bedeckt München 21°
vgwortpixel

Timo Hildebrand im Interview:"Heute weiß ich's besser"

Er galt einmal als einer der besten deutschen Torhüter: Timo Hildebrand über seinen Karriereknick, den Abschied aus Hoffenheim und die schwierige Vereinssuche.

SZ: Herr Hildebrand, die Verantwortlichen der TSG Hoffenheim haben gerade verkündet, dass sie sich im Sommer von Ihnen trennen. Hat Sie das überrascht?

Timo Hildebrand: "Ich hätte gerne in Hoffenheim weitergespielt."

(Foto: Foto: dpa)

Hildebrand: Nicht wirklich. Ich habe in den letzten Wochen natürlich gemerkt, dass vom Verein kein Zeichen kommt.

SZ: Zuletzt wurde ja die Klausel öffentlich, wonach sich Ihr Vertrag bei einer Anzahl von 40 Spielen verlängert...

Hildebrand: ... ja, und gerade bei einem Spieler mit so einer Klausel wartet man nicht bis kurz vor Saisonende, wenn man wirklich mit ihm plant. Von daher habe ich schon geahnt, dass es so kommt. Und als Jan Schindelmeiser (der Manager, d. Red.) vor zwei Wochen öffentlich sagte, man könne über einen Wechsel reden, da war endgültig alles klar.

SZ: Wären Sie gerne geblieben?

Hildebrand: Ich hätte gerne hier weitergespielt, ja.

SZ: Scheiden Sie jetzt im Groll?

Hildebrand: Nein, ich bin Ralf Rangnick dankbar, dass er mich in die Bundesliga zurückgeholt hat. Hoffenheim war Erster damals, alles lief bestens, und ich war sehr angetan von dieser Aufgabe.

SZ: Wann haben Sie gemerkt: Hoffenheim und Hildebrand, das passt nicht?

Hildebrand: Ich habe mich hier eigentlich wohl gefühlt. Man hat hier alle Möglichkeiten, die Voraussetzungen sind großartig, aber in diesem Jahr war die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit leider sehr groß. Und ich verstehe meine Rolle als erfahrener Spieler so, dass ich in so einem Fall eingreife.

SZ: In Hoffenheim kam es nicht so gut an, dass Sie öffentlich über die Probleme im Klub gesprochen haben.

Hildebrand: Ich habe mich vielleicht zwei, dreimal öffentlich geäußert. Ich finde, es gehört zu meiner Verantwortung, Stellung zu beziehen. Ich habe den Anspruch, jeden Tag das Bestmögliche zu leisten - wenn ich das Gefühl habe, dass nicht alle in der Mannschaft diesen Anspruch haben, dann muss ich was sagen.

SZ: Dieses Gefühl hatten Sie?

Hildebrand: Man muss mehr investieren, wenn man Erfolg haben will. Das ist meine feste Überzeugung. Man kann nicht sagen: Ich hab hier ein Super-Trainingsgelände, ich bin bestens versorgt, ich leg jetzt ein bisschen die Beine hoch.

SZ: Im wahrsten Sinne des Wortes: Vor kurzem haben ein paar Spieler das Nachmittagstraining verschlafen.

Hildebrand: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man Spielern nicht zu viel Eigenverantwortung geben darf, das wird unbewusst ausgenutzt. Ich finde es hervorragend von unserem Trainer, dass er das Gespräch sucht, dass er Dinge diskutiert und nicht einfach durchdrückt. Trotzdem muss man Spielern eine klare Linie an die Hand geben.

SZ: Zuletzt wurde spekuliert, Sie hätten sich eine taktische Rückenverletzung genommen, damit Sie nicht die 40-Spiele-Grenze erreichen und ablösefrei sind.

Hildebrand: So etwas wird einfach behauptet, und ich kann mich nicht wehren. Ich habe mir im Training den Rücken verdreht, ich stelle mich doch nicht verletzt ins Tor, nur um meinen Vertrag zu erfüllen. Und zuletzt hatte ich einen klar diagnostizierten Muskelfaserriss.

SZ: In einer Nachrichtenagentur tauchte kürzlich der Satz auf: "Hildebrand fiel zuletzt mehr durch Kritik als durch Leistung auf." Wie gehen Sie mit sowas um?

Hildebrand: Es ist traurig, wenn das so wirkt. In Hoffenheim sprechen eben einige Spieler kein Deutsch, deshalb werden oft die gleichen Spieler befragt, und da war ich dann automatisch sehr präsent. Ich habe das zuletzt extra zurückgefahren. Aber es kann sein, dass dadurch ein falscher Eindruck entstanden ist. Nach dem Motto: Der Hildebrand, der motzt immer. Dieses Bild ist völlig falsch.

Zur SZ-Startseite