Basketball in der NBA:Klay Thompson besiegt die Seuche

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Basketball in der NBA: Klay Thompson kam zurück und traf - per Korbleger, per Dunking und natürlich auch von der Dreierlinie.

Klay Thompson kam zurück und traf - per Korbleger, per Dunking und natürlich auch von der Dreierlinie.

(Foto: John Hefti/AP)

941 Tage ohne Spiel, ein halbes Sportlerleben im Krankenstand und dann so ein Comeback: Klay Thompson, der beste Dreierschütze der Welt, kehrt bei den Golden State Warriors triumphal zurück.

Von Jonas Beckenkamp

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten, und diese hier zählt gewiss zu den besten überhaupt: Klay Thompson spielt wieder Basketball, er ist tatsächlich zurück, und wer ihm in der vergangenen Nacht beim NBA-Spiel seiner Golden State Warriors gegen Cleveland zuschaute, erlebte einen dieser großen Momente des Sports. Mitte des zweiten Viertels wackelte Thompson seinen Gegenspieler aus, er zog an ihm vorbei. Mit Riesenschritten, kraftvoll, energisch und dann rums! Ein Dunking über "ganz Cleveland hinweg", wie der Kommentator im US-Fernsehen in sein Mikrofon brüllte.

In der Halle in San Francisco purzelten vor lauter Ekstase die Fans übereinander, denn so etwas hatte es seit exakt 941 Tagen nicht mehr gegeben. Zweieinhalb Jahre hatte Thompson, 31, keine Partie mehr bestritten, eine Ewigkeit für den dreimaligen NBA-Champion, ein halbes Basketballerleben im Krankenstand. Erst ein Kreuzbandriss im linken Knie im Sommer 2019, dann ein Achillessehnenriss während der Reha im Herbst 2020 - die Geschichte des berühmtesten Patienten im US-Basketball schien Richtung Karriereende zu kippen.

Doch Thompson, der Mann mit dem nahezu perfekten Sprungwurf, hat es geschafft, die Seuche zu besiegen: Bei seiner Rückkehr erzielte er 17 Punkte - und das in nur 20 Minuten Spielzeit. "Ich war anfangs etwas nervös, ich hatte vier, fünf Würfe, die ich auch hätte treffen können", erzählte Thompson nach dem 96:82 der Warriors, "das war ein unvergesslicher Abend." Es passte einfach vieles zusammen, fast schon kitschig ging es zu, als Thompson direkt seinen Platz in der Startformation zurückbekam.

Sein Trainer Steve Kerr brachte damit die sogenannten Splash Brothers wieder zusammen: Thompson und sein Partner Steph Curry (der auf 28 Punkte kam), diese Scharfschützen-Combo kann eigentlich kein Verteidiger auf der Welt stoppen. Schon der erste Korb ging direkt auf Thompsons Konto - er wollte so dringend beweisen, dass er es noch draufhat. Sich selbst, seinen Mitspielern, der ganzen Liga. "Er hat sich nicht gerade zurückgehalten, oder?", fragte Kerr rhetorisch in die Presserunde nach der Partie. "Dabei war unser erster Spielzug eigentlich gar nicht für ihn gedacht."

Thompsons Leidenszeit bestand vor allem darin, dass er neben seinem Körper auch seinen Geist instand halten musste. Er besorgte sich ein Boot, auf dem er viel Zeit in der Bucht vor San Francisco verbrachte. Er, sein Hund und das kalifornische Meer - so fand Thompson Frieden, wenn ihm der Glaube zu schwinden drohte. Er lernte Gleichmut, nahm die Plackerei an, Tag für Tag abseits seiner Kollegen und allein für sich zu arbeiten. Vertrauen zurückgewinnen in seine Beine, die über weite Strecken eingegipst waren.

Die Rückkehr fühlt sich für Thompson an wie eine Meisterschaft

An seinem Wurf habe er nie gezweifelt, hatte er kürzlich noch preisgegeben, als seine Rückkehr näher rückte. Thompson wirft so sicher wie kaum ein anderer, in seiner Karriere flutschten stets über 40 Prozent seiner Dreier durch die Reuse. Normalsterbliche NBA-Profis kommen gerade so aus dem Zweierbereich auf diese Quote. Thompson dagegen hält bis heute einen Rekord: Seine 14 Dreier in einem Spiel im Jahr 2018 sind unübertroffen.

Und wie es zu sein scheint, hat er während seiner Verletzungspause das Werfen nicht verlernt. "Auch wenn es heute nicht immer rundlief (er traf drei von acht Dreiern, d. Red.), bin ich einfach froh, dass mein Name wieder auf dem Statistikbogen steht", sagte Thompson. "Es war so eine lange Zeit, dass sich die Rückkehr fast wie eine Meisterschaft anfühlt." Den Vergleich kann er wohl selbst bald noch einmal nachempfinden: Mit ihm zurück im Team können sich die Warriors auf dem Weg ins NBA-Finale im Grunde nur selbst schlagen.

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