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WM 2011: Torwartfehler:Spaß am Sonderling-Dasein

Schwere Torhüterfehler prägen die Frauen-WM. Das hat Gründe: Es gibt keine 1,90-Meter-Riesen im Frauenfußball, kaum ein Verein hat Geld für einen Torwarttrainer. Und die Suche nach Nachwuchs gestaltet sich sehr schwierig.

Mit festem Blick stand sie da, die Handschuhe an den Bauch gedrückt, als fürchte sie, sie könnten ihr gestohlen werden. Das Spiel war längst aus, verloren, aber Hedvig Lindahl war immer noch eine Torhüterin. Sie erzählte, dass es jetzt trotz allem "noch eine Medaille zu gewinnen" gebe für Schweden, sie berichtete von einer Gruppe junger Frauen, die der Welt nun zeigen wolle, dass sie mehr kann als bei diesem 1:3 gegen Japan. "Wenn du selbst weißt, dass du nicht gut performt hast, willst du rauskommen und besser performen." Und sei es in Sinsheim, in einem Trostpreisspiel.

Frauen-WM 2011 - Japan - Schweden

Handschuhe weg, Enttäuschung raus: Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl.

(Foto: dpa)

Hedvig Lindahl wirkte gefasst, entschlossen, aber das war nur professionelle Fassade. Immer wieder presste sie die Lippen zusammen, als versuche sie, ihre Enttäuschung im Bauch einzusperren wie in einem Käfig. Sie wusste natürlich: Auch sie selbst, Hedvig Lindahl, 28, aus Kristianstad hatte eher suboptimal performt an diesem Abend.

Hat Schweden ein Torhüterinnenproblem? "Ich denke nicht", antwortete der Trainer Thomas Dennerby auf diese naheliegende Frage, Lindahl sei "Teil unseres Teams, sie ist eine von elf." Eine Antwort, deren zweiter Teil nicht ganz zum ersten passte. Denn dass man im Fußball gemeinsam gewinnt und verliert, schließt ja nicht aus, dass Einzelne entscheidende Fehler machen.

Und viele im Frankfurter Stadion hatten noch diese Szene im Kopf: wie in der 60. Minute der Ball herbeigeflogen kam, wie Hedvig Lindahl ihn weder aus der Luft pflückte, wie Torhüter das so zu tun pflegen, noch mit den Fäusten zur Seite boxte, wie das Publikum es den Torhütern ebenfalls zugesteht. Zur Not.

Hedvig Lindahl patschte den Ball nach vorne weg, sie sah nicht wie eine Torhüterin aus in diesem Moment. Die Japanerin Homare Sawa, drückte den Ball hinter die Linie. Und weil Lindahl kurz darauf eine weitere Rettungstat missglückte - Nahomi Kawasumi nutzte sie zu einer lässigen Bogenlampe ins Tor -, war die schwedische Torfrau wesentlich daran beteiligt, dass aus dem 1:1 nun ein 1:3 geworden war.

Im WM-Finale am Sonntag werden die Amerikanerin Hope Solo und die Japanerin Ayumi Kaihori die Tore der Frankfurter Arena bewachen, zwei Könnerinnen ihres Fachs. So war es an Hedvig Lindahl, dem Publikum einen letzten Blick auf ein Manko des Frauenfußballs zu gewähren: Es ist auch bei dieser WM so gut wie nicht vorgekommen, dass eine Torhüterin für ihr Team ein Spiel gewann. Dafür kam es wieder recht häufig vor, dass eine Torhüterin ein Spiel mehr oder weniger alleine verlor. Man erinnert sich an die Missgeschicke von Karen Bardsley (England), Sandra Sepulveda (Kolumbien), Miriam (Äquatorialguinea) oder Andreia (Brasilien). Und an Frau Lindahl.

Es gibt viele Gründe für dieses Qualitätsproblem zwischen den Pfosten, eine simple Erklärung ist, dass hier eben keine 1,90-Meter-Riesen das Tor bewachen wie bei den Männern. Allerdings können sich sogar einige Klubs der deutschen Frauen-Bundesliga einen eigenen Torwarttrainer nicht leisten. Und es gibt wenig Nachwuchs. In vielen Ländern gelten ja schon Frauen, die Fußball spielen, als Sonderlinge, da braucht es gehörigen Spaß am Sonderling-Dasein, um sich ausgerechnet diese Position auszusuchen. Pia Sundhage, die das Team der USA trainiert, jedenfalls findet: "Wenn man als Frau eine Herausforderung sucht, muss man sich in ein Fußballtor stellen."

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