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WM 2010: Afrikanische Mannschaften:Ein Kontinent wartet

Vor 20 Jahren galten die Freudentänze des Roger Milla als Prophezeiung: Afrikas Fußball erstarkt! In Südafrika ist davon bislang wenig zu sehen. Doch es ist zu früh, die Afrikaner abzuschreiben.

Als der Kameruner Roger Milla 1990 jeden seiner vier WM-Treffer mit einem Tänzchen an der Eckfahne feierte, war das einerseits Folklore. Fans aus aller Welt freuten sich über die Treffer des damals 38-Jährigen, besonders groß war der Jubel, als Milla dem kolumbianischen Torwart René Higuita, der seinen Hang zur Geltungssucht mit Dribblings im Mittelfeld auszudrücken pflegte, den Ball stibitzte und nach kurzem Lauf ins leere Tor schob.

Symbolfigur für großes Talent und grobe Fahrlässigkeit gleichermaßen. Nigerias Torhüter Vincent Enyeama hielt teilweise toll, bescherte seiner Elf aber mit einem Fehler gegen Griechenland die Niederlage.

(Foto: ap)

Millas Tänze waren andererseits mehr als Folklore, sie waren Ausdruck dessen, was nun unausweichlich kommen würde im Weltfußball, sie waren eine Prophezeiung. Kamerun schaffte es 1990 bis ins Viertelfinale, und die Fachwelt war sich darüber einig, dass es nicht mehr lange dauern könnte, bis der erste Weltmeister aus Afrika kommen würde.

20 Jahre sind seither vergangen, noch immer hat es keine afrikanische Mannschaft ins Halbfinale einer WM geschafft. Die Prophezeiung erfüllte sich nicht, im Gegenteil. Zwar stehen immer mehr afrikanische Spieler bei den europäischen Großklubs unter Vertrag, doch die Nationalmannschaften stagnieren. Auch diese WM sieht bisher nicht so aus, als könnte sie das ersehnte Turnier der afrikanischen Mannschaften werden.

Algerien und Kamerun sind mit Niederlagen in die WM gestartet, Nigeria hat deren bereits zwei gesammelt, unter anderem gegen das biedere, defensive und wirklich nicht unüberwindliche Team aus Griechenland. Südafrika ist nach dem 1:1 gegen Mexiko und dem 0:3 gegen Uruguay so gut wie gescheitert.

Ivorer im Pech

Die Elfenbeinküste, von allen afrikanischen Mannschaften sicherlich am stärksten besetzt, hat die mit Abstand schwierigste Gruppe erwischt, Portugal, Brasilien und Nordkorea heißen die Gegner, und nur unkundige Beobachter halten Nordkorea für eine schwache Mannschaft; bereits bei der WM 2006 hatte die Elfenbeinküste Lospech und erwischte Argentinien, die Niederlande und Serbien. Allein Ghana hat bei diesem Turnier nach dem Auftaktsieg gegen die Serben eine gute Ausgangsposition. Bereits vor vier Jahren erreichten die Ghanaer als einzige afrikanische Mannschaft das Achtelfinale; sie scheiterten an Brasilien.

Viele afrikanische Beobachter bedauern, dass Ägypten in der WM-Qualifikation an Algerien gescheitert ist. Dieser Mannschaft trauten sie am ehesten zu, den Kontinent bei der WM würdig zu vertreten. Unter Trainer Hassan Shehata gewannen die Ägypter dreimal hintereinander den Africa Cup (2006, 2008, 2010). Sie spielen technisch anspruchsvoll, taktisch oft klug, und sie sind flexibel, kurzum: Sie spielen Fußball auf der Höhe der Zeit. Als die Verbände Nigerias und der Elfenbeinküste vor der WM mal wieder auf Trainersuche waren, dachten beide an Shehata, doch der ägyptische Verband mochte da nicht mitspielen. Das Ansinnen der Nigerianer und der Ivorer zeigt allerdings eines der großen Probleme des afrikanischen Nationalmannschaftsfußballs.

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