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Tennis:Wilhelm Bungert wird 80 - "Auferstehung des Tennis"

Haan (dpa) - An sein Wimbledon-Finale erinnert sich Wilhelm Bungert auch kurz vor seinem 80. Geburtstag ziemlich genau. Der deutsche Davis-Cup-Rekordspieler weiß noch, wie er 1967 bei seinem einschneidendsten Tennis-Erlebnis dem Australier John Newcombe früh den Aufschlag abnahm.

"Ich habe gedacht, ich kann gewinnen", sagte Bungert der Deutschen Presse-Agentur. "Dann habe ich nachgelassen. Ich habe zwei leichte Fehler gemacht. Ich wurde nervös." Auch fast 52 Jahre später hat er noch seinen Doppelfehler vor Augen und den Schmetterball, den er ins Netz schlug: "Einen Meter vorm Netz."

Als erster Deutscher nach dem Zweiten Weltkrieg war Bungert ins Endspiel des weltweit bedeutendsten Tennisturniers eingezogen. Er verlor dann aber glatt mit 3:6, 1:6, 1:6. Gern spricht der gebürtige Mannheimer über seine Zeit als Amateursportler, auch wenn es ihm in den vergangenen Wochen nicht so gut ging. Am Montag wird er auch deshalb seinen 80. Geburtstag im kleinen Familienkreis daheim im rheinischen Haan verbringen. Er erholt sich derzeit von einem Krankenhaus-Aufenthalt. "Es geht wieder bergauf", meinte er.

Bungert war fünf Jahre alt, als er begann, richtig Tennis zu spielen. Vorher habe er schon Bälle gegen die Garage geschlagen. Für das deutsche Davis-Cup-Team gewann Bungert zwischen 1958 und 1971 66 von 102 Partien. Mit Christian Kuhnke bestritt er 1970 das erste Davis-Cup-Endspiel mit deutscher Beteiligung, das in Cleveland mit 0:5 gegen die USA verloren ging.

Seine größten Erfolge feierte der einstige Weltranglisten-Vierte in Wimbledon. Vor seinem Finaleinzug 1967 war er zweimal im Halbfinale gewesen. "Das war die Auferstehung des deutschen Tennissports nach dem Krieg", sagte der frühere Davis-Cup-Spieler Hans-Jürgen Pohmann und würdigte Bungert als denjenigen in Deutschland, der die überrissenen Schläge - den Topspin - eingeführt habe.

300 DM bekam Bungert damals für seinen zweiten Platz. Die Entwicklung des Preisgelds findet er stark übertrieben. "Es ist meiner Meinung nach ausgeartet. Ich finde, das steht in keiner Relation mehr. Das ist Wahnsinn", kritisierte er. Jeweils rund 2,5 Millionen Euro erhielten Angelique Kerber und Novak Djokovic als Sieger 2018.

Das heutige Tennis findet Bungert nicht mehr so interessant. "Früher konnte man zuschauen und mitdenken. Heute gibt es nur eins, drauf, drauf, drauf", sagte der einstige Davis-Cup-Kapitän. Er schaut sich zwar lieber die Damen als die Herren an, ist aber von der deutschen Topspielerin Kerber nicht vollends überzeugt: "Es ist sagenhaft, was sie für eine Kraft hat. Es ist aber auch nicht so schön zuzugucken, weil es keine Abwechslung gibt. Sie läuft und läuft und läuft."

Auch mit beinahe 80 Jahren arbeitete Bungert zuletzt noch in seiner Tennis- und Golf-Ranch in Hilden und spricht von einem "Sieben-Tage-Job". Er selbst hat die Lust auf Tennis schon lange verloren und seit fünf Jahren gar nicht mehr gespielt. Selbst bei den Medenspielen der Senioren wurde ihm schnell zu viel geschummelt, monierte Bungert. "Das habe ich kurze Zeit mitgemacht und dann festgestellt, das ist nichts für mich."