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Streit bei 1860 München:Das Druckmittel bricht weg

Vorteil für die Vereinsseite: Dem e.V. von Zweitligist 1860 München droht nach einem Gespräch mit dem Finanzamt vorerst keine Insolvenzgefahr. Im Streit mit Investor Hasan Ismaik gewinnt die Vereinsführung damit Zeit - positive Signale gibt es auch von Geschäftsführer Robert Schäfer.

Wenn Franz Maget mit etwas zufrieden ist, dann sagt er das, dann redet der Politiker nicht lange herum, wie am Montagabend. Der 58-Jährige kam gerade von einer intensiven Sitzung beim Finanzamt, als Vizepräsident des TSV 1860 München hatte er dort ein delikates Problem zu erörtern, eines, das eine besondere Rolle in dem Machtkampf bei den Löwen spielt. Der e.V. hat in den vergangenen Jahren mutmaßlich gegen den Status der Gemeinnützigkeit verstoßen, nun sucht der Verein nach einem Weg, dieses Malheur wiedergutzumachen.

TSV 1860 Muenchen - Eintracht Frankfurt

Zuschauer gegen Eintracht Frankfurt: 1860-Investor Hasan Ismaik.

(Foto: dapd)

"Es war ein sehr gutes und konstruktives Gespräch mit dem Finanzamt", sagte Maget, "wir haben verschiedene Möglichkeiten besprochen, wie wir das Problem der Gemeinnützigkeit heilen können." Zu einem konkreten Ergebnis seien die Diskutanten noch nicht gelangt, jedoch konnte sich Maget mit der Behörde auf einen für den e.V. positiven Fakt einigen: Das Problem solle "zeitnah, aber ohne Frist" geklärt werden. In diesem Jahr dürfte wohl keine Entscheidung mehr fallen, wie sich 1860 dieses Problems entledigt.

Und das, jetzt kommt wieder der Machtkampf ins Spiel, dürfte ein Vorteil für die Vereinsseite sein, die mit dem Miteigentümer Hasan Ismaik nach wie vor, sechs Monate nach dem finanziellen Einstieg des jordanischen Geschäftsmanns bei den Sechzigern, um wichtige Gestaltungsfragen ringt. Der Verein gewinnt deutlich an Zeit und kann sich intern nicht mehr unter Druck setzen lassen. Zumindest nicht wegen der leidigen Steuer-Problematik.

Würde dem e.V nämlich die Gemeinnützigkeit aberkannt und müsste er rückwirkend eine Schuld begleichen, wäre der Gang in die Insolvenz nicht fern. Zuletzt hatte die Investorenseite um Ismaik und dessen Statthalter Hamada Iraki die Finanzprobleme des e.V als Druckmittel benutzt, um Forderungen durchzusetzen. Der Investmentbanker Iraki hatte zudem betont, der e.V. müsse seine Probleme selbst klären, womit er juristisch wohl recht hat.

Ein Niedergang des e.V. jedenfalls würde zwangsläufig das Aus des 1860-Präsidenten Dieter Schneider bedeuten, und auf das arbeitet die Investorenseite, wie sich die Dinge darstellen, verstärkt hin. Nun, nachdem das Finanzamt keine Entscheidungsnot bis Ende des Jahres zu sehen scheint, bricht Ismaik und Iraki ein mächtiges Druckmittel weg.

Schneider wird wohl so schnell nicht von Bord gehen. Immerhin: Vielleicht ist das die Chance, dass beide Seiten, Verein und Investor, ihre Grabenkämpfe zum Wohle aller einstellen - oder wenigstens reduzieren.

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