Trainer Stefan Effenberg:Einst die Mittelfinger-Geste etabliert

"Stefan Effenberg kann ein großer Trainer werden, weil er die nötige Führungsqualität hat", sagt Hitzfeld nun, "er kann andere begeistern und gut mit Druck umgehen." An Effenbergs Führungs- und Fußball-Kompetenz hat kaum je Zweifel bestanden, aber seine Konfrontationslust und sein Image dürften bei manchem Verein schwerer gewogen haben.

Effenberg hat einst die Mittelfinger-Geste etabliert, in einem Playboy-Interview pauschal Arbeitslose diskreditiert und sich jüngst auf der Heimfahrt vom Oktoberfest mit 1,4 Promille Alkohol im Blut erwischen lassen. "Bei mir können schon mal die Emotionen rauskommen", sagt Effenberg. Seine Ehefrau Claudia verriet jüngst, ihr Mann lese gerne Biografien über Serienmörder.

Was der Fußballexperte mit den großen Ansprüchen nun ausgerechnet beim abstiegsgefährdeten Zweitligisten SC Paderborn in Ostwestfalen-Lippe will, erklärt sich vorrangig aus der Reihe vergangener Trainer, die sich in Paderborn schon einen Namen machen konnten: 2005/06 reüssierte dort der spätere Gladbacher, Augsburger und Berliner Trainer Jos Luhukay, zwischen 2009 und 2011 coachte die Ostwestfalen der derzeit erfolgreiche Gladbacher Interimstrainer André Schubert, 2011/12 machte dort erstmals der heutige Leverkusener Trainer Roger Schmidt von sich reden; und zuletzt brachte der heutige Schalker Trainer André Breitenreiter die Paderborner zum ersten Mal für ein Jahr in die Bundesliga - wenn man auch gleich wieder abstieg. "Die eindrucksvollen Karrieren meiner Vorgänger zeigen, dass Paderborn für den Einstieg ins Trainermetier eine Top-Adresse ist", sagt Effenberg.

Vor allem scheint er sich gut mit dem allmächtigen Präsidenten Wilfried Finke zu verstehen. "Die Chemie passt", sagt der Möbelfabrikant, der neben dem Stadion sein Einrichtungshaus stehen hat. "Nach dem Bundesliga-Abstieg, dem Umbruch im Team und der Trennung von Trainer Gellhaus erscheint es uns jetzt sinnvoll, einen Coach mit Führungskompetenz und einer Karriere als hochklassiger Spieler zu verpflichten", sagt Finke. Die Zusammenarbeit sei eine "Win-win-Situation". Das Interesse an Wilfried Finkes SC Paderborn dürfte Stefan Effenberg jedenfalls auf ein bislang ungekanntes Ausmaß steigern können.

© SZ vom 14.10.2015
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