Stuttgart in der Bundesliga:Beim VfB stellt sich die Qualitätsfrage

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Stuttgart in der Bundesliga: Stuttgarts Konstantinos Mavropanos (links) und Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo ärgern sich über das 1:3 gegen Frankfurt.

Stuttgarts Konstantinos Mavropanos (links) und Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo ärgern sich über das 1:3 gegen Frankfurt.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Es trifft sich gut, dass der VfB die Eifersüchteleien in der Vereinsspitze um Sportchef Mislintat vorerst befriedet hat. Schließlich hat das sieglose Team nach der frustrierenden Pleite gegen Frankfurt genug Probleme.

Von Christoph Ruf, Stuttgart

Nach dem siebten sieglosen Spiel hintereinander munterten die VfB-Ultras die Spieler auf, während aus anderen Stadionbereichen mehr als vereinzelte Pfiffe zu hören waren. Dass der VfB, der gerade erst eine unnötige Eifersüchtelei in der Führungsebene abgeräumt zu haben scheint, eine ziemliche Ergebnis-Flaute hat, ist nach dem 1:3 gegen Frankfurt offensichtlich. Tatsächlich hat der VfB auch in dieser Saison schon ein paar Spiele bestritten, in denen mehr drin gewesen wäre als nichts, weshalb auch Eintracht-Coach Oliver Glasner vor dem Spiel gewarnt hatte, dass "beim VfB die Ergebnisse nicht zu den Leistungen passen."

Doch diesmal passte das Ergebnis ziemlich gut zur Leistung beider Mannschaften. Zumindest, wenn man in Rechnung stellt, dass es legitim ist, wenn eine Mannschaft, die so früh in Führung geht wie die Eintracht (Sebastian Rode/6. Minute), nur noch ihre Stärken ausspielt. "Unser Plan ist aufgegangen, die Räume dichtzumachen, um das Stuttgarter Tempo nicht zur Entfaltung kommen zu lassen", sagte Glasner nach dem fünften Spiel in 14 Tagen.

Den Ball hatten dennoch oft die Stuttgarter. Doch die konnten damit nicht viel anfangen, zumal zur bekannten Abschlussschwäche diesmal Schläfrigkeiten bei der Ballannahme und Ungenauigkeiten in der Spieleröffnung dazu kamen. Daichi Kamada erzielte nicht unverdient mit einem abgefälschten Freistoß das vorentscheidende 0:2 (55.). Und spätestens, als Konstantinos Mavropanos (65.) aus vier Metern ebenso freistehend wie vorher Atakan Karazor (36.) das Tor verfehlte, stellte sich endgültig auch eine Qualitäts- statt der Pechfrage.

Die Spieler waren unsicher, gibt VfB-Trainer Matarazzo zu

Zumal Kristijan Jakic kurz darauf mit einem lockeren Kopfball zeigte, wie man das Einfache auch einfach machen kann (88.) - es war der dritte Frankfurter Treffer nach einem Standard und der Schlusspunkt unter eine verdiente Stuttgarter Niederlage, nachdem auch der 1:2-Anschlusstreffer von Tiago Tomas beim VfB nicht mehr für größere Wallungen gesorgt hatte (79.). "Ich hatte das Gefühl, dass zwei wichtige Spieler anfangs unsicher waren und die anderen angesteckt haben", sagte VfB-Coach Pellegrino Matarazzo.

Kaum auszudenken, wie die Stimmungsklage im VfB-Umfeld an diesem Wochenende wäre, wenn Sportdirektor Sven Mislintat und Vorstand Alexander Wehrle nicht am Freitag einen Konflikt besänftigt hätten, der dennoch auch am Samstag Hauptgesprächsthema im Stadion war. Die Anhänger hatten sich ziemlich unisono gefragt, warum die Vereinsführung ohne jede Not einen Mann anschießt, der von den meisten als wichtiger Faktor dafür gesehen wird, dass der VfB zumindest einen Kader mit Potenzial beisammenhat. Und der in der gerade abgelaufenen Transferperiode auch noch einen riesigen Transferüberschuss erwirtschaftete. Über 10 000 Anhänger hatten mit einer Petition die Vertragsverlängerung mit ihm gefordert.

Dass die Ernennung von Philipp Lahm und Sami Khedira als Vorstands-Berater nicht im Vorfeld mit Mislintat besprochen worden war, ist schon reichlich unverständlich. Dass Christian Gentner als zukünftiger Leiter der Lizenzspielerabteilung ohne sein Wissen installiert wurde, konnte man tatsächlich nur als Affront gegenüber Mislintat interpretieren. Gemeint war das möglicherweise nur als Signal, dass man dessen intern offenbar manchmal arg selbstbewusstes Auftreten nicht goutiert.

Auch dass Mislintat mehrfach öffentlich zu verstehen gegeben hat, dass er künftig wieder mehr Geld zur Verfügung haben will, kam nicht überall gut an. Gut möglich, dass gar nicht beabsichtigt war, Mislintat nachhaltig zu beschädigen oder ihn gar zum Weggang vom VfB zu nötigen. Dass genau das aber nach vergangenem Mittwoch die einzig mögliche Interpretation war, scheint den Verantwortlichen mittlerweile aufgegangen zu sein.

Verschuldet hat den Eindruck vor allem Wehrle, der seinen Coup und die netten Worte der drei Alt-Internationalen deutlich zu demonstrativ genoss und sich keine Silbe der Wertschätzung in Richtung des Sportdirektors abrang. Dass er sich nun in einem - diesmal ganz gewiss zwischen allen Beteiligten exakt austarierten Statement - zerknirscht gibt, darf als verspäteter Brückenbau und Signal an Mislintat gewertet werden, dass man doch gerne mit ihm zusammenarbeiten würde.

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