U21-Spieler Levin Öztunali Der erwachsene Enkel

Will den nächsten DFB-Titel: Levin Öztunali.

(Foto: dpa)
  • Levin Öztunali spielte gegen die Serben so stark, dass die Frage aufkommt, warum er diese Leistung nicht auch in der Bundesliga abrufen kann.
  • Bei Mainz läuft der Enkel von Uwe Seeler allerdings auch meist als Achter im Mittelfeld auf und nicht als Außenstürmer.
  • Vielleicht wird aus Öztunali kein A-Nationalspieler, aber trotzdem könnte er in Italien mit 23 seinen dritten Europameistertitel holen.
Von Sebastian Fischer, Udine

Es war allein schon dieser Pass, der aussah wie einer für höhere Aufgaben und größere Bühnen. Levin Öztunali spielte den Ball steil, im richtigen Moment und im richtigen Tempo, Marco Richter lief alleine aufs Tor zu und traf zum ersten von sechs Toren beim 6:1 der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Serbien. Öztunali traf danach noch einmal die Latte, er dribbelte an den Serben vorbei, als wären sie aus Luft, derart war er ihnen überlegen, physisch vor allem. Wer ihn am Donnerstag zum ersten Mal spielen sah, der war womöglich überrascht von seiner Klasse. Doch tatsächlich ist der Fußballer Öztunali, 23, schon sehr lange ein Talent. Vielleicht etwas zu lange.

Das Turnier in Italien und San Marino ist bislang ein erfolgreiches für die deutsche Mannschaft, zwei Spiele, zwei Siege, an diesem Sonntag reicht gegen Österreich schon ein Unentschieden fürs Halbfinale und die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020. Die EM hat aus deutscher Sicht bereits ein paar Entdeckungen gebracht, zum Beispiel die der Stürmer Richter und Waldschmidt - wobei letztere eher eine Wiederentdeckung ist, die sich angedeutet hat: Der Stürmer, 23, mit vier Toren bislang bester Torschütze des Turniers, der schon mit 15 Juniorennationalspieler war, spielte nach seinem Wechsel zum SC Freiburg im vergangenen Sommer seine erste starke Bundesligasaison.

Nach dem Turnier ist Öztunali für die U21 zu alt

In der Mannschaft gibt es jene Talente, die schon in der A-Elf spielten wie Kapitän Jonathan Tah. Es gibt die Spätentwickler wie den gegen Serbien famosen Mittelfeldspieler Florian Neuhaus. Und es gibt Spieler, die in ihrer Entwicklung früh weit waren, aber ein wenig stagnieren. Die Auswahl soll ja eine für den Übergang in die Nationalelf sein, das ist die ursprüngliche Idee. Öztunali hat insgesamt 71 Junioren-Länderspiele gemacht, 27 für die U21, die zweitmeisten aller U21-Nationalspieler der DFB-Geschichte. Den Rekord hält Fabian Ernst mit 31 Einsätzen, er wird ihn auch nach diesem Turnier behalten. Denn dann ist Öztunali für die U21 zu alt.

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Am Freitag, dem Tag nach dem Serbien-Spiel, saß er im Mannschaftshotel in einer Gesprächsrunde mit Journalisten, und gleich nach der ersten Frage sprach er darüber, warum es im Bundesligaalltag, wo sich die Spieler nachhaltig für höhere Aufgaben empfehlen, für ihn nicht so gut laufe. Öztunali spielt seit drei Jahren für Mainz 05. In der vergangenen Saison hat er 15 Spiele gemacht und zwei Tore vorbereitet. Eigentlich habe er auch ein Tor geschossen, sagte er, aber das sei dann leider als Eigentor gewertet worden. Er lächelte, er ist kein Sprücheklopfer. "In Mainz spielen wir natürlich auch ein anderes System", sagte er, "aber ich denke, ich habe in Mainz auch schon gute Spiele gemacht."

Für Deutschland spielt Öztunali als Flügelstürmer im Dreier-Angriff mit Richter und Waldschmidt, in Mainz spielte er wenn, dann meist als Achter im Mittelfeld. "Auf der Acht macht es mir auch Spaß zu spielen. Es ist ein anderes Aufgabenfeld, in dem man sich nicht nur über Tore definiert und andere Ansprüche gestellt werden", sagt er: "Dass man mehr über die Zweikämpfe kommt, mehr den Ball schleppt." Beim DFB war er U19-Europameister 2014 und U21-Europameister 2017. Er hat schon 126 Bundesligaspiele bestritten, darauf verweist er, wenn man ihn fragt, was es bräuchte, damit er sich als Fußballer weiterentwickelt. "Den nächsten Schritt gehen", das ist ja das Motto der U21 bei dieser EM. Öztunali sagt aber auch: "Ich denke, an der Effektivität kann man definitiv noch arbeiten."

Herausragend meist nur gegen Gleichaltrige

Er ist der Enkel von Uwe Seeler, das war die Geschichte, als er mit 17 bei Bayer Leverkusen sein Bundesligadebüt gab, weil sie sich angeblich ausgerechnet bei Seelers Hamburger SV, wo er in der Jugend spielte, nicht genug um ihn bemühten. In Leverkusen war er damals körperlich schon sehr weit für einen Jugendlichen. Nun ist der Enkel erwachsen, aber herausragend ist er meist nur gegen Gleichaltrige. Über seine Rolle bei der U21, die manche als Wohlfühloase für die Spieler bezeichnen, sagt er: "Ich bin einer, der hier schon länger dabei ist. Ich weiß, wie die Abläufe sind. Wenn neue Spieler dazu kommen, wissen sie, dass sie von meiner Erfahrung profitieren können und eine ordentliche Antwort kriegen." Es sind Spieler wie Öztunali, die dafür sorgen, dass die deutsche Elf bei der EM reif wirkt, reifer als die meisten anderen Teams.

Vielleicht ist er ein Beispiel für einen in der U21 besonders wichtigen Nationalspieler, aus dem eher kein A-Nationalspieler werden wird. Aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlimm. Im Sommer könnte er den Verein wechseln, um wieder Stammspieler zu werden, der FC Augsburg soll interessiert sein. Und zunächst will er noch mal Junioren-Europameister werden. "So ein Titel kann auf dem persönlichen Weg eine Menge bewirken", sagt Levin Öztunali. Es wäre sein drittes Mal.

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