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WM-Kader der Nationalelf:Sané in der Sackgasse

  • Leroy Sané darf nicht mit zur Fußball-WM in Russland, weil der Bundestrainer aktuell andere für geeigneter hält.
  • Nun stellt sich die Frage, warum der Mann von Manchester City im Nationalteam noch nicht das gezeigt hat, was er eigentlich kann.

Es war der Höhepunkt einer großen österreichischen Fußballfeier und sicherlich nicht so angenehm, als deutscher Spieler auf dem Rasen zu stehen. Doch Leroy Sané blieb. Er hörte sich an, wie Tausende Menschen kitschige Lieder über Austria sangen. Und als einer von nur vier Nationalspielern ging er nach der 1:2-Testspielniederlage gegen Österreich in Klagenfurt dem leisen Applaus der deutschen Fans entgegen. Sané hatte nicht gut gespielt, das wusste er. Aber er ahnte nicht, dass es für diesen Sommer sein Abschied werden würde.

Einen Tag und zwei Nächte nach den Eindrücken von Klagenfurt legte Joachim Löw eine lange Kunstpause ein, nachdem er den vierten jener Spieler aufgezählt hatte, die er aus dem vorläufigen Kader für die Weltmeisterschaft in Russland gestrichen hat. Er wusste, dass niemand damit gerechnet hatte. Bernd Leno, Jonathan Tah, Nils Petersen, das war durchaus so spekuliert worden. Aber Sané?

Der Flügelspieler, 22, groß geworden bei Schalke 04 und seit ein paar Wochen englischer Meister mit Manchester City, wozu er mit zehn Toren und 15 Vorlagen beitrug und in der Premier League als bester Jungprofi ausgezeichnet wurde - er ist in Deutschland ein Fußballer mit einem besonderen Alleinstellungsmerkmal: Er ist womöglich Deutschlands aufregendstes Talent. In Zeiten, in denen viele die schablonenartige Ausbildung von Nachwuchsspielern kritisieren, denen Kreativität und Mut fehle, weil sie früh in Systeme passen müssen, ist Sané einer der letzten Dribbler. Ein Spieler, bei dem die Zuschauer zu raunen beginnen, wenn er lossprintet. Er wetteifert mit Timo Werner um den Titel des schnellsten Nationalspielers. Allerdings weiß er das auch selbst sehr gut. Und das ist vielleicht ein kleines Problem.

Fußball-WM "Er ist in der Nationalelf noch nicht so ganz angekommen"
WM-Kader ohne Leroy Sané

"Er ist in der Nationalelf noch nicht so ganz angekommen"

Joachim Löw überrascht bei seiner Nominierung mit der Streichung von Leroy Sané - und muss seine Entscheidung widerwillig erklären. Kritik folgt prompt.

Wer Sané in den vergangenen Jahren in der Nationalmannschaft sah, hatte oft den Eindruck, er würde gerne all seine Fähigkeiten auf einmal zeigen. Und wer seine Mannschaftskollegen oder den Bundestrainer reden hörte, konnte manchmal meinen, sie sprächen über ihn, wenn sie nach einem schwachen Spiel Kritik übten, ohne seinen Namen zu nennen. Toni Kroos sagte nach dem 0:1 gegen Brasilien im März, in dem Sané nach einer Stunde ausgewechselt worden war: "Man muss einfach ehrlich zugeben, dass wir auf gewissen Positionen nicht gut genug waren. Und viele ihre Chance nicht genutzt haben." Löw sagte damals: "Manch ein Jungstar schießt nicht so schnell in die Höhe, wie man denkt." "Leroy hat riesiges Talent, absolut", sagte Löw am Montag. "Aber er ist vielleicht in den Spielen der Nationalmannschaft noch nicht so ganz angekommen."

Der Test gegen Österreich war beispielhaft für Sanés zwölf Länderspiele. Er war viel gelaufen, nach vorne, nach hinten, war auf der linken Außenbahn stets unterwegs. Doch immer, wenn er den Ball führte, schien er nicht recht zu wissen, wie seine Aktionen enden könnten. Mit großen Schritten lief er stattdessen in seine persönlichen Sackgassen. Statt aufzuschauen, dribbelte er - und nahm den Kollegen Räume, in die sie hätten starten können.

Es sei eine knappe Entscheidung gewesen zwischen Sané und Julian Brandt, sagte Löw: "Bei einem 100-Meter-Lauf bei Olympia müsste man ein Zielfoto machen." Beide hätten "große Qualitäten, beide sind dribbelstark". Julian Brandt schloss in seiner auffälligsten Aktion gegen Österreich eine Kombination mit Stürmer Petersen ab; Leroy Sané schoss einen Freistoß übers Tor. Brandt war 2017 dabei, als Deutschland den Confed Cup gewann, was Löw noch mal betonte. Sané sagte die Teilnahme ab, um sich an der Nase operieren zu lassen.