Super Bowl:"Ich habe eine Lehrstunde bekommen"

Und es ist das Verdienst von Belichick, dass er das war. "Er hat eine perfekte Mischung gefunden, mit der wir nicht zurecht gekommen sind. Noch einmal: Ich habe eine Lehrstunde bekommen", sagte McVay über den doppelt so alten Belichick, dem freilich half, dass der Rams-Laufspieler Todd Gurley aufgrund einer offensichtlichen Verletzung nur bedingt einsatzfähig gewesen war und dessen Ersatzmann C.J. Anderson einen unterdurchschnittlichen Tag erwischt hatte.

Die Patriots-Offensive brachte ja lange Zeit selbst kaum brauchbare Spielzüge zustande. Es war eine Partie, bei der die jeweiligen Kontrahenten die Offensivstärke des Gegners derart respektierten, dass sie unbedingt herausragend verteidigen wollten in der Hoffnung, dass die eigene Offensive schon irgendwann mal punkten würde. So passierte, was bei Endspielen mit Patriots-Beteiligung schon häufig passiert ist: Tom Brady führte seine Mannschaft genau dann in die gegnerische Endzone, wenn es darauf ankam - im Schlussviertel. Auch das war eine taktische Meisterleistung: Brady bediente während der kompletten Sequenz nur einmal den ansonsten überragenden Receiver Julian Edelmann (zehn gefangene Pässe für 141 Yards Raumgewinn), er spielte vielmehr häufiger auf Rob Gronkowski, in die Endzone lief dann der Liganeuling Sony Michel.

Edelman wird als wertvollster Spieler des Finales ausgezeichnet

Dieses Finale war nicht nur ein Lehrstück von Belichick, der bei seinen mittlerweile sechs Titeln als Cheftrainer beim Rasenschach nur den König Brady als Konstante auf dem Spielfeld hatte. Es war ein Symbol dafür, warum diese Franchise seit rund 20 Jahren erfolgreich ist: Alle sind wichtig, Gronkowski zum Beispiel ist ein mächtiger Turm, und der als wertvollster Spieler des Finales ausgezeichnete Edelman ist ein grandioser Springer.

Nur: Jeder ist austauschbar auf dem Patriots-Schachbrett, und es gibt keine Dame, also keine Diven, mit der sich zum Beispiel die Pittsburgh Steelers dauernd herumschlagen müssen: Deren Laufspieler LeVeon Bell streikte die komplette Saison, und ihr Passempfänger Antonio Brown kam einmal einfach nicht zu einem wichtigen Spiel.

"Die Rams sind eine großartige Mannschaft mit einem großartigen Trainer", sagte Belichick danach in Richtung des geknickten McVay; auf die Frage nach diesem taktischen Leckerbissen antwortete er: "Das waren alles die Spieler: Sie haben die Läufe aufgehalten, die Gegenspieler umgerissen, die Passempfänger gedeckt." Das ist der so genannte "Patriots Way", den Belichick seinen Spielern einimpft und auch selbst vorlebt: Niemand ist wichtiger als das große Ganze, nicht mal der Trainer.

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