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VfB Stuttgart:Die drei Musketierle

VFB Stuttgart 19 06 2019 Deutschland Fußball 2 Bundesliga Saison 2019 2020 VFB Stuttgart v li S; Sven Mislintat, Tim Walter, Thomas Hitzlsperger, VfB Stuttgart

Drei für den Aufstieg? Sven Mislintat (Sportdirektor), Tim Walter (Trainer) und Thomas Hitzlsperger (Sportvorstand) (v.l.n.r.).

(Foto: imago images / Sportfoto Rudel)
  • Der VfB Stuttgart startet an diesem Freitagabend gegen Hannover 96 in die Zweitliga-Saison.
  • Beim Absteiger, der sich zuletzt als Zerkleinerer der Spitzenklasse erwies, arbeitet nun ein junges Spitzentrio mit Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und Tim Walter.
  • Die drei haben sich vorgenommen, den Teufelskreis eines Traditionsklubs zu durchbrechen.

Sven Mislintat hat offenbar ein stabiles Wlan im kleinen Besprechungsraum im Erdgeschoss. Jedenfalls erreicht ihn zuverlässig die Mail, die Thomas Hitzlsperger ein Stockwerk höher losgeschickt hat. Der Chef ruft, Mislintat muss los, wichtige Dinge besprechen. Nein, ein neuer Stürmer sei nicht zu erwarten, sagt der Sportdirektor noch, obwohl sich der auch noch recht neue Stürmer Sasa Kalajdzic gerade schwer verletzt hat. So stolz waren sie beim VfB auf die Akquise dieses zwei Meter großen österreichischen Sturmtalents, und dann: ein blöder Sturz in einem Testkick, Kreuzband-, Außenband- und Meniskusriss. Halbes Jahr Pause, mindestens.

Aber doch, gute Nachrichten gibt es schon auch noch aus dem Stuttgarter Talkessel, zum Beispiel jene, dass die Wlan-Affäre lückenlos aufgeklärt ist. Ein bisschen rufschädigend war die Affäre ja schon, der große Verein aus der reichen Stadt will auf der Mitgliederversammlung über seinen Präsidenten abstimmen lassen, und dann kommt der Verein nicht ins Netz. Erstklassigen Spott musste der VfB über sich ergehen lassen, es wurden auch Grenzen des guten Geschmacks überschritten, etwa beim Vergleich mit dem HSV. Der VfB hatte sowieso schwere Wochen hinter sich, unter anderem, weil der Ball auch auf dem Spielfeld viel zu selten ins Netz gekommen war, was den Abstieg zur Folge hatte.

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Jetzt aber, pünktlich zum Zweitliga-Auftakt gegen Hannover 96 am Freitagabend, diese ermutigende Nachricht: Die Ermittlungen in der Koi-Netz-Affäre sind abgeschlossen. Die Ursache des Wlan-Ausfalls liege "in einem identifizierten Teilsystem eines Dienstleisters", heißt es. Gut auch, dass ein Cyberangriff ausgeschlossen wurde, es gab definitiv keine Manipulation von außen, auch nicht vom HSV.

Der Teufelskreis eines Traditionsklubs

Thomas Hitzlsperger weiß, auf wen er sich da eingelassen hat. Er kennt den VfB wirklich gut genug, er kennt auch die gefährlichste Eigenschaft dieses Klubs. Der VfB ist ein Zerkleinerer der Spitzenklasse, Spieler wurden dort schlechter, Talente entwickelten sich erst, wenn sie weg waren, und aus manchmal sogar fähigen Funktionären holte der VfB nur das Schlechteste heraus. Irgendein identifiziertes Teilsystem ist immer ausgefallen.

Er wolle "den Teufelskreis eines Traditionsklubs durchbrechen", sagte mal der Sportchef des VfB. Es war Robin Dutt, der das sagte, das ist erst vier Jahre her. Er ist Hitzlspergers Vor-vor-Vorgänger.

Unter Dutts Regie ist der VfB im Mai 2016 auch abgestiegen, und immerhin hat man damals gesehen, was dieser Verein eben auch kann. Er kann faszinierend und voller Dynamik sein, die Leute haben sich solidarisiert, es gab Zuschauer- und Mitgliederrekorde, es gab ungefähr 100 Terodde-Tore und am Ende den Wiederaufstieg.

Man wolle "etwas Neues anfangen", sagt Sven Mislintat, 46. Der neue Sportdirektor war der Wunschkandidat des Sportvorstands Hitzlsperger. Mislintat hat jahrelang die Kader von Borussia Dortmund geplant, "eine Granate" sei der Sven, sagt Hitzlsperger und muss selber lachen. Granate, das ist eher ein Begriff aus der Amtszeit seines Vorgängers Michael Reschke, der Spieler gerne als aaabsolute Volljranate ankündigte. Reschke ist ja auch so ein Beispiel: Der Mann kann wirklich was, in seiner Zeit beim FC Bayern hat er dem Klub die Zukunft organisiert, die Verpflichtungen von Kimmich, Süle, Coman, Tolisso und Gnabry gehen auf sein Konto.

Reschke hat natürlich gedacht, er könne auch den VfB. Aber der VfB war stärker.