Thomas Müller:Warum Kovac nur die Wahl der Qual hat

Die historische Wucht dieser Debatte wird Kovac zusetzen, so viel steht fest. Gefährlich für den Betriebsfrieden könnte die Debatte ja auch deshalb werden, weil alle irgendwie ein bisschen Recht haben und auf diesem bisschen Recht möglicherweise bestehen werden. Tatsächlich darf Thomas Müller die Moderation des Trainers missfallen, der Müller demonstrativ keinen Gefallen tut und ihm nach dem 7:2 bei Tottenham einen rotationsbedingten Startplatz gegen Hoffenheim verwehrt. Und dass der Not-am-Mann-Satz eine imposante Ungeschicklichkeit war, hat Kovac inzwischen eingesehen; er hat sich von den Kameras locken und zu einer Aussage verleiten lassen, obwohl er doch beschlossen hatte, nur noch etwas über Spieler zu sagen, die von Beginn an spielen.

Andererseits darf Kovac für sich reklamieren, dass er in einer Leistungsgesellschaft tätig ist, für die Müller längst nicht mehr unersetzlich ist. Und Kovac weiß auch, dass er im Grunde nur die Wahl der Qual hat: Lässt er Müller draußen, wirft man ihm einen Verstoß gegen das Vereinsstatut ("Mia san mia") vor, weil er sich am letzten Folklore-Spieler versündigt; gibt er Müller seine Position zurück und setzt den Brasilianer Coutinho auf die Bank, heißt es: Da schau her, das ist wie mit dem James, mit Künstlern kann der Kovac nix anfangen! Jetzt hat der Rummenigge uns endlich wieder einen Weltstar besorgt, und dann kommt dieser Defensivtrainer daher und vernichtet das Kapital!

Müller weiß, welchen Stellenwert er für die Emotionen dieses Vereins besitzt

Thomas Müller ist zu mächtig und zu anspruchsvoll, um sich wie einst Lukas Podolski beim DFB mit der Rolle eines Li-La-Laune-Bärs zu begnügen, der ab und zu mal mitkicken darf. Müller weiß, welche Bedeutung er für die Emotionen dieses Vereins besitzt, und er registriert genau, dass die Bosse dem Trainer öffentlich nicht zur Seite springen. Einem Wintertransfer wird der Verein kaum zustimmen, die Bosse werden erst mal abwarten - wie Müller spielt, wie Coutinho spielt, wie sich dieser Trainer entwickelt.

Der Klubchef Rummenigge weiß aber, dass das Leben weitergeht, selbst wenn Helden gehen. Als Gerd Müller am 3. Februar 1979 ausgewechselt wurde, schossen die Bayern nur drei Minuten später ein Tor. Der Torschütze: Karl-Heinz Rummenigge.

Hinweis: In einer ersten Version des Artikel hieß es, Gerd Müller hätte gegen Frankfurt am 3. Februar 1979 sein letztes Spiel für den FC Bayern gemacht. Tatsächlich war sein letztes Spiel ein Heimspiel gegen Borussia Dortmund am 10. Februar.

© SZ vom 12.10.2019/sonn
Zur SZ-Startseite
FC Bayern: Thomas Müller beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach

MeinungThomas Müller beim FC Bayern
:Ein Satz zu viel

Plant Thomas Müller den FC Bayern zu verlassen? Trainer Niko Kovac hat sich ein handfestes Problem ins Haus geholt. Müller hat im Bayern-Kosmos eine ganz besondere Rolle inne.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB