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Super Bowl:Der blamable Abend der Rams

  • Das Spektakel des Super Bowl elektrisiert in den USA Millionen Menschen - auf den Straßen, vor dem TV und im Stadion.
  • In Atlanta feiert die Mehrheit der Zuschauer mit dem Sieger, den Patriots.
  • Tom Brady gewinnt mit seinem Team erneut, es ist aber wirklich nicht sein bestes Spiel.

Eine der vielsagendsten der tausend Zahlen, die von den statistikbesessenen Amerikanern im Vorfeld des Super Bowl verbreitet wurden, war jene, dass mehr als eine Million Arbeitnehmer am Tag nach dem Mega-Ereignis nicht arbeiten gehen. Das Ereignis elektrisiert ein Mal im Jahr das ganze Land, die USA sind von der Ost- bis zur Westküste so sehr vom weltgrößten Einzelsport-Event fasziniert, dass selbst der Broterwerb in den Hintergrund rückt.

Seit Tagen befand sich Atlanta im Ausnahmezustand: 1,5 Millionen Menschen - so die Schätzung - machten sich auf in die Gastgeberstadt des Super Bowl. Dabei kamen lediglich 70 000 in den Genuss, das Spiel live im Stadion verfolgen zu dürfen. Für die, die sich Downtown durch die Straßen schoben, konnte das Spektakel gar nicht laut, grell, bunt und überbordend genug sein. Tausende freiwillige Helfer wiesen den glücklichen Kartenbesitzern den Weg zum gigantischen Stadion, das im August 2017 seiner Bestimmung übergeben wurde und als modernste Sportarena der USA gilt. Dutzende Laienprediger teilten den vorbeihastenden Menschen mit, dass nur der Glaube den Weg weise und Jesus nie lüge.

US-Sport Die Regentschaft der Patriots geht weiter
Sechster Sieg im Super Bowl

Die Regentschaft der Patriots geht weiter

Das Team um Quarterback Tom Brady setzt sich verdient gegen die Los Angeles Rams durch. Lange passiert offensiv nichts - doch dann hat Brady einen Einfall.   Von Claus Hulverscheidt

Auf dem Boden lagen T-Shirts, auf denen vor allem der Anführer der vielfach verhassten New England Patriots verunglimpft wurde. "Tom Brady sucks" und "Tom Fuckin Brady". An einer Rolltreppe sprang eine junge Dame wie ein Flummi auf und ab und schrie die Botschaft heraus: "Have fun, guys, have fun." Weiter unten versuchte eine Blaskapelle, sich Gehör zu verschafen. Die Geräuschkulisse war ohrenbetäubend.

Ein echtes Problem für die NFL?

Die überwiegende Mehrheit der Fans bekannte sich zu den Patrioten aus Neuengland, Trikots der Los Angeles Rams waren überraschend wenig zu sehen, die Anhänger des Teams aus Kalifornien kaum zu hören. Es gab ja auch keinen Grund für sie, vor Begeisterung zu schreien. Eher, vor Entsetzen zu stöhnen - angesichts einer Leistung, die eines Finalisten nicht würdig war. Die Mannschaft von Trainer Sean McVay und Quarterback Jared Goff erwischte einen düsteren Abend, wie es ihn in der 53-jährigen Geschichte des Super Bowl noch nicht gegeben hat.

Am Ende stand eine 3:13-Niederlage, mit der die Rams neue Negativrekorde aufstellten: Keinen einzigen Punkt in der ersten Hälfte, ein Fieldgoal in der zweiten, keinen Touchdown im ganzen Spiel - blamabler hätte die Vorstellung kaum ausfallen können. "Es tut mir weh", klagte Quarterback Jared Goff: "Es ist unser Job, Punkte zu erzielen, und den haben wir nicht erledigt."

Auch Rams-Trainer Sean McVay gab sich sehr selbstkritisch: "Ich habe uns keine Chance gegeben, heute zu gewinnen. Ich weiß nicht, wie man jemals darüber hinwegkommen sollte. Ich wurde heute definitiv outcoached."

Bilder zur Halbzeitshow

Big Boi im Rapper-Nerz

Überhaupt war der Super Bowl keine Veranstaltung, die das riesige Bohei im Vorfeld auch nur ansatzweise rechtfertigen konnte: 21 Punkte beim Super Bowl Nummer VII und 22 beim Super Bowl Nummer IX, das waren bislang die Tiefstwerte, die nun mit 16 Punkten locker unterboten wurden. Es gab noch sechs weitere Negativrekorde zu vermelden bei einem Event, das während des Matches kaum Adrenalin freisetzte. Terence Moore aus Atlanta, der in den Vereinigten Staaten zu den profiliertesten Sportjournalisten gehört, fand drastische Worte zum faden Spiel. Dies sei "der mit Abstand langweiligste Super Bowl überhaupt" gewesen, sagte Moore und verzog sein Gesicht: "Das war echt brutal, wenn es solche Spiele öfter gibt, hat die NFL ein echtes Problem."