FC Bayern in der Einzelkritik:Neuer stürmt vergebens in Augsburg

Lesezeit: 4 min

Der Torhüter wird im eigenen und im Augsburger Strafraum gebraucht, Joshua Kimmich grantelt wie eine Festzelt-Kellnerin und Thomas Müller wirkt konsterniert. Die Bayern in der Einzelkritik.

Von Felix Haselsteiner

Manuel Neuer

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Als gebürtiger Gelsenkirchener den Großteil seines Lebens nicht mit der Wichtigkeit des ersten Wiesn-Samstags für Stadt und Verein konfrontiert. Hätte in einer Parallelwelt, in der er nicht einer der besten Torhüter der Welt ist, seinen Samstag daher vermutlich auch eher beim Revierderby als im Festzelt verbracht. Es gab Zeiten, da hätte man ihm derlei Ausflüge auch in einer ganz realen Bayern-Welt zugestehen können, weil man ihn ohnehin kaum brauchte - aktuell ist das nicht möglich. Musste einige Male eingreifen, war beim Gegentreffer chancenlos und wurde in der Schlussoffensive sogar für Kopfbälle im gegnerischen Strafraum gebraucht.

Noussair Mazraoui

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(Foto: Christof Stache/AFP)

Wird in diesem Jahr erstmals überhaupt als Bayern-Angestellter ein Festzelt besuchen, dürfte sich aber wesentlich mehr darüber gefreut haben, am Samstag erneut in der Startelf zu stehen. Das lag einerseits an den körperlichen Beschwerden von Benjamin Pavard, aber auch daran, dass Mazraoui seine Sache zuletzt gut machte. Gegen Augsburg nicht so zielstrebig wie zuletzt, zudem mit einigen Fehlpässen. Wird mit solchen Auftritten demnächst wieder hinter Pavard Schlange stehen wie vor einem vollen Wiesnzelt.

Dayot Upamecano

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(Foto: Eduard Martin/Jan Huebner/Imago)

Findet sich nach Lucas Hernandez' Verletzung in der Situation wieder, dass ihm als dienstältestem verbliebenem Innenverteidiger die Rolle als Abwehrchef zusteht. Fremdelte bislang noch ein wenig damit, diesen Posten beim FC Bayern anzunehmen, das setzte sich gegen Augsburg fort: War mit zahlreichen Ballverlusten eher für Unsicherheit als für Sicherheit verantwortlich, sah beim 0:1 nicht gut aus und muss sich dringend mehr Konstanz aneignen, um irgendwann wirklich Chef zu werden.

Matthijs de Ligt

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty)

Wird sich damit zurechtfinden müssen, Masskrüge mit der linken Hand zu greifen, die rechte nämlich ist weiterhin in einem Gipsverband verpackt. De Ligt allerdings gilt als flexibel und spielte zuletzt im Wechsel rechts und links in der Innenverteidigung. Ob ihm das guttat? Wohl eher nicht: Machte gegen den FCA nicht sein bestes Spiel, auch wenn er neben Upamecano immer noch mehr von dem zeigte, was einen Abwehrchef beim FC Bayern ausmachen sollte.

Alphonso Davies

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(Foto: Christof Stache/AFP)

Hatte es unter der Woche in der Champions League mit Ousmane Dembélé vom FC Barcelona zu tun, dagegen wirkte André Hahn als Gegenspieler fast wie ein Kurprogramm. Entwischte seinem Augsburger Bewacher dementsprechend immer wieder und versuchte, in der Offensive mitzuhelfen, teilte sich quasi eine Heatmap mit Sadio Mané. Half alles nichts, denn auch Davies musste einsehen: André Hahn davon zu laufen allein bringt einem keinen Sieg gegen den FC Augsburg ein.

Joshua Kimmich

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(Foto: Sascha Walther/Eibner/Imago)

Als Spielgestalter für den FC Bayern so wichtig wie eine Wiesn-Bedienung im Zelt. Musste sich allerdings mit unangenehmen Gästen wie Carlos Gruezo und Elvis Rexhbecaj rumschlagen, weshalb er nach einer halben Stunde schon so genervt wirkte, als würde er seit 14 Tagen Bier durch Menschenmassen tragen. Wechselte nach 60 Minuten für eine Viertelstunde auf die Position als Rechtsverteidiger, grantelte von dort aus weiter, als hätte man ihn vom Schottenhamel kurzfristig als Aushilfe ins Weinzelt beordert.

Leon Goretzka

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Bekanntermaßen der Security-Mitarbeiter, der Joshua Kimmich den Rücken freihält. Als solcher immer wieder gefordert, allerdings nicht ganz so effizient wie normalerweise, es wirkte in manchen Spielphasen fast so, als hätte der FC Augsburg die Hoheit im Mittelfeld. Wird sich mit der Innenverteidigung zusammentun müssen, um bald wieder Ordnung in den Betrieb zu bekommen.

Jamal Musiala

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(Foto: MIS/Imago)

Darf in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt bis Zeltschluss auf dem Oktoberfest bleiben, was ein erneutes Zeugnis seiner Jugend ist. Spielt seit Wochen auf extrem hohem Niveau Fußball, darf sich in seinem Alter allerdings auch mal ein Spiel wie in Augsburg leisten, in dem er mehrfach gute Gelegenheiten ausließ und sich den ein oder anderen Hackentrick ins Leere leistete.

Sadio Mané

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(Foto: Tom Weller/dpa)

Nach starkem Saisonstark zuletzt mit Problemen, sich in der Bayern-Offensive einzusortieren. Gegen Augsburg zeigte sich, dass es nicht an seinen Mitspielern liegt: Mané wurde immer wieder gesucht und angespielt, blieb aber in seinen Vorlagen und Abschlüssen weiterhin glücklos. Bräuchte dringend mal wieder einen erfolgreichen Abschluss, möglicherweise reicht ja auch schon einer im Schützen-Festzelt.

Thomas Müller

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(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Was Julian Nagelsmann seit Wochen von der Trainerbank aus versucht, probiert Thomas Müller jede Woche 180 Minuten lang auf dem Spielfeld: Ordnung und Stimmung in die Bayern-Offensive zu bringen. Erklärte Mazraoui Laufwege, munterte Musiala nach vergebenen Torchancen auf, schickte Mané und Sané in Laufduelle. Wirkte daher besonders konsterniert, als es plötzlich 0:1 stand und all die Worte umsonst waren. Dürfte dennoch beim Wiesnbesuch am Sonntag wieder versuchen, Ordnung und Stimmung in die Mannschaft zu bringen. Fraglich ist, ob er dann mehr Erfolg haben wird.

Leroy Sané

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(Foto: Tom Weller/dpa)

Hatte am Dienstagabend noch vom Zusammenspiel und blindem Verständnis mit seinem Kumpel Musiala geschwärmt. Anscheinend hatten da auch Maximilian Bauer und Jeffrey Gouweleeuw den Fernseher eingeschaltet und beschlossen, dass die beiden Münchner ihre Freundschaft nicht im Augsburger Strafraum vertiefen sollen. Sané versuchte es immer wieder engagiert mit Kombinationen, kam aber kaum durch - außer in der 71. Minute, als er allein auf Rafal Gikiewicz im Augsburger Tor zulief, der sich allerdings ebenfalls entschloss, keine Freundschaftsarmbänder zu verteilen, sondern den Ball hielt.

Einwechselspieler

Serge Gnabry kam ins Spiel, der allerdings dasselbe Problem wie sein Kollege Mané hat und mit dem Ball aktuell nicht allzu viel Produktives anstellen kann. Marcel Sabitzer gelang das schon eher, Lücken gegen tief stehende Augsburger fand er jedoch keine. Eric-Maxim Choupo-Moting und Josip Stanisic nahmen auch noch am Wiesntisch Platz, aber da war die Stimmung schon zu schlecht, um sie noch zu retten.

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