließlich müssen die VW-Vorstände ja ständig Grafiken dazu an die Wand werfen, wie es so vorangeht auf dem Weg zur automobilen Weltherrschaft. Am Mittwoch kann man diesen Beamer gut gebrauchen.

Sollte Martin Winterkorn dann zu beschäftigt sein, um aus seinem Büro in der VHH-Vorstandesetage in die nahe Arena aufzubrechen, kann er sich das Spiel gegen sich selbst einfach im Heimkino angucken. Man wüsste dann nur zu gerne, welches Gefühl überwöge, wenn etwa der kleine FC Ingolstadt den längst nicht mehr so kleinen VfL Wolfsburg aus dem DFB-Pokal schösse: Frust - weil der VfL ja eine hundertprozentige Konzerntochter ist, die den Kunden empfänglich machen soll für die Automobilpalette aus gleichem Hause? Oder doch Gelassenheit - weil ja auch der FC Ingolstadt zur Familie gehört?

Wenn man die Sache ein bisschen zuspitzt, dann spielt am Mittwoch im Achtelfinale des VW-Pokals in der VW-Arena zu Wolfsburg der VW Wolfsburg gegen den VW Ingolstadt. Und wenn man die Sache dann noch ein kleines bisschen mehr zuspitzt, kommt man auf die Frage: Wird so ein Spiel wirklich ausschließlich auf dem Rasen entschieden?

Großsponsor des DFB-Pokals

Der VfL Wolfsburg fällt als Werksklub unter die Ausnahmen der 50+1-Regel, die im deutschen Fußball verhindern soll, dass externe Investoren die Macht über die Klubs übernehmen. Im Fall des FC Ingolstadt ist es komplizierter: Da hält die Quattro GmbH, eine Tochter der VW-Tochter Audi, neuerdings 19,94 Prozent der Anteile an der FCI Fußball GmbH, die Audi Immobilien Verwaltung GmbH wiederum betreibt Stadion und Trainingsgelände des Klubs.

Und auch der FCI-Aufsichtsrat ist eng mit Audi verwoben. Der oberste Konzernlenker Winterkorn wiederum sitzt nicht beim VfL Wolfsburg, sondern beim FC Bayern im Aufsichtsrat, Audi hält knapp zehn Prozent der Anteile des Münchner Klubs. Und was den DFB-Pokal angeht: Da ist VW einer der Großsponsoren, wie auch bei zahlreichen Bundesligaklubs.

So richtig ins Bewusstsein drangen derlei Verflechtungen vor einem Jahr, als der Manager Klaus Allofs kurzfristig vom klammen SV Werder zu dem mit fast unbegrenztem Budget ausgestatteten VfL Wolfsburg abgeworben wurde - und sich die Frage stellte, ob man in Bremen so eine Bitte eigentlich ausschlagen könnte. Wo man doch auf die Sponsor-Millionen von VW dringend angewiesen ist. Ähnliche Frage dürften sich in Zukunft an vielen Standorten stellen. Im VHH konzentriert sich mehr Macht über den deutschen Fußball, als man ahnt.

© SZ vom 04.12.2013/fued
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