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Karriere von Stefan Effenberg:Tiger mit großer Klappe

Weder in Paderborn noch in Uerdingen hielt sich Stefan Effenberg nach seiner Fußballerkarriere lange. Im Leben des ehemaligen Bayern-Profis und Champions-League-Siegers sind schon einige ungewöhnliche Dinge vorgefallen.

Seine Karriere in Bildern

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Stefan Effenberg Mönchengladbach 1988

Quelle: Imago

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Stefan Effenberg, 47, ist als Typ bekannt, der provoziert, poltert und aneckt. Im Vergleich dazu begann seine Fußballkarriere geradezu unauffällig. Als Kind spielte der gebürtige Hamburger jahrelang beim Stadtteilklub SC Victoria, wurde schließlich U-21-Spieler. Mit 19 Jahren hatte er es dann geschafft: Borussia Mönchengladbach erkannte sein Talent und verpflichtete den Mittelfeldspieler (Foto von 1988). Effenberg absolvierte seine erste Bundesliga-Partie, er dirigierte schon bald die Mitspieler und wurde zum Stammspieler.

Stefan Effenberg

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Er wagte den nächsten Schritt, ging 1990 zum FC Bayern. Hier arbeitete er an seiner Marke: Als "Egoist und Mannschaftsdiener zugleich" beschrieb ihn die FAZ damals. Effenberg war bekannt für seine Exzentrik und markigen Worte, aber auch für seine Spielübersicht, seinen Einsatz und seine präzisen Pässe.

Stefan Effenberg

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Deswegen lockte ihn 1992 der AC Florenz nach Italien. Effenberg spielte mit bekannten Spielern wie Brian Laudrup und Gabriel Batistuta, doch das Team stieg überraschend ab. Schon zwei Jahre später war Effenberg zurück in Gladbach.

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Quelle: SZ

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Effenberg entwickelte sich auf dem Platz immer mehr zum Leader, doch auch abseits fiel er auf. Der "Tiger" trug außergewöhnliche Frisuren, machte provokante Aussagen über Arbeitslose ("Ich würde die Stütze auf ein Minimum herabsetzen") und manchmal auch amüsante Sprüche: "Weil ich bin einer, der lässt sich das nicht gefallen, Freunde der Sonne!"

Fussball: Stefan Effenberg

Quelle: Bongarts

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Sein erstes Spiel für die Nationalelf absolvierte Effenberg 1991, weltberühmt wurde er dann 1994. Bei der WM in den USA fühlte sich der Profi von den Zuschauern provoziert und zeigte den Mittelfinger. Der DFB hatte die "Stinkefinger-Affäre" am Hals. Bundestrainer Berti Vogts schickte den Ungezogenen nach Hause und wetterte: "Solange ich für die Nationalmannschaft verantwortlich bin, wird Stefan Effenberg nicht mehr für Deutschland spielen." 1998 holte er Effenberg dann doch zurück in die DFB-Elf.

CHAMPIONS LEAGUE BAYERN MÜNCHEN - MANCHESTER UNITED

Quelle: dpa

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Ebenfalls 1998 versuchte Effenberg es noch einmal in München. Es sollte die erfolgreichste Zeit seiner Karriere folgen. Er war nun der im Team geachtete und vom Gegner gefürchtete Führungsspieler. Das Champions-League-Finale 1999 ging allerdings in der Nachspielzeit dramatisch gegen Manchester United verloren. Effenberg verursachte dabei die Ecke, die zum Ausgleich führte. Nach der Partie nahm sich Effenberg vor: "Diesen Pokal hol ich mir noch!"

BAYERN MUNICH'S EFFENBERG LIFTS THE EUROPEAN CUP IN MILAN

Quelle: Kai Pfaffenbach/Reuters

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1999, 2000 und 2001 gewann Effenberg mit dem FC Bayern die Meisterschaft - und 2001 holte er endlich auch den Champions-League-Pokal: Effenberg glich in der Partie gegen Valencia in der 55. Minute per Strafstoß aus. Auch im Elfmeterschießen traf der Kapitän. Er durfte als erster die Trophäe in den Himmel von Mailand recken. Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld rühmte ihn als den "besten Mittelfeldspieler der Welt".

