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Volleyball:Chancenlos gegen die Raketen

Zum Reinbeissen ... Jonas KAMINSKI ( 8, HER). Volleyball, Herrsching - VCO Berlin, Bundesliga, Saison 2020-2021, am 13.

Ein Volleyball ist nicht wirklich genießbar, aber Herrschings Diagonalspieler Jonas Kaminski ist das bei so vielen ärgerlichen Fehlern wie gegen Düren egal.

(Foto: Oryk Haist/Imago)

Herrschings Volleyballer verlieren in Düren überraschend klar mit 0:3 - was ihre gute Ausgangslage für die Playoffs aber kaum verschlechtert. Das erste Meisterschafts-Halbfinale der Vereinsgeschichte ist durchaus in Reichweite.

Von Sebastian Winter

Eine Heimfahrt vom Nordrand der Eifel zurück an den Ammersee kann richtig zäh sein, sechs oder sieben Stunden sitzt man locker im Auto, und nach einer klaren Niederlage ist das nicht gerade die schönste Abendbeschäftigung auf Erden. Aber Max Hauser, der Trainer von Herrschings Erstliga-Volleyballern, trug die misslungene Auswärtsfahrt am Mittwochabend mit Fassung. "Schade, das 0:3 ist sehr deutlich, aber Düren hat verdient gewonnen", sagte der 37-Jährige.

Das Duell war als Spitzenspiel angekündigt worden, was für die Herrschinger, die über einen der kleinsten Etats der Liga verfügen, per se schon mal eine Auszeichnung ist. Sie sind aber auch richtig gut in dieser Saison, als Tabellenvierter waren sie Richtung Eifel gefahren, um sich mit dem Zweiten Düren zu messen. Eine wichtige Partie war das, kurz vor dem Ende der Rückrunde geht es ja auch um die beste Ausgangsposition für die Playoffs. Und dass die Oberbayern eher zu den Angstgegnern der Nordrhein-Westfalen zählen, das haben einige enge Spiele in der Vergangenheit gezeigt.

Der erste Satz am Mittwoch war dann wieder sehr ausgeglichen, die WWK Volleys führten leicht, Düren hielt dagegen. "Es war ein Spiel auf sehr hohem Niveau, Düren schlägt außergewöhnlich auf, beide Mannschaften haben sehr viele gute Abwehraktionen", sagte Hauser. Die starken Aufschläge der Dürener waren dann aber der Schlüssel zum Satzgewinn - und auch ein wichtiger Baustein für den letztlich überraschend deutlichen 3:0 (25:21, 25:19, 27:25)-Sieg. Viele ihrer sechs Asse gelangen den Dürenern vor den Augen von Homer Simpson, der als Pappfigur in der zweiten Reihe saß, am Ende des ersten Satzes, Sebastián Gevert und der eingewechselte Eric Burggräf zeichneten sich dafür verantwortlich.

Auf Herrschings Statistikzettel stand später ein Ass, was zu wenig ist für diese gerade im Element Aufschlag so hochbegabte Mannschaft. Ihre Annahme verkaufte sich an diesem Abend ebenfalls unter Wert - auch abseits von Dürens Servicewinnern, die Libero Ferdinand Tille und seinen Kollegen um die Ohren flogen. "Man hat gesehen, Aufschlag und Annahme gewinnt Spiele, da müssen wir noch nachholen und nachbessern", sagte Hauser.

Derzeit deutet alles auf ein Fernduell mit Lüneburg um Platz vier und fünf hin

Erstaunlich war Herrschings Einbruch im zweiten Satz, in dem die Gäste nicht nur Aufschläge in Serie ins Netz oder Aus prügelten, sondern sich auch von ihrem sonst so emotionalen Spiel verabschiedeten. Die Körpersprache stimmte nicht, während sich Düren die immer geringer werdende Gegenwehr zunutze machte und davonzog. "Sechs Spiele in Folge 3:0. Und das gegen starke Gegner: So schlecht sind wir nicht", frohlockte Dürens Trainer Rafał Murczkiewicz nach der Partie, während Hauser haderte: "Wir haben den Faden verloren, sehr schlecht aufgeschlagen und etliche unnötige Fehler gemacht." Immerhin fand Herrsching seinen Kampfgeist im dritten Satz wieder, an dessen Ende dann allerdings auch das Pech an den Händen seiner Aufschläger und Angreifer klebte.

Während Düren durch den Erfolg zwischenzeitlich auf Platz eins der Tabelle rückte - ein völlig ungewohntes Bild in der eigentlich von Berlin und Friedrichshafen dominierten Bundesliga -, behält Herrsching trotz der enttäuschenden Reise in die Eifel seine gute Ausgangsposition vor den Playoffs. Zwei Spiele sind die Volleys noch vom Rückrundenende entfernt, am Samstag empfangen sie Giesen, das noch um die Playoff-Teilnahme kämpft, eine Woche später reisen sie zum Serienmeister Berlin. Derzeit deutet alles auf ein Fernduell mit Lüneburg um Platz vier und fünf hin. Sollte es so kommen, würden Herrsching und Lüneburg im Viertelfinale direkt aufeinandertreffen (außer der Modus der Endrunde wird wegen der Corona-Pandemie noch verändert).

Den Heimvorteil hätte dann das in der Abschlusstabelle besser platzierte Team, was ein nicht unwesentlicher Faktor ist. Denn Herrsching gewann sein Heimspiel gegen die Niedersachsen 3:0, verlor aber die Auswärtspartie in Lüneburg in der Rückrunde mit 2:3. Chancen aufs Playoff-Halbfinale hätte der Klub vom Ammersee allemal. Es wäre sein erstes in der Vereinsgeschichte.

© SZ/pps/and
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