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TSV 1860 München:Der Geschäftsführer, den Ismaik nicht wollte

TSV 1860 München hat neuen Geschäftsführer

Der neue Geschäftsführer beim TSV 1860: Markus Fauser, 39, Spezialist für Insolvenzfälle.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Mit Markus Fauser wird ein Fachmann für Insolvenzfälle Geschäftsführer des TSV 1860 München.
  • Der Verein setzt die Personalie gegen den Willen von Investor Hasan Ismaik durch.
  • Fauser wird nun einen Blick auf die Finanzströme der Vergangenheit werfen.

Am Pfingstmontag hielten vier wichtige Männer des TSV 1860 München eine Konferenz ab, um ein sehr wichtiges Thema zu klären: Ein neuer Geschäftsführer musste dringend bestellt werden, denn diesen benötigt auch ein Fußballklub, der noch nicht so richtig weiß, in welcher Liga er nächste Saison spielt. Und in welchem Stadion. Oder ob überhaupt.

In einem anderen Klub hätten sich die vier wichtigen Männer in so einer wichtigen Frage möglicherweise an einen Tisch gesetzt, in dessen Mitte dann ein Teller mit Salamischnittchen gestellt worden wäre, damit physisch keiner vorzeitig wegbricht. In einem anderen Klub hätten die Männer geredet und sich irgendwann geeinigt.

Beim TSV 1860 geht es schon mal damit los, dass die vier wichtigen Männer an wichtigen Tagen über den ganzen Globus verteilt sind. Der in London weilende Investor Hasan Ismaik, sein Bruder Yahya und die Vereinsvertreter Markus Drees und Robert von Bennigsen berieten sich also telefonisch - und einigten sich nicht.

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Ein kleines bisschen Fußballgeschichte

Andererseits: Nicht, dass eine Versammlung mit Schnittchen etwas gebracht hätte. Die vier wichtigen Männer können sich nämlich aus unterschiedlichen Gründen ganz und gar nicht leiden. Sie hätten sich vermutlich auch an einem Tisch nicht geeinigt. Der TSV 1860 brauchte aber weiterhin einen Geschäftsführer - und so kam es, dass sich am Dienstagvormittag der Übergangspräsident Robert Reisinger und sein tapferer Vize Hans Sitzberger auf den Weg zum Notar machten, um ein kleines bisschen Fußballgeschichte zu schreiben.

Dort angekommen, setzten sie ihr gutes Recht durch, das hierzulande als 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bekannt ist und besagt, dass der Verein in einer Pattsituation mit dem Investor das letzte Wort bei der Bestellung des Geschäftsführers hat. "Wir haben nicht die Zeit, mit unserem Mitgesellschafter über Personen zu diskutieren", sagte Reisinger, "uns läuft die Zeit weg." Das war knallhart.

So saß nun also der Wirtschaftswissenschaftler Markus Fauser, 39, ein Spezialist für Insolvenzfälle, in seiner Funktion als neuer Geschäftsführer am Dienstag im Pressestüberl an der Grünwalder Straße und fragte: "Warum sitze gerade ich hier? Wie Sie wissen, befinden wir uns aktuell in einer schwierigen Situation." Das Insolvenzthema stehe "nicht im Fokus". Oh nein. Es gehe nur darum, "die Handlungsfähigkeit der KGaA wieder herzustellen", betonte Fauser. "Das bedeutet eben auch, dass wir am 13. Juli eine Mannschaft haben und einen möglichst guten Saisonstart in die Regionalliga vorbereiten können."

Fauser, der in Stuttgart für die Restrukturierungsfirma Anchor arbeitet, ist eine Art Aufräumer. Einer, der für wenige Wochen in eine Firma geschickt wird, um dort nachzusehen, ob das Finanzkonstrukt gesund oder krank ist. Und ob möglicherweise die Notbremse gezogen werden muss. Dass ausgerechnet Fauser - ein Mann, den Ismaik gar nicht haben wollte - sein Haupt über sämtliche Verträge und Dokumente auf der Geschäftsstelle des Giesinger Arbeiterklubs beugen darf, das gefällt dem Jordanier ganz und gar nicht. Zumal bei 1860 in dieser Saison erstmals so richtig investiert worden ist in Spieler, Trainer und Geschäftsführer aus allerlei Nationen.