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Transfers beim TSV 1860 München:Aigner, Olic, Ribamar - die Löwen rüsten auf

1860 Muenchen v Energie Cottbus - 2. Bundesliga

Stefan Aigner spielte schon einmal für die Löwen - jetzt kommt er zurück.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Nanu, 1860 baut sich eine echte Mannschaft? Erst kommt ein 19-jähriger Brasilianer, dann ein gestandener Erstligaprofi aus Frankfurt. Der neue Sportchef Eichin darf richtig Geld ausgeben.

Von Philipp Schneider

Peter Cassalette ist nicht zu beneiden. Zumindest ist es dem Präsidenten des TSV 1860 München ein Anliegen, dass niemand auf Idee kommt, er könnte unter Umständen zu beneiden sein. Zwar schien ihm am Freitag die Sonne vom wolkenlosen Himmel über der arabischen Halbinsel auf den Kopf, aber so ein heißer Julitag in Abu Dhabi hat für Westeuropäer mitunter seine Schattenseiten. In Cassalettes Fall: zu wenig Schatten. "Es hat 46 Grad hier, ich geh' gar nicht mehr aus dem klimatisierten Hotel raus. Und so ein weiter Flug für zwei Tage Aufenthalt in Abu Dhabi, das kann man auch nicht wirklich Urlaub nennen", sagte Cassalette.

Thomas Eichin steht ein erstaunliches Budget zur Verfügung

Seine Reise zu Investor Hasan Ismaik, der vor fünf Jahren 60 Prozent der Anteile beim Fußball-Zweitligisten erwarb, sei daher zu verstehen als Arbeitsbesuch bei jemandem, mit dem er "aus meiner Sicht befreundet" sei. Und die zwei Freunde hatten ja in der Tat mal wieder einiges zu bereden. Am Ende einer Woche, die für Sechzig-Verhältnisse mit der Verpflichtung des 36 Jahre alten Ivica Olic bereits nahezu sensationell verlaufen war, galt es, die nächsten Glanzstücke zu verkünden: Der 19 Jahre alte Brasilianer Lucas Ribamar, zuletzt aktiv für den brasilianischen Erstligisten Botafogo FR, unterschrieb in München einen Fünfjahresvertrag.

Langfristige Kontrakte (es sei denn der Spieler ist schon 36) sind beliebt bei 1860, seit Thomas Eichin die sportliche Verantwortung trägt. Mit einer kolportierten Ablöse von 2,5 Millionen Euro war Ribamar bis Samstagmittag der teuerste Transfer der Klubgeschichte - dann setzte man mit der Rückkehr von Stefan Aigner vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt noch eins drauf. Am Samstag klärten die Beteiligten letzte Ablösemodalitäten - angeblich liegt die Transfersumme sogar bei stattlichen drei Millionen Euro.

Trainer Kosta Runjaic meinte bereits am Freitag, dass mit dem Ex-Löwen Aigner (2009 bis 2012) alle sportlichen Fragen bereits "geklärt" seien. Damit ist klar, dass Aigner gemeint war, als Cassalette zum "Fantag" am Sonntag an der Grünwalder Straße eine Überraschung ankündigte.

Der 28-Jährige war zuletzt Stammspieler bei der Eintracht, auch beim Publikum stand er wegen seiner Dribblings und Tore hoch im Kurs - weniger beliebt schien er beim neuen Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic zu sein. Aigner hatte zuletzt zwar betont, unbedingt in Frankfurt bleiben zu wollen ("ich habe hier noch zwei Jahre Vertrag"), aber dann kam es anders. Mit ihm bekommen die Löwen einen Spieler, den auch der VfB Stuttgart gerne geholt hätte. Doch die Schwaben wollten am Ende nicht so viel Geld aufbringen.

Spätestens nach diesem Transfer wird rational nicht länger zu fassen sein, weswegen erst fünf Jahre verstreichen mussten, ehe bei Sechzig im großen Stil investiert wird. Vom Aufstieg in dieser Saison will zwar niemand reden, doch Cassalette stellt immerhin bereits Wintertransfers in Aussicht, "für den Fall, dass wir merken, dass wir oben angreifen können". Grundsätzlich sei es so, "dass Hasan fünf Jahre lang nur die Lücken gestopft hat, weil er kein Vertrauen in die Verantwortlichen hatte". Eichin sei eben der erste Sportchef, den der Jordanier mit auserwählt habe.

Das unterscheide ihn etwa vom sagenhaft erfolglosen Gerhard Poschner, den er nur abgenickt habe. Da passte ins Bild, dass seit Freitag offiziell ist, dass Eichin wie erwartet interimsmäßig zum Geschäftsführer befördert wird. Seine Vorgänger Markus Rejek und Noor Basha seien Anfang der Woche abberufen worden, hieß es in einer Mitteilung. Eichin, der erst in der kommenden Woche seine Büroräume an der Grünwalder Straße beziehen wird, ist also endlich auch im Organigramm der KGaA der große Entscheider bei 1860. Er muss nicht länger verdeckt operieren wie während der letzten Arbeitswochen seines Vorgängers Oliver Kreuzer.

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