Neuer 1860-Trainer Möhlmann Verbeulte Hose, geballte Erfahrung

Revolutionär dürfte es nicht werden, aber die Löwen brauchen halt Punkte: Am besten mit dem neuen Coach Benno Möhlmann.

(Foto: dpa)
  • Der TSV 1860 reagiert auf die schlechten Ergebnisse und trennt sich von Trainer Torsten Fröhling, der seit Februar die Mannschaft als Cheftrainer verantwortete.
  • Sein Nachfolger wird Benno Möhlmann, der schon am Dienstag das Training leiten soll.
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Von Jonas Beckenkamp

Benno Möhlmann tauchte an seinem neuen Arbeitsplatz so auf, wie man ihn kennt: dunkles Sakko, leicht verbeulte Jeans - dieser Mann hat im Zweitligafußball zu viel erlebt, um sich extra in Schale zu werfen. 501 Spiele hat er in Deutschlands zweithöchster Spielklasse an der Seitenlinie verbracht. Er schaffte den Aufstieg mit Arminia Bielefeld, trainierte Greuther Fürth und den FC Ingolstadt, zuletzt arbeitete er dreieinhalb Jahre beim FSV Frankfurt. Seine Vita ist ab sofort um eine Station reicher: An diesem Dienstag schlenderte er gut gelaunt in die Geschäftsstelle des TSV 1860 München, wo sie ihn als kommenden Chefcoach vorstellten.

Möhlmann statt Torsten Fröhling, diese Personalrochade war aus Sicht der Verantwortlichen durch die Ergebnisse der vergangenen Wochen unausweichlich geworden. Wer diese Verantwortlichen genau sind, lässt sich derzeit schwer sagen. Beim TSV 1860 gibt es ja viele Stimmen - nur Einigkeit herrscht selten. Präsident Siegfried Schneider bekleidet sein Amt nur vorrübergehend, Sportchef Necat Aygün firmiert nach offizieller Sprachregelung als Bis-auf-Weiteres-Sportchef (kurioserweise war Möhlmann zuvor auch schon als Nachfolger für diese Position im Gespräch).

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Möhlmann als Konsens-Trainer

Geschäftsführer Markus Rejek wies höchstselbst darauf hin, in fußballfachlichen Fragen eigentlich keine Rolle spielen zu wollen; sein Geschäftsführer-Kollege Noor Basha ist Cousin und Vertreter des jordanischen Investors Hasan Ismaik und mit 29 Jahren recht unerfahren. Viele Personen, die teils wenig Macht und teils wenig Kompetenz haben, müssen sich also irgendwie einigen. Und dann begleitet den Klub ja noch der Verwaltungsrat, dessen Vorsitzender Karl-Christian Bay unlängst treffend formulierte: "Bei uns zerfleddert sich die Willensbildung oft hin zu einem Minimalkonsens."

Einen solchen scheint man auch ihn Möhlmann gefunden zu haben. Auf eine glamouröse Lösung wurde verzichtet, der 61-Jährige dürfte eher dazu dienen, die Dinge ein wenig zu stabilisieren. Bei einer ersten gemeinsamen Pressekonferenz sagte Rejek nun: "Wir wollen mit Benno Möhlmann einen neuen Akzent setzen und hoffen, dass mit ihm auch das Glück zurückkommt." Im Verein seien alle froh, dass mit Möhlmann der erfahrenste Zweitligatrainer jetzt ein Löwe ist. "Das tut uns gut", so Rejek. Der Geschäftsführer erklärte zudem: "Diese Entscheidung haben wir in den Gremien einstimmig beschlossen." Offenbar gab es diesmal tatsächlich einen Konsens.

Möhlmann selbst machte bei seinem ersten Auftritt einen entspannten Eindruck. Er hatte einige Lacher auf seiner Seite, als er einführend erklärte: "Ich freue mich, das der Beirat - so heißt das doch hier? - sich für mich entschieden hat." Dass der TSV kein ganz alltäglicher Verein ist, schien ihm klar zu sein: "Es scheut mich nicht, hier zu einem Verein zu kommen, wo nicht alles ganz normal ist." Visionäre Fußballdinge sind von dem gebürtigen Niedersachsen nicht zu erwarten, ihm dürfte es zunächst darum gehen, der Mannschaft wieder die elementaren Gepflogenheiten des Spiels näher zu bringen. Heißt: Kompaktheit, Ordnung, Wille und Zielstrebigkeit.

Bleibt Fröhling dem Klub erhalten?

"Wir wollen miteinander agieren. Bereit sein zu laufen und zu kämpfen. Ich bin keiner, dem nur reiner Ballbesitz vorschwebt, sondern ich möchte schon Tore erzielen", teilte der Neue mit. Nach zuletzt zehn Spielen ohne Sieg vielleicht nicht der verkehrteste Ansatz. Möhlmanns Vertrag gilt vorerst nur bis Saisonende, er ließ aber wissen, er "hoffe schon, dass die Zusammenarbeit auch ein bisschen dauert."

Das hatte der Verein zwischenzeitlich auch bei Fröhling gehofft, aber dessen Bilanz war in den vergangenen Spielen einfach zu mau. Obwohl der entlassene Trainer bei den Spielern sehr beliebt war und von diesen am Vormittag sogar mit Applaus verabschiedet wurde, blieben dem 49-Jährigen am Ende nur ein paar warme Worte von Geschäftsführer Rejek. "Es war ein Schritt, der uns schwer gefallen ist, weil wir Fröhling eigentlich das Vertrauen ausgesprochen hatten. Er ist ein Mensch, den wir sehr schätzen", sagte er. Immerhin sprach Rejek noch ein tröstendes Angebot aus: Man sei durchaus gewillt, Fröhling im Jugendbereich weiterhin zu beschäftigen.

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