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Rassismus-Debatte bei Schalke 04:Es wird eng für Tönnies

Schalke-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies

Schalke 04: Wie gehts weiter mit Klubboss Clemens Tönnies?

(Foto: dpa)
  • Schalke-Boss Clemens Tönnies drohen nach seinen rassistischen Aussagen aus der Vorwoche Konsequenzen.
  • Der Schalker Ehrenrat könnte ihn seines Amtes entheben.
  • Die Reaktionen aus Sport und Politik fallen deutlich aus.

Der Dienstag dieser Woche könnte beim FC Schalke 04 ein historischer Tag werden. Denn nach den rassistischen Aussagen des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies steht beim Klub aus dem Ruhrgebiet eine wegweisende Entscheidung an. Es geht um eine Zukunft mit oder ohne Tönnies, um ein klares Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit und um das Bewahren der festgeschriebenen Werte des Klubs. Schalke als Schmelztiegel der Kulturen im Pott - das ist das Selbstverständnis des Traditionsvereins.

Doch Schalke stellt gerade fest, dass es gar nicht so einfach ist, mit einem Vereinsboss umzugehen, der dieses Selbstverständnis aufs Fatalste in Frage gestellt hat. Vielleicht hat sich Tönnies gar einen unverzeihlichen Fehltritt geleistet - denn auch seine Entschuldigung hat im aufgeregten Gelsenkirchener Umfeld längst nicht alle befriedet. So könnte der Ehrenrat nun ein weitreichendes Urteil sprechen. Er ist in der Lage, Tönnies zum Rücktritt zu zwingen, wenn es dafür eine Mehrheit gäbe.

Bundesliga Das Verhalten von Tönnies ist irritierend
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Das Verhalten von Tönnies ist irritierend

Der Ehrenrat richtet am Dienstag über die Zukunft des S04-Bosses. Sollte der Aufsichts­ratschef nicht selbst zurücktreten, bedarf es nach seinen rassistischen Äußerungen einer wirklich guten Erklärung.   Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Der 63-jährige Tönnies habe unverzüglich zugesagt, der Einladung des in diesem Fall maßgeblichen Vereinsgremiums Rede und Antwort zu stehen, sagte Anja Kleine-Wilde, Leiterin der Schalker Unternehmenskommunikation, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Man wird das nicht tagelang aufschieben. Clemens Tönnies war sofort bereit, zu kommen und sich vor dem Ehrenrat zu erklären." Tönnies will also um seine Position kämpfen, sein Amt mag für ihn kein Lebenswerk sein, wie es der Vereinsvorsitz etwa bei Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist - aber auch Tönnies ist ja schon lange dabei. Im Aufsichtsrat sitzt er bei Schalke seit 1994, seit 2001 sogar als Vorsitzender.

Der Fleisch-Unternehmer aus Rheda-Wiedenbrück hatte in der Vorwoche beim Tag des Handwerks in Paderborn als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. "Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren", sagte Tönnies. Die Empörung ist groß, auch im eigenen Verein. Für die Äußerungen hatte er sich später entschuldigt, doch etlichen Vertretern aus Politik und Sport reicht das nicht.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht etwa spricht von "dumpfem Rassismus". Man müsse sich "ganz klar machen: Wir lassen uns nicht spalten. Rassismus muss man überall laut und deutlich widersprechen: in sozialen Netzwerken, im Verein, im Job und auf dem Fußballplatz", sagte die SPD-Politikerin der Funke Mediengruppe. Ihre Forderung nach einem Eingreifen des DFB realisierte sich noch am Sonntag. Der Vorsitzende der Ethikkommission des Verbandes, Nikolaus Schneider, bestätigte, dass die Aussagen bei der nächsten Sitzung am 15. August Thema sein werden. "Die öffentliche Wirkung ist schlimm", sagte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland.