Rekord in der NBA Die Zauberhände des Klay Thompson

Klay Thompson traf alles - und vielleicht hätte er gegen die Lakers auch vom Strand in Malibu getroffen.

(Foto: Harry How/AFP)
  • Basketballer Klay Thompson trifft gegen die LA Lakers zehn Dreipunktewürfe hintereinander.
  • Bei den Golden State Warriors profitiert er von einem System, das guten Werfern wie ihm Freiräume schafft.
Von Jonas Beckenkamp

Es waren auch Deutsche unter den Zeitzeugen, sie befanden sich sogar sehr nah dran an dem ganzen Irrsinn, den ein Mann namens Klay Alexander Thompson da fabrizierte. Moritz Wagner, 21, und Isaac Bonga, 19, entdecken gerade bei den LA Lakers den Basketball in der NBA und sie durften in der vergangenen Nacht miterleben, was sonst nur auf der Playstation möglich erscheint: ein Basketballer, der alles versenkt, eine Wurfmaschine, ein Scharfschütze, dessen Zauberhände wohl auch Hinkelsteine im Korb untergebracht hätten. Thompson brauchte beim 130:111 seiner Golden State Warriors nur 27 Minuten, um sagenhafte 44 Punkte zu erzielen.

Und es hätten noch viel mehr sein können, wenn ihn sein Trainer Steve Kerr nicht irgendwann zum Abkühlen auf die Bank beordert hätte. Kurz zuvor landete dann doch einer seiner Dreier auf dem Ring, es war Thompsons elfter bei bis dahin zehn Treffern in Serie.

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Zehn Dreipunktewürfe eines Profis in einem Spiel, das hat es in der Highlightwelt der NBA schon öfter gegeben. Thompson selbst hatte diese Saison im Oktober gegen Chicago bereits 14 Treffer geschafft, ein Rekord, der in die Zeit passt: In der NBA ist der Dreier schwer in Mode, ligaweit häufen sich die Treffer und damit die Punkteausbeuten der Teams. Aber zehn hintereinander? Damit egalisierte der 28-jährige Kalifornier nun eine Rekordmarke, die vor ihm nur der kleine Spielmacher Ty Lawson im Jahr 2011 geschafft hatte. Wagner (fünf Punkte) und Bonga (zwei), die beiden Nachwuchsleute auf Seiten der Lakers, durften am Ende auch noch mitspielen, aber da war die Show bereits gelaufen.

Thompson konnte sich seine Traumquote selbst nicht erklären. "Es war einfach einer dieser Abende, an denen alles reingeht", meinte er. "So eine gute Trefferquote hatte ich noch nie." In der Tat sind 91 Prozent von der Dreierlinie ein echter Fabelwert, wenn man bedenkt, dass die meisten NBA-Teams als Mannschaft kaum mehr als 35 Prozent treffen. Thompson dagegen traf aus neun Metern Entfernung, er traf mit zwei, drei Gegnern direkt vor seiner Nase, er traf im Zurückfallen und er traf von allen Seiten. Sein puristisches Spiel lebt von solchen Serien, sogenannten "Streaks", in denen er meist nichts anderes tut, als den Ball zu fangen und sofort abzufeuern.

Thompson profitiert vom speziellen System

"Man muss den Hut vor ihm ziehen", räumte auch Lakers-Spieler Kyle Kuzma ein, "wenn einer so heiß läuft, ist halt jeder Wurf drin." Dabei hätten er und sein Team durchaus versucht, Thompson eng zu verteidigen. "Viele seiner Würfe waren alles andere als offen. Er hat sie trotzdem gemacht, das verdient Anerkennung." Obwohl auch ein Spezialist wie Thompson nicht vor Durchhängern (wie zu Beginn dieser Spielzeit) gefeit ist, gilt er aktuell neben Kollege Steph Curry als bester Dreierschütze der Welt. Die "Splash Brothers" profitieren bei ihren Kanonaden aber auch vom Wusel-System der Warriors. Kein anderes NBA-Team beschäftigt den Gegner so sehr mit Blocks und Spielzügen abseits des Balles, um Werfer frei zu bekommen.

Neben Curry und Thompson haben auch Kevin Durant sowie der nach einer langen Verletzung zurückgekehrte DeMarcus Cousins feinfühlige Hände. Hinzu kommt, dass ihr Trainer Steve Kerr früher selbst zu den besten Distanzschützen der NBA zählte, als er mit Michael Jordan bei den Chicago Bulls reihenweise Meisterschaften feierte. Kerr verbrachte ganze Spielzeiten, in denen er über 50 Prozent seiner Dreier einnetzte.

Mit seinen Ideen, aber auch seiner Bereitschaft, den Spielern Freiräume zu geben, zelebriert das Team aus San Francisco einen Basketball, den in dieser Form kein Gegner der Welt bremsen kann. Nach zuletzt acht Siegen hintereinander ist Golden State wieder das, was es in der Liga auch in den vergangenen Jahren war: Eine Mannschaft, die man gesehen haben muss. Die Deutschen Moritz Wagner und Isaac Bonga können sich also trotz der Pleite ihres Klubs glücklich schätzen.

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