Maximilian und Johannes Eggestein Brüder des Aufschwungs

Bremer Bruderjubel: Maximilian (rechts) und Johannes Eggestein.

(Foto: Carmen Jaspersen/dpa)
Von Jörg Marwedel, Bremen

Das Thema mit den Ausstiegsklauseln ist keines, über das Werder Bremens Sport-Geschäftsführer Frank Baumann oder die Spieler Maximilian und Johannes Eggestein gerne reden. Dass etwa davon zu lesen war, Maximilian Eggestein dürfe Werder nur verlassen, wenn ein anderer Klub 35 Millionen Euro Ablöse zahle, wurde von den Betroffenen natürlich nicht kommentiert. Schöner ist die Geschichte, wonach die Brüder mit ihrer jüngsten Vertragsverlängerung als Beleg für den Bremer Aufschwung gelten - und dass beide Steven Gerrard als ihr Vorbild nennen. Jenen Spieler, der als Profi 17 Jahre lang ausschließlich für den FC Liverpool spielte, ehe er seine Karriere bei Los Angeles Galaxy ausklingen ließ.

Es ist jedenfalls in der Fußballbranche nicht selbstverständlich, dass die laut Selbstauskunft sturköpfigen Eggestein-Brüder andere Angebote ausgeschlagen haben. Für den kürzlich erstmals zur Nationalmannschaft berufenen Mittelfeldspieler Maximilian, 22, interessierte sich Borussia Dortmund, den Stürmer Johannes, 20, hatten schon zur Jugendzeit europäische Topklubs auf dem Schirm. Bereits 2013 urteilte Dieter Schatzschneider, damals Scout von Hannover 96, Johannes sei ein "Jahrhunderttalent", eine Wiedergeburt des früheren dänischen Weltklassestürmers Brian Laudrup - wenn er auf dem Boden bleibe, werde er eine "richtige Karriere" machen.

Ausgebildet wurden beide im Werder-Internat, und wenn nun auch noch Kapitän Max Kruse in Bremen bliebe, könnte den Bundesliga-Topteams in der kommenden Saison ein neuer Konkurrent im Kampf um die Champions-League-Plätze drohen. In den bevorstehenden "Doppelpack" gegen den FC Bayern - am Samstag in der Liga in München sowie am Mittwoch in Bremen im Halbfinale des Pokals - geht Werder allerdings noch als aussichtsreicher Außenseiter.

Ziemlich wahrscheinlich ist, dass die Eggestein-Bürder in der kommenden Saison bereits prägende Gesichter der neuen Werder-Generation sein werden. Das hat mit den Eigenschaften zu tun, die sie auch außerhalb des Platzes offenbaren. Bei Mittelfeldspieler Maximilian sei dies die "innere Ruhe", beim torgefährlichen Johannes die "große Entschlossenheit" - so charakterisieren sich die Brüder, die ein sehr enges Verhältnis haben, gegenseitig. Johannes schätzt zum Beispiel sehr, dass "Maxi immer sehr auf mich achtet, den kleineren Bruder".

Werder-Trainer Kohfeldt schon früh ein wichtiger Begleiter

Die nahe Hannover geborenen Eggesteins mit ihrer norddeutschen Bodenständigkeit seien "Vorbilder für den gesamten Nachwuchs des Klubs", sagt der ebenfalls Werder-treue technische Direktor Thomas Schaaf. Das habe auch mit ihrem Fleiß und ihrer Geduld zu tun. Und auch mit Vater Karl, der Anfang der Neunziger mit dem TSV Havelse in der zweiten Liga spielte. Die Brüder lassen zwar mit "thinkforward" eine niedersächsische Berateragentur für sich arbeiten, gleichwohl gilt ihr Vater, der fast alle Heimspiele live sieht, als wesentlicher Ratgeber.

Vielleicht ist aber auch Trainer Florian Kohfeldt der wichtigste Begleiter dieser Doppelkarriere, die gemeinsame Auftritte in der U21-Nationalmannschaft einschloss. Als Nachwuchstrainer war Kohfeldt früh für beide zuständig. Und als Maximilian unter Kohfeldts Cheftrainer-Vorgänger Alexander Nouri zum U23-Team zurückgeschickt wurde, hat Kohfeldt womöglich sogar verhindert, dass der zwischenzeitlich frustrierte Jungprofi sich einen anderen Verein gesucht hat.

Auch Johannes, der anfangs damit zu tun hatte, dass "die Erwartungshaltung von außen ein Stück zu hoch war", wurde von Kohfeldt gecoacht auf seinem Weg, dessen Zwischenstand "Fast-Stammspieler" bei den Bremer Profis lautet. Kohfeldt hat ihn langsam herangeführt, dazu hat Johannes den doppelt so alten Sturm-Kollegen Claudio Pizarro als Mentor an seiner Seite. Können die Eggesteins also wirklich zu Bremer Legenden werden?

"Legende", sagt Maximilian, sei "ein sehr großes Wort". Aber die Vorstellung, als Spieler Fußabdrücke zu hinterlassen, die sei sehr schön.

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