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TSV 1860 München:Noch im Todeskampf windet sich 1860 mit viel Lärm

TSV 1860 München

Die Vizepräsidenten des TSV 1860 München, Hans Sitzberger (l.) und Heinz Schmidt, stellen sich den Medien.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Am 2. Juli soll es zu einer Kampfabstimmung der Mitglieder darüber kommen, ob 50+1 beim TSV 1860 stärker oder weniger gelebt werden soll.
  • Die beiden Seiten bereiten sich bereits vor.
  • Investor Hasan Ismaik will nach eigener Aussage gegen 50+1 klagen - die Vereinsvertreter wollen die Regel erst so richtig leben und Ismaik aus dem Verein ausschließen.

In exakt jener Minute, als am Freitag um 15.30 Uhr die Frist für die fällige Millionenzahlung zur Lizenzsicherung in der dritten Liga ablief, hat Hasan Ismaik noch mal laut gelacht. Ob das Geld auf dem Konto des TSV 1860 München eingegangen sei? "No, no", rief Ismaik in den Telefonhörer, eine Überweisung dauere einen Tag. "Geld ist ja da! In meiner Company!" Ja, okay, Company schön und gut, warf man reflexartig ein. Aber ob das Geld auch auf dem Konto der richtigen Company sei? Der Company des ehemaligen Zweitligisten 1860? "No", sagte Ismaik, aber das sei kein Problem. Mit dem DFB sei alles besprochen. Und am 2. Juli sei ja Mitgliederversammlung! Man werde schon sehen.

Man sah dann leider: keine Lizenz.

Und einige Stunden später sah es auch der erste arabische Investor im deutschen Profifußball anders. Dann nämlich kündigte er an, gegen 50+1 zu klagen. Gegen jene Regel, die ihm entscheidend weniger Einfluss gibt als dem Verein, obwohl der Verein ja im Gegensatz zu ihm kaum Geld besitzt. Gegen diese spezielle Bestimmung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und auch des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV)

will der Jordanier nun juristisch vorgehen. "Es ist ein großer Skandal im deutschen Fußball passiert", sagte Ismaik der SZ, nachdem er am Freitagabend ein Komplott seitens des BFV mit seinem Präsidenten Rainer Koch gewittert hatte - mit dem Ziel, ihn loszuwerden. Der Verband hatte Aspekte der 50+1 Regel erst am Vortag in die Satzung aufgenommen. "Um keinen Interpretationsspielraum zu lassen", sagt Verbandssprecher Thomas Müther. 1860-Vizepräsident Hans Sitzberger findet: "Der Koch ist ein guter Mann."

TSV 1860 München Ismaik will gegen 50+1-Regel klagen
TSV 1860

Ismaik will gegen 50+1-Regel klagen

Im Machtkampf mit Vereinsvertretern des TSV 1860 kündigt Hasan Ismaik an, gegen die Anti-Investoren-Regel im deutschen Fußball vorzugehen. Er will den Klub ganz übernehmen.   Von Markus Schäflein, Philipp Schneider und Thomas Hummel

Auf einmal geht es um "Corporate Governance"

Am Freitag hat Hasan Ismaik den Profifußballklub TSV 1860, deutscher Meister des Jahres 1966, in der sportlichen Bedeutungslosigkeit versenkt. Er hat die fälligen 11,3 Millionen Euro nicht gestellt, die für eine Lizenz notwendig gewesen wären. Nach SZ-Informationen sah ein ursprünglicher Plan vor, dass die Finanzierung für die Drittligalizenz mittels eines Sponsoring-Vertrags gesichert werden sollte. Daraus wurde nichts. Unklar blieb dann, ob Ismaik das Geld am Ende nicht stellen wollte - oder gar nicht konnte. Ob er auf jene Company unter den gegebenen Umständen nicht zugreifen wollte - oder nicht konnte.

Auf Letzteres deutet nicht nur seine Formulierung in seiner offiziellen Pressemitteilung hin, es sei ihm "leider nicht möglich" gewesen, "den erheblichen Betrag bereitzustellen". Sondern dies legen auch die Details seines Forderungskatalogs an den Klub nahe. Der war schließlich so umfassend, dass Ismaik klar sein musste, dass nicht alle Forderungen umzusetzen gewesen wären, selbst wenn es die e.V.-Vertreter gewollt hätten. Eine partielle Streichung des Weisungsrechts, das nur die Vereinsvertreter - nicht aber Ismaik - gegenüber dem Geschäftsführer besitzen, hatte die DFL am Montag vergangener Woche abermals abgelehnt. Das Schreiben liegt der SZ vor. Als Begründung, dass kein Geld floss, war aus Ismaiks engstem Umfeld noch eine weitere Klage zu vernehmen: 1860 entspreche in seiner gegenwärtigen Form nicht den Grundsätzen von Corporate Governance. Also einer Unternehmensführung, in der etwa ein Unternehmens-Aufsichtsrat die maßgeblichen Geschäfte letztinstanzlich überwacht.

Das stimmt sogar. Bei 1860 ist diese Instanz - wegen 50+1 - ein Vereinsvertreter, der wiederum dem e.V.-Verwaltungsrat unterstellt ist. Daran lässt sich aber nichts ändern. Sagt die DFL. Und so dreht man sich im Gespräch mit Ismaik und seinen Leuten an dieser maßgeblichen Stelle permanent im Kreis. Als Vereinsvertreter genauso wie als Journalist. Bloß: Wer macht plötzlich die Einführung von Corporate Governance im 50+1-Fußballland Deutschland als Bedingung für Zahlungen? Und warum ist dieses Interesse so groß, dass es sich lohnt, dafür das ganze Investment 1860 zu versenken?