Ballack

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Effenberg hatte immer zugegeben, auch wegen des Geldes Fußball zu spielen. So wechselte er kurz vor dem Karriereende erst zum VfL Wolfsburg - und anschließend kassierte er beim Klub Al Arabi in Katar angeblich zwei Millionen Euro Jahresgehalt. In der Bundesliga blieb Effenberg auch nach seiner aktiven Zeit unvergessen: Mit 110 gelben Karten hält er eine Bestmarke.

EFFENBERG STELLT AUTOBIOGRAFIE VOR

Quelle: Miguel Villagran/dpa

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Als Effenberg mit seinem Fußballspiel nicht mehr so richtig auffallen konnte, konzentrierte er sich auf andere Karriere-Optionen. 2003 veröffentlichte er seine Biographie "Ich hab's allen gezeigt". Doch das Buch war trotz der angekündigten Enthüllungen ein Flop.

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Quelle: imago sportfotodienst

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Es wurde etwas ruhiger um den ehemaligen Fußballspieler. 2012 beendete er erfolgreich einen Trainer-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie, doch einen Verein, der ihn engagieren wollte, fand er danach nicht. Auch wenn er immer mal wieder gehandelt wurde, etwa bei Schalke 04.

Stefan Effenberg

Quelle: dpa

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Als TV-Experte war Effenberg anschließend beim Bezahlsender Sky präsent - und nervte manchen Zuschauer mit seinen immer gleichen Forderungen: Mannschaften bräuchten echte Führungsspieler, die sich aufreißen, die Verantwortung übernehmen, auch mal hinlangen, den Gegner einschüchtern. Seine Meinung: Jedem Team würden eigentlich elf Effenbergs gut tun, mindestens aber einer.

Oktoberfest 2011 - Prominenz im Käferzelt

Quelle: Felix Hörhager/dpa

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Auch auf den Titelseiten der Boulevard-Magazine war Effenberg immer mal wieder Gast - allerdings unfreiwillig. Mal mit wilden Knutschfotos von der Wiesn (die wir hier aus ästhetischen Gründen nicht zeigen wollen). Dieser unverfängliche Schnappschuss zeigt ihn gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Claudia, der früheren Frau von Thomas Strunz. Effenbergs erste Ehe mit Martina wurde 2003 geschieden.

2015 wurde Effenberg, wiederum nach einem Wiesn-Besuch, von der Polizei angehalten: Mit angeblich 1,4 Promille im Blut saß er am Steuer. Noch vor Ort musste er seinen Führerschein abgeben.

Stefan Effenberg

Quelle: dpa

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Dann wollte Effenberg endlich wieder auf dem Fußballplatz für Schlagzeilen sorgen. Der Zweitligist SC Paderborn bestätigte überraschend die Verpflichtung des 47-Jährigen. "Die Chemie passt", jubilierte Klubboss Wilfried Finke: "Stefan Effenberg ist ein erstklassiger Fußball-Experte und heiß auf seine Aufgabe beim SCP." Die Vorfreude währte aber nur wenige Monate: Sportlich lief es schlecht unter Effenberg. Und als herauskam, dass Effenberg über keine gültige Trainerlizent verfügt, musste der Verein handeln - und entließ Effenberg.

Pressekonferenz KFC Uerdingen

Quelle: dpa

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Effenberg blieb auch nach seiner Entlassung im erweiterten Feld des Fußballs aktiv, arbeitete als TV-Experte, war Teilhaber der Bremer Sportlerberatungsagentur Corado und Firmenkundenberater bei der thüringischen Volksbank Bad Salzungen Schmalkalden, die Kredite an Fußballklubs vergibt. Als der KFC Uerdingen im Oktober 2019 einen neuen Manager suchte, trat Effenberg dann wieder in die erste Reihe. Bei seiner Vorstellung sagte er über seinen neuen Arbeitgeber: "Der KFC Uerdingen ist kein Chaos-Klub." Mitte Mai 2020 beendete Effenberg sein Engagement auf eigenen Wunsch.

© SZ.de/sonn/ebc/dd

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