bedeckt München 23°

Supercup:Die Null-Euro-Bayern

Niko Kovac

Trainer Niko Kovac vom FC Bayern München gibt auf dem Platz Anweisungen.

(Foto: dpa)
  • Vor dem Supercup, dem ersten Pflichtspiel der Saison, hat der FC Bayern immer noch keinen Cent für Transfers ausgegeben.
  • Trainer Niko Kovac hat aber auch so mehr taktische Möglichkeiten als Vorgänger Jupp Heynckes.
  • Nach den ersten Testspielen lässt sich erkennen, dass er die verschiedenen Varianten auch nutzen will.

Der FC Bayern war schon immer sehr viel besser darin, Geld zu haben als das Geld auszugeben. Das Vorurteil ist freilich ein anderes, das geht nämlich so, dass die Bayern die Liga kaputt kaufen. Das Vorurteil ist deswegen auch nicht ganz falsch, weil sie vor nicht allzu langer Zeit vom härtesten Konkurrenten (Borussia Dortmund) nacheinander die drei besten Spieler (Götze, Lewandowski, Hummels) geholt haben.

Aber global, oder zumindest europaweit betrachtet, gilt der alte Uli-Hoeneß-Satz, dass man in München höchstens die mittleren Wahnsinnspreise zahlt. Schaut man sich die vergangenen fünf Jahre an, haben jedenfalls kleine bis mittelgroße Premier-League-Klubs wie West Bromwich Albion, FC Watford, AFC Bournemouth oder Brighton and Hove Albion unterm Strich mehr Geld in Transfers gesteckt als der reichste Verein Deutschlands.

Ein spektakulärer Sommer-Transfer war immer drin

Man muss dem FC Bayern nun keine Sparschwein-Mentalität unterstellen, der Klub investiert sein Geld statt in Transfers in Gehälter. Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Javi Martinez und Thomas Müller haben alle ihre Verträge in jüngerer Vergangenheit verlängert und man darf wirklich davon ausgehen, dass dabei für die Spieler etwas abgefallen ist. Aber den ein oder anderen Profi, den haben sie beim FC Bayern schon noch gekauft. Im vergangenen Jahr kam Corentin Tolisso für mehr als 40 Millionen, davor kam Mats Hummels, davor kam Arturo Vidal. Ein mehr oder weniger spektakulärer Sommer-Einkauf war eigentlich immer drin.

Der kann natürlich noch kommen, bis zum 31. August sind Wechsel möglich und ein Transfer-Beben ist ein Phänomen wie ein Sommer-Gewitter (kann plötzlich auftreten und dann relativ heftig sein). Aber das erste Pflichtspiel - der Supercup gegen Eintracht Frankfurt - das steht nun ja schon am Sonntag an (20.30 Uhr, Liveticker auf SZ.de). Und bisher hat der FC Bayern exakt null Euro auf dem Transfermarkt ausgegeben. Leon Goretzka kam ablösefrei, Serge Gnabry war eh ausgeliehen, genau wie Renato Sanches. Gegangen ist dafür Artuo Vidal zum FC Barcelona. Nach offiziellen Aussagen von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sollen möglicherweise noch ein Mittelfeldspieler und Jérôme Boateng gehen.

Das mit dem Mittelfeldspieler findet laut Rummenigge auch Trainer Niko Kovac in Ordnung, im Zentrum des Spielfeldes stehen trotz des Vidal-Weggangs mit Thiago, Corentin Tolisso, Javi Martínez, Sebastian Rudy, James, Renato Sanches und Leon Goretzka sieben Spieler für zwei bis drei Positionen zur Verfügung. Damit hätte Kovac potenziell einen Unzufriedenen mehr als Heynckes, der das Problem vor allem am Ende der Saison dadurch löste, dass er Rudy und Tolisso auf die Bank setzte und das nach Jupp-Heynckes-Art moderierte.

Taktisch flexibler mit Kovac?

Kovac hat nun aber in seinen ersten Tagen als Bayern-Trainer zumindest angekündigt, auch taktisch flexibler agieren zu wollen, als es sein Vorgänger tat. Kovac plädiert ja auch deswegen für einen Verbleib von Boateng (oder betont, wie gut er es findet, dass sich Spieler wie Arjen Robben für einen Verbleib von Boateng aussprechen), weil er weiß, dass so eine Dreierkette aus Boateng, Hummels und Süle ganz schick wäre. Und dass bei einer Dreierkette die Außenverteidiger defensiv besser abgesichert sind und man dann einen Gnabry vielleicht - wie im Test gegen Manchester United - da aufstellen könnte. Und dann gegebenenfalls einen Joshua Kimmich für andere Aufgaben freibekäme.

So eine Flügelzange aus Robben und Gnabry hätte jedenfalls was, wenn sie sich denn nicht auf den Füßen stehen. Da während der USA-Reise auch Franck Ribéry mal auf der Zehner-Position spielte und dann wiederum auf links Platz für Kingsley Coman wäre. Heynckes war kein großer Freund solcher taktischen Radikal-Umstellungen, eine Dreierkette in der Abwehr schloss er zum Beispiel kategorisch aus. Er passte das System lieber in Nuancen an, aber das muss ja nicht heißen, dass solche Optionen für Kovac nicht denkbar wären.

In der Spielweise ließ der neue Trainer jedenfalls durchblicken, dass er vom ewigen Ballbesitz-Fußball gerne ein bisschen abrücken würde. Wobei da noch die Frage zu beantworten wäre, inwieweit die Gegner das zulassen. Wenn sich Hertha BSC in der Münchner Arena mit zehn Mann einigelt - dann kann man nicht kontern, auch wenn man es noch so gern möchte. Kovac hat mit Goretzka und Gnabry und einem wiedergenesenen Coman jedenfalls auch abseits der üblichen Rotation faktisch mehr Möglichkeiten für Varianten als sein Vorgänger. Und: Vor dem Supercup gegen Frankfurt sind eigentlich alle Spieler bis auf kleinere Blessuren mehr oder weniger verletzungsfrei. Auch das hat es beim FC Bayern schon lange nicht mehr gegeben.

Bundesliga Frankfurt moderiert den dritten Umbruch

Bundesliga

Frankfurt moderiert den dritten Umbruch

Neuer Trainer, neue Spieler: DFB-Pokalsieger Frankfurt tauscht im dritten Jahr in Serie das halbe Personal durch. Dass WM-Stürmer Ante Rebic bleibt, deutet Sportvorstand Fredi Bobic als Signal.   Von Johannes Aumüller