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Fifa: Korruption und WM 2018:Verhängnisvolle Videomitschnitte

Nun also die Times-Affäre. Der afrikanische Vorständler traf die als US-Geschäftsleute getarnte Reporter in London und Kairo. "Wenn Sie das Geld investieren", soll der Funktionär gesagt haben, "heißt das natürlich, dass Sie auch die Stimme haben wollen." Ein Videomitschnitt des Gesprächsverlaufs soll der Fifa zugehen. Na und?

Der Funktionär behauptet, dass er mit der 570000-Euro- Spende Fußballplätze in der Heimat bauen ließe, er habe da Privatprojekte laufen- wenn einer so viel Sportsgeist zeigt, können ihn die Kollegen da fallen lassen? Und: Wird es eine Rolle spielen, dass er die Überweisung gern auf das Konto eines in Europa tätigen Verwandten erhalten hätte? Der andere Vorständler soll knapp das Dreifache verlangt haben, zur Einrichtung einer Sportakademie.

Geld ist keines geflossen, vorläufig halten sich die Betroffenen öffentlich ebenso bedeckt wie die Fifa, die ja nun erstmal in Ruhe ermitteln will und beruhigend auf ihre Ethik-Kommission verweist. Die jedoch, analog zur Einrichtung beim Internationalen Olympischen Komitee, in Ernstfällen nutzlos ist und in der Leistungsbilanz nur der Erheiterung dient. Kommissionschef ist übrigens Claudio Sulser, ein ehemaliger Fußball-Profi und Tessiner Anwalt, der mit Blatters Segen amtiert.

Die degenerierte Fußballwelt wird sich also wieder selbst untersuchen. Jene Fifa-Vorständler, die erst im Juli, während der WM, unter der letzten Korruptionswelle elegant weggetaucht sind. Damals gab die Staatsanwaltschaft im Schweizer Kanton Zug bekannt, dass sie ihre Bestechungsermittlungen gegen hohe Fifa-Funktionäre nur eingestellt habe, weil die den "objektiven Tatbestand zugeben": Sie hatten Millionen kassiert, die dem Weltverband gehörten.

Klar ist mit der neuen Affäre nur: Englands WM-Bewerbung 2018 dürfte erledigt ein. Dies Störfeuer ist unverzeihlich, es trägt Unruhe ins lukrative Kulissengeschacher: Was, wenn die Beschuldigten nun unter Druck geraten und auspacken, was generell läuft? Einer hat schon angedeutet, dass ihm weitere Angebote vorlägen.

Bin-Hammam war kürzlich schon dafür, dass im Dezember nur die WM 2018 vergeben wird, die Kür 2022 könnte noch vier Jahre warten.