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Super League:Pérez denkt über Verkürzung der Spielzeit nach

Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid und designierter Super-League-Boss

Milliardenschwer: Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid und designierter Vorsitzender der Super League.

(Foto: Enrique de la Fuente/dpa)

Real-Präsident und Super-League-Anführer Florentino Pérez geriert sich im spanischen TV als Retter des Fußballs - und spricht darüber, dass 90 Minuten für ein Spiel künftig zu lang sein könnten.

Von Javier Cáceres

Die Gründer der umstrittenen Super League erwägen offenbar auch eine Abkehr von der grundsätzlich 90-minütigen Dauer eines Fußballspiels. "Die jungen Leute sagen: Die Spiele sind ihnen zu lang. Also müssen wir etwas ändern, wenn wir wollen, dass der Fußball weiterlebt", sagte Florentino Pérez, Präsident von Real Madrid, Gründer und Treiber der Super League, in der Nacht zum Dienstag in der Talksendung "Chiringuito" im spanischen Fernsehsender Mega.

Pérez gab zu bedenken, dass die Aufmerksamkeit der neuen Generationen von Playstations und Tablets geprägt sei. "Wenn die jungen Leute sagen, ein Spiel sei zu lang und nicht (in voller Länge) zu ertragen, liegt das entweder daran, dass das (betreffende) Spiel nicht genug Interesse weckt - oder gekürzt werden muss", sagte Pérez. Man müsse darüber nachdenken, "warum die 16- bis 24-Jährigen nicht mehr am Fußball interessiert sind".

Der Spielregel Nummer 7 des Weltverbandes Fifa zufolge besteht "ein Spiel aus zwei Hälften von je 45 Minuten Dauer" - immer vorausgesetzt, dass "zwischen den beiden Teams und dem Schiedsrichter nichts anderes vereinbart wurde". (Das Bonmot des früheren englischen Fußballprofis Gary Lineker, wonach am Ende immer die Deutschen gewinnen, ist eine bei der WM 1990 geborene Ergänzung, die ins Normengerüst der Fifa nicht aufgenommen wurde; Anm. d. Red.) Pérez spöttelte, dass die Fußballregeln "aus dem Jahr der Gründung Real Madrids" stammten, also von 1902. In Wahrheit stammen sie sogar aus dem 19. Jahrhundert. "Manchmal verstehen wir unsere Kinder und Enkel nicht", sagte Pérez. "Es gibt Spiele, die ich nicht ertrage, das sage ich ganz ehrlich", fügte er hinzu.

Die Super League soll möglichst "sofort" starten, sagt Pérez

Pérez ist der Anführer des Super-League-Projekts, dem sich zwölf Spitzenklubs aus bislang Spanien, England und Italien angeschlossen haben. Deutsche Klubs seien neben Paris Saint-Germain auch eingeladen worden, erklärte Pérez, ohne nähere Details zu nennen. Den Gründungsmitgliedern sind 3,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden. Bislang ist noch kein Startjahr ausgerufen worden. Der Wunsch sei es, mit der europäischen Fußballunion Uefa eine Übereinkunft zu erzielen "und sofort anzufangen", sagte Pérez. Nach einer solchen Einigung sieht es aber nicht aus.

Die Uefa, die nationalen Verbände und die gewichtigsten Ligen Europas haben sich dezidiert gegen die Super-League-Pläne ausgesprochen. "Vielleicht müssen wir auch noch ein Jahr warten", sagte Pérez. Die von der Uefa beschlossene Champions-League-Reform reicht Pérez nicht: "Die neue Champions League mit 36 statt 32 Klubs soll im Jahr 2024 starten", sagte er, "2024 aber werden alle diese Klubs tot sein." Madrid und der FC Barcelona kämpfen mit einem enormen Schuldenberg.

Dass er die Sendung "Chiringuito" wählte, um die Super League vorzustellen, ist angesichts der Milliardensummen, die im Gespräch sind, überraschend. Es kommt aber nicht ganz von ungefähr. "Chiringuito" ist eine in Spanien landläufige Bezeichnung für Strandbars. Die Sendung ist eine Art Presseclub im Trashtalk-Format, das gegen Mitternacht gesendet wird. Es ist in erster Linie eine "Debatten"-Sendung, in der Fußballjournalisten dominieren, die Real Madrid (und Pérez) wohlgesonnen sind.

Dort konnte Pérez weitgehend unwidersprochen ein paar Kardinalideen seiner Super League platzieren. Und sich selbst als Messias des Fußballs gerieren. Die Pandemie habe gigantische Löcher in die Kassen der Klubs gerissen, sie müssten nun gestopft werden. "Wenn gesagt wird: Das sind die Reichen, es geht um Reich gegen Arm - nein", sagte der Bauunternehmer Pérez, der laut Forbes ein Privatvermögen von mehr als zwei Milliarden Euro angehäuft hat. "Ich bin nicht der Eigentümer von Real Madrid, Real Madrid ist ein Mitgliederverein. Alles, was ich tue, ist zum Wohl des Fußballs. Jetzt machen wir dies, um den Fußball zu retten", sagte Pérez. Die neuen Gelder würden von den Super-League-Klubs in den Rest der Fußballwelt sickern. "Wir glauben an die Solidarität, das sagt Ihnen der Präsident eines Klubs, der von der Solidarität und Werten lebt", sagte Pérez.

© SZ/schm/tbr
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