Brasilien gegen Kamerun:Das Verletzungspech verfolgt Brasilien

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Brasilien gegen Kamerun: Die Brasilianer beklagen in Alex Telles den nächsten Verletzten.

Die Brasilianer beklagen in Alex Telles den nächsten Verletzten.

(Foto: Dylan Martinez/Reuters)

Top-Stürmer Neymar fehlt den Südamerikanern bereits. Im letzten, unbedeutenden Gruppenspiel gegen Kamerun fällt auch noch ein Verteidiger aus.

Von Javier Cáceres, Lusail

Neymar? Geht's offenbar wieder etwas besser. Brasiliens Nummer 10 hatte beim WM-Auftaktsieg gegen Serbien eine schwere Knöchelverletzung erlitten und war danach gewissermaßen zu den Physiotherapeuten gezogen: in der Hoffnung darauf, im Laufe dieser Weltmeisterschaft noch zum Einsatz zu kommen, was keineswegs sicher ist. Nachdem der Stürmer von Paris Saint-Germain das zweite Spiel Brasiliens gegen die Schweiz am TV verfolgt hatte, war Neymar am Freitagabend im Stadion zugegen; an der Seite von Danilo und Alex Sandro (beide Juventus), zwei weiteren Verletzten, saß er auf der Ehrentribüne des Lusail-Stadions. Und er wurde immer wieder freundlich umjubelt, wenn er auf den vier gigantischen Anzeigetafeln eingeblendet wurde.

Was er in den anderen Momenten sah? Ein Spiel, das nach Süßstoffersatz schmeckte. Bis Kameruns Stürmer Vincent Aboukar in der 90. Minute per Kopf einen Konter abschloss - und das 1:0 für die "unzähmbaren Löwen" erzielte. Das Ergebnis änderte nichts daran, dass Brasilien als Gruppenerster ins Achtelfinale einzieht - und dort am Montag auf Südkorea trifft. Weil der Schweiz im Parallelspiel ein Tor fehlte, um die Basilianer noch zu überholen, blieb die Niederlage ein Schönheitsfehler, der es den Brasilianern verunmöglicht, in einer Hinsicht mit der Weltmeistermannschaft von 2002 gleichzuziehen: Sie blieb seinerzeit ungeschlagen.

Zwei Außenstürmer empfehlen sich für die Startelf

Die Partie war für Brasiliens Trainer Tite aber, immerhin, wie ein Laborversuch unter natürlichen Bedingungen - und die Gelegenheit, den Spielern der zweiten Reihe das Gefühl zu geben, dass sie dazugehören. Er wechselte im Vergleich zum zweiten Spiel gleich neun Mal. Unter anderem durfte Dani Alves mitspielen, der Rechtsverteidiger führte die Selecao in seinem 125. Spiel als Kapitän aufs Feld. Alves ist nun der älteste Spieler, der bei einer WM für Brasilien zum Einsatz kam - und benötigte dringend Spielpraxis. Er hatte sein letztes Pflichtspiel Anfang Oktober in Mexiko bestritten und sich danach beim FC Barcelona fitgehalten. Gegen Kamerun lieferte er eine in jeder Hinsicht souveräne Leistung ab. Das dürfte Tite beruhigen, denn die Verletzungsprobleme Brasiliens auf den Außenverteidigerpositionen sind frappierend. Am Freitag musste Alex Telles verletzt ausgewechselt werden. Er war nach einem Kopfballduell ungebremst auf den Boden gestürzt und verließ den Platz zwar aus eigener Kraft, aber unter unübersehbaren Schmerzen.

Als Alternativen für die Startelf brachten sich die beiden Außenstürmer ins Spiel: Martinelli (links) und mit Abstrichen Antony (rechts), die für Vinícius respektive Raphinha aufliefen. Vor allem Martinelli (FC Arsenal) bestach durch interessante Aktionen. Er hatte eine Menge damit zu tun, dass Kameruns Torwart Devis Epassy (Abha Club, Saudi-Arabien) zu einer der auffälligsten Figuren der Partie wurde. Martinelli hatte die erste Gelegenheit (15. Minute) der Partie und auch eine der besten der zweiten Halbzeit. Dem hatten die Kameruner nicht viel entgegenzusetzen. Richtig ernst zu nehmen war im Grunde nur ein Kopfball von Mbeumo, der kurz vor dem Halbzeitpfiff den brasilianischen Ersatztorwart Éderson prüfte. Bis Aboubakar in der Nachspielzeit traf - und vom Platz flog, weil er zum Jubeln das Trikot ausgezogen hatte. Doch das war zu dem Zeitpunkt in jeder Hinsicht egal. Denn Kamerun war ausgeschieden.

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