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WM 2011: Debatte um Silvia Neid:"Das ist meine Trainerin"

Die Bedenkzeit, die sich Silvia Neid nach dem WM-Aus erbeten hatte, fiel kurz aus: Bevor die Debatte um die Zukunft der Bundestrainerin weiter schwelt, bestätigen Neid und der DFB demonstrativ ihre Zusammenarbeit. Zuvor hatten sich bereits ihre Spielerinnen eindeutig positioniert.

Vor der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt steht seit 2006 ein überdimensionaler, begehbarer Fußball. Es ist ein Relikt von der WM der Männer, und jeder, der den Verband nahe der Frankfurter Fußball-Arena besucht, wird also daran erinnert, welch kollektive Endorphin-Ausschüttung so eine Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland bewirken kann.

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DFB-Präsident Theo Zwanziger geht auf dem Weg zur Arbeit jedes Mal an diesem Riesenfußball vorbei, doch er braucht diese Gedächtnisstütze überhaupt nicht. Er weiß auch so, dass der Fußball eine besondere Anziehungskraft besitzt. Auch für eine seiner höchsten Angestellten, die sich in den vergangenen Tagen mit Abschiedsgedanken getragen hatte.

Auf die Vorstellung aber, auf Silvia Neid als Bundestrainerin künftig verzichten zu müssen, wollte sich der Verbandspräsident gar nicht erst einlassen. Wenige Tage vor der WM hatte Zwanziger den Vertrag mit Neid demonstrativ um weitere drei Jahre bis 2016 verlängert, auch nach dem vorzeitigen Ausscheiden des Titelverteidigers änderte sich nichts an seiner Überzeugung, die richtige Frau für den Auswahl-Posten zu haben.

"Silvia Neid ist DFB, da gibt es gar nichts anderes", hatte Zwanziger am Dienstag der ARD gesagt: "Das ist meine Trainerin, ich werde sie nicht so einfach gehen lassen, wenn sie auf einen solchen Gedanken kommen sollte."

Um Silvia Neid erst gar nicht in weitere Grübeleien geraten zu lassen, hat der DFB am Mittwoch gehandelt. Nach einem Gespräch mit Zwanziger und DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach konnte der Verband am frühen Abend die für ihn beruhigende Nachricht verbreiten: Silvia Neid bleibt Trainerin der Frauen-Nationalmannschaft, sie will ihren Vertrag erfüllen. "Nach dem auch für mich enttäuschenden Abschneiden bei der WM brauchte ich ein paar Tage zum Nachdenken", hieß es in der DFB-Meldung.

Nach dem Viertelfinal-Aus der deutschen Fußballerinnen gegen Japan (0:1) am vergangenen Sonntag war mitten in die Enttäuschung hinein eine hitzige Diskussion über die Trainerin aufgekommen. Von Tag zu Tag aber mehrten sich die Stimmen, die Neid dazu bewegen wollten, jetzt nicht überstürzt auszusteigen. Dieses Echo spiegelte sich auch in der DFB-Botschaft wieder: "Der große Zuspruch meiner Mannschaft" und das Vertrauen des DFB seien "der entscheidende Antrieb weiterzumachen", ließ Neid verbreiten.

Im einem Interview mit der SZ (Mittwochsausgabe vom 13.7.) hatte Silvia Neid noch nachdenklich gewirkt und gesagt: "In so einem Moment, der so heftig und bitter ist, muss man alles in Frage stellen, auch ich mich selbst." Sie brauche jetzt etwas Abstand, meinte die 47-Jährige, für die mit dem Scheitern bei der Weltmeisterschaft "ein Traum zerplatzt" sei. Die offenbar ungelöste Frage, wie Mannschaft und Verantwortliche mit dem Erwartungsdruck bei dieser Heim-WM richtig umgehen, sei "wohl der Knackpunkt" gewesen.

Am Mittwochabend wollte sich Neid zunächst das Halbfinalspiel zwischen Schweden und Japan in Frankfurt ansehen, bevor sie auch am Sonntag zum Endspiel in der Arena sein will. "Wenn dann ein paar Wochen vergangen sind, werde ich für mich wissen, was ich dem Frauenfußball noch geben kann", hatte Neid im SZ-Interview erklärt.

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