WM 2006:Die Staatsanwaltschaft befragt auch einen TV-Journalisten

Die Anwälte von Niersbach und Linsi äußerten sich auf Anfrage nicht. Die Anwälte von Zwanziger und Schmidt weisen den Vorwurf der Steuerhinterziehung zurück: Bei den 6,7 Millionen handele es sich um eine Betriebsausgabe. Zwanzigers Anwalt Hans-Jörg Metz sagt, das Geld sei "eindeutig eine Zuwendung zu der Gala" gewesen. Nicht der DFB, so sein Argument, sondern die Fifa habe diese Summe "zur Entschuldung von Beckenbauer verwendet". Für ein privates Vertragsverhältnis zwischen dem damaligen Geldempfänger bin Hammam und Beckenbauer gebe es keine Anhaltspunkte, diese Annahme entspringe der "Fantasie eines Steuerfahnders".

Ähnlich formuliert Schmidts Anwalt Tilman Reichling: "Es gab kein Privatdarlehen an Herrn Beckenbauer. Dies ist eine Erfindung der Steuerfahndung, um den von Anfang an unzutreffenden Vorwurf der Steuerhinterziehung um jeden Preis aufrecht erhalten zu können." Die Behauptungen im Abschlussbericht seien "unzutreffend". Und die Notiz aus dem Carport? Jener Fund, der den Fahndern zur Stützung ihrer These dient, Schmidt habe um den Charakter des Darlehens gewusst? Da verweist der Anwalt darauf, dass weiter vorne in der Notiz ja stehe, der Betrag habe laut Beckenbauer der Abgeltung einer Provisionsforderung aus dem Umfeld der Fifa-Finanzkommission gedient. Ansonsten wolle man sich an Spekulationen zum "Aussagegehalt von Altpapier" nicht beteiligen.

Dabei legt der Abschlussbericht über weite Strecken ein klares Bild nahe: dass es um Beckenbauer - der im Frankfurter Verfahren nur Zeuge, bei der Schweizer Bundesjustiz aber Beschuldigter ist - persönlich ging. Insbesondere die Notizen von Louis-Dreyfus' damaligem Bankberater, der das eigens für den Geschäftsfreund "F. B." angelegte Darlehenskonto betreute, ließen für die Fahnder keinen Zweifel, dass das Geld für Beckenbauer als Privatperson gewesen sei. Zwischen Sommer 2002 und Frühjahr 2005 vermerkte der Berater regelmäßig und zunehmend gereizt, dass F. B. den Kredit nicht zurückzahle. Es gab Treffen und Gespräche, doch es fand sich keine Lösung - bis jemand die Idee mit der Gala hatte. Eine Mitarbeiterin verfasste dann die deutlichste Notiz zum Zweck des Darlehens: Louis-Dreyfus habe dem Geschäftsfreund Geld geliehen, um Fernsehrechte aus dem Nachlass des Kirch-Konzerns erwerben zu können (SZ vom 11.11.2017). Das TV-Rechte-Imperium war im April 2002 insolvent gegangen.

In der Tat lief im Sommer 2002 nicht nur die diskrete Transaktion jener zehn Millionen Franken ab. In aller Stille entstand damals auch eine neue Rechtefirma, die just die Kronjuwelen aus den Trümmern des Kirch-Konzerns erwerben durfte: Infront. Mit Louis-Dreyfus an der Spitze sowie dem Kaffee-Unternehmer Christian Jacobs und dem saudischen Milliardär Saleh Abdullah Kamel als Großinvestoren im Beiboot. Im Fußball vertrat Kamels Interessen zu jener Zeit: Mohamed bin Hammam, Fifa-Vize und Vertrauter des Fifa-Bosses Blatter, der wiederum großes Interesse daran hatte, dass die wichtigen WM-Rechte in die richtigen Hände fielen. Damalige Kirch-Manager berichten, es habe den Plan gegeben, dass Beckenbauer als stiller Teilhaber einsteige.

Passt dazu der Bankvermerk, dass mit dem Darlehen an "F. B." Rechte aus dem Kirch-Konzern erworben werden sollten? Tatsache ist, dass im Herbst 2002 von bin Hammam 1,7 Millionen Franken an Beckenbauers Adlatus Fedor Radmann zurückflossen - und 2007 weitere 5,4 Millionen Franken von Louis-Dreyfus an Radmann/Beckenbauer. Die Anwälte des deutschen Duos beantworten Anfragen zum Thema nicht. Aber klar ist: Privatgeschäfte in diesem Kreis gab es in jedem Fall.

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