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Streit um Pokal-Spiel gegen Schalke:Bei Türkgücü will man es nicht wahrhaben

Das Vorgehen habe mit einer vernünftigen Gerichtsbarkeit nichts zu tun. Koch sieht das naturgemäß anders, betonte am Dienstag noch einmal deutlich die Unabhängigkeit des Schiedsgerichts, das naturgemäß kein Organ des BFV ist. Die Richter werden vom Präsidenten des offenkundig fußball-unabhängigen Oberlandesgerichts in Nürnberg ernannt.

Kothny wollte es immer noch nicht ganz wahrhaben, dass Türkgücü nun endgültig vom Pokal ausgeschlossen sein soll. Man werde Rücksprache mit den Anwälten halten, ob man gegen dieses Schiedsgerichtsurteil vorgehen könne. Wahrscheinlich ist dies aber nur im Nachgang nach dem Spiel möglich, zum Beispiel in Form einer Schadenersatzklage. Man sehe "schwere kartellrechtliche Fehler", die gemacht worden seien, so Kothny. Und man werde, wenn nötig, bis zum Bundesgerichtshof gehen. Die Reaktion des Geschäftsführers legt nahe, dass der Verein im Streit um die Pokalteilnahme schon seit Längerem auch ein Grundsatzurteil anstrebt.

Der Streit hatte sich lange angebahnt und war am 11. September vor dem ordentlichen Gericht gelandet. Im Kern war es um die Frage gegangen, welche Vereine während der coronabedingten Unterbrechung der Regionalliga Bayern einen Anspruch auf den Aufstieg und den DFB-Pokal haben. Türkgücüs Präsident Hasan Kivran hatte Ende Juli eine ursprüngliche, mündliche Abmachung aufgekündigt - mit der Begründung, der FC Schweinfurt habe die ordnungsgemäße Lizenzierung der Münchner für die dritte Liga angezweifelt.

48 Stunden vor dem Pokalspiel hatten Türkgücüs Anwälte dann eine Einstweilige Verfügung am Landgericht München I erwirkt. Nach einer mündlichen Verhandlung hatte das Gericht diese zurückgenommen, aber den BFV zugleich beauftragt, in der Sache neu zu entscheiden und die Spielordnung anzupassen. Der Verband war daraufhin in Berufung gegangen.

Nun hat sich also doch der Jurist Koch durchgesetzt. "Der BFV steht für sportlich faire Regelungen. Das ist heute auch so gerichtlich bestätigt worden", heißt es in seiner Stellungnahme. Der Ball wird bald rollen, im Rest des Landes wird der Streit dann bald vergessen sein. Rechtsfrieden wird aber zwischen den Streitenden wohl noch lange Zeit nicht herrschen.

© SZ vom 28.10.2020/jbe
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