Trainer Torsten Fröhling bei 1860 Schwärmereien für den Chef

Torsten Fröhling schätzt seine Spieler und die Profis schätzen ihn - darf er weitermachen bei den Löwen?

(Foto: dpa)
  • Der Abstieg des TSV 1860 ist abgewendet - und plötzlich geht Trainer Torsten Fröhling als Gewinner aus der Krise bei den "Löwen" hervor.
  • Die Spieler wollen mit dem Coach weitermachen, doch seine Zukunft ist ungewiss.
  • Auch die Rolle von Sportchef Gerhard Poschner muss neu diskutiert werden - so setzen sich die Probleme im Verein fort.
Aus dem Stadion von Martin Schneider

Für einen kurzen Moment haderte Torsten Fröhling, obwohl er doch gar nicht hadern wollte: "Als Dominik Stahl sich nach 13 Minuten verletzt hat, das hat unseren Plan über den Haufen geworfen, kurz darauf kassieren wir das Gegentor. Das hat irgendwie zur Saison gepasst", sagte der Trainer von 1860 München nach dem Irrsinn, der sich in der Fröttmaninger Arena bei der Relegation gegen Holstein Kiel zugetragen hatte. Fröhling vergaß für einen kurzen Moment, dass das ja eigentlich egal war. Mit dem Plan. Und dem Gegentor.

Er wirkte wie alle Münchner Beteiligten nach diesem kaum zu erklärenden 2:1-Sieg mehr erleichtert als glücklich. Der 48-Jährige hätte sich ruhig mehr Emotionen erlauben dürfen, aber sein zerkautschtes Gesicht verriet: Da ist einer fertig mit den Nerven. Es waren nicht die Namen der beiden Torschützen Kai Bülow und Daniel Adlung, auch nicht von Torwart Vitus Eicher, der die Münchner kurz vor Schluss mit einem Wahnsinns-Reflex in der Liga hielt, die in den Katakomben am häufigsten genannt wurden. Gelobt wurde hauptsächlich einer: der Trainer.

Die Floskel, dass die Mannschaft hinter ihrem Übungsleiter steht, kommt ja in der Fußballberichterstattung öfter vor, aber so offensiv, wie sich die Spieler nach diesem Gefühlschaos für ihren Trainer aussprachen, das erlebt man doch selten. "Riesenkompliment an die Arbeit von Torsten Fröhling", sagte etwa Adlung. "Er hat uns immer positive Gedanken mitgegeben. Was er und sein Team auf die Beine gestellt haben, das hat sehr großen Anteil an diesem Erfolg."

Das zweite Spiel beginnt nach der 70. Minute

1860-Trainer Fröhling wechselt 20 Minuten vor Schluss - dann fällt das 1:1. Dann ist Lärm im Stadion, der die Löwen bis zum Klassenerhalt trägt. Sieger und Verlierer ringen um Fassung. Aus dem Stadion von Martin Schneider mehr ... Report

Kapitän Christopher Schindler wurde noch deutlicher: "Ich kann für die Spieler sprechen. Ich habe von Anfang an gesagt - und ich habe das erste Spiel unter ihm nicht gespielt -, das ist ein super Trainer für uns." Obwohl ihn die Pressesprecherin schon zu den Fernsehkameras geleiten wollte, sprach Schindler einfach weiter, als wollte er das unbedingt loswerden. "Er hat immer die richtigen Worte gefunden. Uns gegenüber hat er immer klar angesprochen, was Sache ist. Nach außen, gut da hat er natürlich auch die Aufgabe, den Verein zu schützen", erklärte Schindler ohne klar zu sagen, was er damit meinte. "Er ist ein super, super Trainer", meinte Schindler noch, da wurde es beinahe guardiolesk, "ich hoffe, dass er bleibt."

Tatsächlich läuft Fröhlings Vertrag am Saisonende aus - und das ist nun mit dem Klassenerhalt erreicht. Er hatte die Mannschaft im Februar von Markus van Ahlen übernommen, seine Mission hat er erfüllt. Wenn auch durch ein Tor in der 91. Minute. Ein Tor, das im Stadion für solchen Lärm sorgte, wie es bei den Löwen seit Jahren nicht mehr der Fall gewesen war. "Er konnte natürlich nicht den Fußball spielen, den er wollte", sagte Schindler über seinen Coach, während Löwenretter Bülow meinte: "Er hat die Mannschaft nach vorne gebracht. Wenn wir mit ihm eine Vorbereitung machen könnten, dann..." Diesen zukunftsweisenden Satz beendete der Verteidiger dann lieber nicht.