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Topnews:Hassliebe Südafrikas: "Blatter for President"

Kapstadt (dpa) - Die Südafrikaner sind der FIFA und ihrem Präsidenten Joseph Blatter dankbar. Präsident Jacob Zuma betont, dass die Fußball-WM für Südafrika "die einzigartige Chance ist, der Welt unser Potenzial zu zeigen".

Blatter, von den Südafrikanern oft als "Held" gefeiert, meint selbst ohne falsche Bescheidenheit: "Die WM in Südafrika ist meine WM". Aber in die Freude der Südafrikaner über die WM mischt sich gut zwei Wochen vor dem Anpfiff zunehmend Groll und Missmut. Denn der Weltverband lässt keinen Zweifel daran, wer Herr im Haus ist. Gastgeber Südafrika hat, geht es um Geschäfte und Geld, nicht allzu viel zu melden.

Zornig sind kleine Straßenhändler und Budenbesitzer in den WM-Städten wie auch große Unternehmen und Medien. Die FIFA reglementiert alle Geschäfte rund um Stadien und Fanmeilen, die Werbung mit der WM und gar den Umgang der Medien mit der FIFA. Denn wer etwas schreibt, was "die FIFA in Misskredit" bringt, kann von der WM ausgeschlossen werden. "Was macht die FIFA mit unserer Verfassung?", klagte der Publizist Tony Weaver. Südafrikas Gewerkschaften sind erbost, dass viele WM-Souvenirs aus China importiert würden. Die FIFA betonte, auch 38 südafrikanische Manufakturen würden WM-Artikel herstellen.

"Lasst uns doch Südafrika umbenennen in 'Fifania', höhnten die Satiriker der Website hayibo.com. "Blatter for President", spottete die angesehene Wirtschaftszeitung "Business Day". Sie klagte über das "Horror"-Reglement der FIFA, dem Südafrikas Regierung in ihrer WM- Beflissenheit zugestimmt habe. "Sepp Blatters Zirkus: Der große FIFA- Abzocke" titelte die Zeitschrift "Noseweek".

"Je mehr wir hören, wie die FIFA versucht, bei der WM fast jeden Aspekt unseres Lebens zu kontrollieren, umso klarer wird, dass wir unser Geburtsrecht an Blatter verschleudert haben", kommentierte die "Cape Times". Viele Südafrikaner fühlen sich vom strengen FIFA- Reglement schikaniert und ausgenutzt. "Die größte Fußballshow mag zwar in Afrika stattfinden, aber es ist die Show der FIFA", schrieb der "Weekend Argus". Südafrikas WM-Cheforganisator Danny Jordaan beschwichtigte seine Landsleute: Das Turnier sei eine FIFA-Veranstaltung, mit der Bewerbung müsse man die Regeln akzeptieren.

Doch selbst Politiker haben - verhalten - begonnen, am Weltverband rumzumäkeln. Polizeichef Bheki Cele erzählte, FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke habe "den Tränen nah" über Sicherheitsprobleme geklagt, dass noch im Januar manche hätten Südafrika die WM wieder wegnehmen wollen. "Wir waren schon verärgert, dass sie uns wie Schuljungen zum Direktor gerufen haben", berichtete Cele - Valcke dementierte heftig.

Für die FIFA wird die WM in Südafrika ein gutes Geschäft: Allein für die Vermarktungsrechte, Fernsehlizenzen und Sponsoring bekommt sie 2,5 Milliarden Euro. Das sind etwa 300 Millionen Euro mehr als 2006 bei der WM in Deutschland. Die FIFA weiß sehr wohl um ihr wachsendes Imageproblem: Viele verstünden nicht, dass die FIFA mit den WM-Erlösen ihre gesamten Aktivitäten finanzieren müsse, sagte Valcke. "Wir müssen die WM schützen, auch wenn manche glauben, wir seien Schikanierer oder hätten ein Polizeisystem", so Valcke.

Die FIFA steht wegen ihrer eisernen Regeln am Pranger: Im weiträumigen Bereich der Stadien darf niemand ohne die - hoch bezahlte - Zustimmung des Verbands Geschäfte machen, werben und auftreten. Das gilt auch für die Fanparks im Umkreis der Großleinwände auf denen die WM-Spiel übertragen werden. Betroffen sind die Verkäufer von Bratwürste oder Vuvuzela-Tröten, Fahnen oder Obst, Getränken oder selbst gebastelten Souvenirs.

Um die Sponsoren zu schützen, sind alle Symbole, Embleme, ja selbst die Zahl des WM-Jahres "2010" urheberrechtlich geschützt. Mehr als 50 000 Fällen von Missbrauch mit dem WM-Emblemen geht die FIFA südafrikanischen Medien zufolge nach - in Deutschland 2006 waren es nicht mal 4000. Namhafte Juristen wie Professor Tim Burrell bezweifeln, dass der strenge Markenschutz mit der Verfassung Südafrikas vereinbar ist.

Wie mächtig die Drohung der reichen FIFA mit rechtlichen Mitteln ist, zeigt der kleinlaute Rückzug von Südafrikans Billigflug-Linie Kulala: Sie hatte mit dem witzigen Marketingspruch geworben "Wir sind der inoffizielle nationale Beförderer der Sie-wissen-schon-wer". Die FIFA verstand da keinen Spaß - schon die Drohung mit Juristen genügte: Kulala gab auf. "Finanziell gewinnt nur einer hier: die FIFA", schrieb empört der Schriftsteller Byran Rostron.

Die FIFA wehrt sich gegen Kritik an ihrer Veranstaltung: "Es ist einfach nicht wahr, dass wir während der WM Südafrika übernehmen, wir nehmen nur einen Teil unter Kontrolle". Dieser "Teil" erscheint vielen Südafrikanern als etwas zu groß.