Thomas Müller beim FC Bayern:Mal nimmer, mal immer

Er ist ein waschechter Ur-Bayer und Identifikationsfigur beim FC Bayern. Vor ein paar Monaten war für Thomas Müller nicht alles rosig in München. Nun aber verlängert er bis 2023. Stationen einer besonderen Beziehung.

Von Tim Brack und Lisa Sonnabend

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Bayern Muenchen v Sporting Lisbon - UEFA Champions League

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Thomas Müller war schon ein richtiger Bayern-Spieler, bevor er das erste Mal für die Profis gegen den Ball trat. Bereits in der D-Jugend lief er für die Münchner auf - dadurch durfte er sich mit dem beim FC Bayern recht sparsam geführten Prädikat "aus der eigenen Jugend" schmücken. Zuvor hatte Müller beim TSV Pähl in seinem oberbayerischen Heimatort gekickt. Zwar gilt der Niederländer Louis van Gaal als Müllers großer Förderer, dabei wird gerne vergessen, dass Jürgen Klinsmann dem FC Bayern nicht nur Buddhas gegeben hat, sondern auch das Debüt von Müller in der Bundesliga, als er am 15. August 2008 gegen den HSV in der 79. Minute für Miroslav Klose eingewechselt wurde. Bei seinem ersten Champions-League-Spiel - dem 7:1 gegen Sporting Lissabon - erzielte er gleich einen Treffer.

Champions League - Abschlusstraining FC Bayern München

Quelle: dpa

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Mit dem niederländischen Taktiker van Gaal verstand sich Müller mindestens sportlich blendend. In der zweijährigen Amtszeit des Niederländers beim FC Bayern, Müller war zu Beginn gerade 20 geworden, stellte van Gaal die bis heute zitierte Maxime auf: "Müller spielt immer." Damals durfte man noch ohne Umschweife anfügen "gut". Der junge Bayern-Profi häufte Tore und Vorlagen an, spielte sich in die Nationalmannschaft und wurde 2010 WM-Torschützenkönig. Zudem wurde er immer mehr zur Symbolfigur des FC Bayern: ein junger Bayer, der es beim Rekordmeister gepackt hat, das mochten auch die Fans.

Borussia Dortmund - Bayern München

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Ein hervorragendes Jahr für den FC Bayern ist meistens auch ein hervorragendes Jahr für Thomas Müller - und 2013 hatten die Münchner mit dem Gewinn des Triples ein solches. Unter Trainer Jupp Heynckes trug Müller zum Champions-League-Sieg acht Tore bei, davon drei im Halbfinale gegen Barcelona, und zwei Vorlagen. Aber selbst mit Heynckes an der Seitenlinie erlebte Müller weniger schöne Momente. In der Saison zuvor vertraute der Trainer im Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid anderen - Müller wurde zweimal nur eingewechselt. Der genialische Moderator Heynckes wusste aber um die Wichtigkeit Müllers - selbst wenn der Stürmer mal in der Kritik stand. "Einen Thomas Müller nicht zu berücksichtigen oder infrage zu stellen, schließe ich aus - solch einen Spielertyp gibt es in ganz Europa nicht", sagte Heynckes der Bild-Zeitung während seiner dritten Amtszeit bei den Bayern.

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Als danach Pep Guardiola den FC Bayern übernahm, büßte Müller etwas von seinem Nimbus ein. Für den Trainer war er nicht "top top top", er war nie ein Stammspieler für Guardiola wie Philipp Lahm oder Thiago. Der unberechenbare Instinktfußballer Müller passte nicht recht zum einstudierten Ballbesitz-Spiel des Trainers. In wichtigen Partien ließ der spanische Trainer Müller oft auf der Bank wie bei der Halbfinal-Klatsche in der Champions Legaue gegen Real Madrid 2014. Als im Sommer 2015 Manchester United Interesse an Müller zeigte und angeblich 120 Millionen Euro bot, lehnte der FC Bayern dies jedoch ab: "Es gibt Spieler, die haben kein Preis-Ticket. Dazu gehört Thomas Müller", sagte Klubboss Karl-Heinz Rummenigge damals. "Wir wären von allen guten Geistern verlassen, wenn wir ihn verkaufen würden."

FC Bayern Muenchen Audi Summer Tour - Day 3; Hummels

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Als nach Guardiola der Italiener Carlo Ancelotti den Trainerposten bei den Münchnern übernahm, freute sich Müller. "Er hat etwas mehr Nähe zu den Spielern", lobte er den neuen Coach. Doch schon bald verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den beiden. Müller hatte gegenüber Ancelottis Wunschspieler James meist das Nachsehen. Zu Beginn der Saison 2017/2018 maulte Müller öffentlich: "Ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will, aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt." Einen Monat später war Ancelotti entlassen. Für den Rest der Saison übernahm Jupp Heynckes, Müller spielte wieder häufiger - und in altbekannter Form.

Bayern Muenchen v 1. FC Heidenheim - DFB Cup

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Mit Heynckes-Nachfolger Niko Kovac hatte Müller dann schon bald wieder Probleme, er fühlte sich übergangen. Im vergangenen November schrieb seine Ehefrau Lisa auf Instagram in Richtung Kovac, als dieser Müller einwechselte: "Mehr als 70 Minuten bis der mal nen Geistesblitz hat." Ein Eklat. Der Verein verlangte eine Entschuldigung des Ehepaares. In dieser Saison musste Müller sich bislang meist hinter dem Zugang Philippe Coutinho einreihen. Er tat dies klaglos. Doch im Oktober degradierte Trainer Niko Kovac ihn offiziell zum Ersatzmann: "Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen", sagte der Trainer. Kurz danach erschien ein Bericht in der Sport Bild: Müller wolle im Winter wechseln. Im Kicker führte Müller dann aus: "Wenn das Trainerteam mich in Zukunft nur noch in der Rolle des Ersatzspielers sieht, muss ich mir meine Gedanken machen. Dafür bin ich einfach zu ehrgeizig."

Müller befürwortet Verlegung der Fußball-EM ins kommende Jahr

Quelle: Sven Hoppe/dpa

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Dazu kam es aber nicht. Hansi Flick übernahm den Trainerposten. Der FC Bayern gewann wieder - und Müller spielte wieder. Der 30-Jährige erzielte die meisten Torvorlagen in der Bundesliga, er prägt die Stimmung in der Kabine und auf dem Platz. Im April schließlich verlängert er seinen Vertrag bei den Münchnern doch - bis 2023. Genauso lange wie wenige Tage zuvor Trainer Flick.

© SZ.de/tbr/sonn
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