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VfB Stuttgart:Im Herbst-Strudel

Markus Babbel und seine Elf sind Opfer ihres Tempo-Laufs aus der vergangenen Saison geworden. Nun wäre im Verein die Bereitschaft zum Wechsel da, allein es fehlt die Alternative.

Thomas Doll übernahm im Oktober 2004 von Klaus Toppmöller die Mannschaft des Hamburger SV. Zuvor war er Trainer der zweiten Mannschaft gewesen, ein Ziehsohn des Vereins. Im Sommer 2006 erlebte er den Höhepunkt seiner Trainer-Herrlichkeit: Platz drei in der Liga, Qualifikation für die Champions League - doch verdiente Kräfte wie Barbarez, Beinlich, Boulahrouz oder van Buyten verließen den Verein.

Markus Babbel und Horst Heldt

Markus Babbel und Horst Heldt.

(Foto: Foto: rtr)

Und plötzlich verzerrte sich jede Perspektive: Irgendwie standen die Torpfosten enger beieinander, wuchsen Gegners Torhüter zu Hünen mit Saugnäpfen, gab es rätselhafte Verletzungen, und die Schiedsrichter pfiffen alles andere, nur nicht mehr den Schlager "Hamburg, meine Perle". Von den 26Pflichtspielen der Hinrunde 2006 gewann der HSV zwei - trotzdem durfte Doll überwintern, erst im Februar 2007, akut in Abstiegsnot, wurde die Trennung vollzogen.

Alles also schon mal dagewesen, jedenfalls verblüffend ähnlich. Der VfB Stuttgart überlegt, ob er Markus Babbel, einen jungen Trainer, entlassen soll, der im November 2008 vom Assistenten zum Chef, zum Nachfolger von Armin Veh befördert wurde. Babbel, der anschließend einen Lauf hatte, der der Mannschaft des VfB bis zum letzten Spieltag die Chance auf die Meisterschaft erhielt.

Der im Sommer 2009 aber erleben musste, wie der VfB den Stürmer Mario Gomez zum FC Bayern verkaufte, was heute als ein Hauptgrund dafür angeführt wird, dass der Tempo-Lauf der Schwaben in einen Anti-Lauf überging: Plötzlich pfeifen die Schiedsrichter anders, gibt es rätselhafte Verletzungen, sind die Pfosten breit wie jetzt beim Pokalspiel in Fürth, so dass der Ball nicht ins Netz, sondern zurück ins Feld fliegt.

Babbel und seine Elf sind Opfer ihres Tempo-Laufs geworden, in dieser Euphorie des Frühsommers 2009 wurden Erwartungen geweckt, die die Elf nicht erfüllen konnte. Nun wäre im Verein die Bereitschaft zum Wechsel da, allein es fehlt die Alternative: Die interne, die junge Lösung, wie sie der HSV einst mit Doll, der FSVMainz mit Thomas Tuchel und Stuttgart mit Babbel wählte, gibt es für den VfB nicht mehr. Und zur externen Lösung fehlt die Bereitschaft.

Die Trainer, die der VfB wollen würde, stehen unter Vertrag, und die, die auf dem Markt sind, will der VfB nicht - für manchen Kandidaten ist er sich halt schon zu gut. Das ist das Dilemma eines jeden Klubs, der im November, so kurz nach Saisonstart, in den Strudel gerät. Der Trainermarkt ist leer, aber weil er so leer ist, gibt dieser Markt einem Trainertalent eine weitere Chance. Eine fragwürdige, denn dem Herbst-Strudel ist - siehe Thomas Doll - nur selten einer noch entkommen.

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