Viertelfinale der Champions League Bayern pfeift auf den Ballast

Geballte Münchner Freude: Per 6:1 ins Halbfinale

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern gewinnt in einem furiosen Spiel 6:1 gegen den FC Porto und erreicht das Halbfinale der Champions League.
  • Die Münchner lassen schon in der ersten Halbzeit mit fünf Toren das bittere 1:3 aus dem Hinspiel vergessen.
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Aus dem Stadion von Claudio Catuogno

Dann pfeift der Schiedsrichter ab - und auf der Bank des FC Bayern gibt es kein Halten mehr. Die Ersatzspieler erheben sich für Standing Ovations. Sebastian Rode springt Thomas Müller um den Hals, der Ersatztorwart Pepe Reina klatscht mit Thiago ab. Offenkundig fällt da gerade eine Menge Spannung von den Schultern der Bayern-Profis. Lächelnd und feixend laufen sie Richtung Kabine. In die Halbzeitpause.

Damit hatten wohl selbst die kühnsten Optimisten im Bayern-Kader nicht gerechnet: dass sie schon beim Halbzeitpfiff mit einem Schlusspfifflächeln durch ihre Arena marschieren würden. Zwei Tore Rückstand mussten die Münchner ja aufholen in diesem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League am Dienstagabend gegen den FC Porto, eine Folge ihres blutleeren 1:3 vor einer Woche in Portugal. Man richtete sich auf eine Geduldsprobe ein.

Aber dann hatte sich das mit der Geduld schon bald erledigt. 5:0 stand es zur Halbzeit, 6:1 nach 90 Minuten. Thiago, Jérome Boateng, Robert Lewandowski, Thomas Müller, erneut Lewandowski und Xabi Alonso erzielten die Tore an einem Abend, den der euphorisierte Stadionsprecher als "Sternstunde des FC Bayern" ausrief - ebenfalls schon in der Halbzeitpause. Zum vierten Mal in Serie stehen die Bayern im Halbfinale. Und in dieser Verfassung dürfen sie wohl auch wieder vom Endspiel träumen. Das steigt am 6. Juni in Berlin.

"Besser hätte es nicht laufen können", sagte Thomas Müller, der sich nach Abpfiff mit einem Megafon vor den Fanblock stellte. "Ich hab' ja schon vorher gesagt: Mit dem Rücken zur Wand zu stehen, kann auch was Schönes sein." Auf jeden Fall - wenn man die Situation derart meistert wie der FC Bayern. "Jeder Spieler von uns wollte unbedingt gewinnen. Die Mannschaft hat eine hohe Qualität und ein großes Herz", meinte Kapitän Philipp Lahm.

Ungünstige Bedingungen

6:1? Natürlich ist so ein geradezu fantastisches Resultat nicht nur einer diesmal mit viel Esprit agierenden Bayern-Mannschaft geschuldet gewesen. Sondern auch einem zwischenzeitlichen Zusammenbruch des demoralisierten Gegners, wie man ihn lange nicht mehr gesehen. Genauer: wie man ihn auf diesem Niveau seit dem 7:1 der deutschen Nationalelf im WM-Halbfinale gegen die traurigen Brasilianer nicht mehr gesehen hat. Mit dem Unterschied, dass sich diesmal niemand fand, um auch noch das 7:1 zu erzielen.

6:1? Zu erwarten war das nicht unbedingt gewesen angesichts jener Gemengelage, in welcher der Triple-Gewinner des Jahres 2013 durch die vergangene Woche getorkelt war. Wichtige Schlüsselspieler weiter verletzt, der Ärztestab des Gurus Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt verärgert zurückgetreten, weil er sich verantwortlich gemacht sah für die dünne Personaldecke - es hat schon bessere Voraussetzungen gegeben, um Geschichte zu schreiben. Und die Bayern mussten ja tatsächlich etwas schaffen, was in der Champions League noch nie einer deutschen Mannschaft geglückt war: 14 Mal hatte ein deutsches Team bisher das Hinspiel mit zwei Toren Unterschied verloren, 14 Mal bedeutete das im Rückspiel das Aus.

"Wir haben wirklich geil gespielt"

Robert Lewandowski berichtet mit eindringlichen Worten von den Münchner Großtaten in der ersten Halbzeit, Matthias Sammer schwärmt von Pep Guardiola und Philipp Lahm von den vielen taktischen Umstellungen. mehr ... Überblick

Andererseits finden sich im Münchner Kosmos natürlich immer auch ein paar Mir-san-mir-Statistiken, die solch historischen Ballast gleich in milderem Licht erscheinen lassen. "Der größte Vorteil im Vergleich zum Hinspiel ist, dass wir zu Hause spielen", hatte Kapitän Philipp Lahm vor der Partie gemutmaßt angesichts einer Heim-Bilanz von vier Siegen und 13:0 Toren. Und Pep Guardiola ist in seinem Trainerleben noch nie in einem Viertelfinale ausgeschieden - wieso sollte es also ausgerechnet in seinem 100. Pflichtspiel mit dem FC Bayern anders laufen?

"Ich weiß, dass man viel erwartet von dieser Mannschaft, das ist ja auch ganz richtig", erklärte Guardiola später. "Ich habe vorher schon gesagt, ich bin stolz auf meine Spieler. Jetzt ist es einfach, sie zu lieben", sagte er und schwärmte dann: "Ich kann ihnen nur danken, dass ich diese wunderbaren Spieler trainieren darf. Ich bin einfach nur glücklich."

Thiago spannt den Portugiesen die Mädchen aus

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Nachdem die Bayern im Hinspiel oft schon im Spielaufbau den Ball verloren hatten, hatte Guardiola diesmal eine andere Strategie ersonnen: Mit weiten Pässen wurde der Ball über die zunächst wieder bissig anrennenden Portugiesen hinweg in die Angriffszone befördert. Die erste gute Gelegenheit kam so zustande: Fabiano parierte einen Schuss von Müller, Lewandowski sicherte sich den Abpraller - und setzte ihn an den Pfosten (10.). Die Hoffnung auf ein frühes Tor - endete noch am Aluminium.